Frauenhaus

Mehr als ein Jahr war sie weg und nun endlich ist T. zurück aus dem “Land Down Under” . Gemeinsam mit ihrer Symbiontin V. kündigte sie sich für den Abend an. Wiedersehensfreude, Kochlust und die Aussicht auf einen spannenden Abend machten die Zusage leicht. Voll bepackt mit tollen Sachen, die das Schwatzen leichter machen, verpackt in einem faltigen Pappkarton, ritten die beiden ein. Ich hatte versprochen zur Feier des Tages meine Kochkünste anzuwenden – die Wahl fiel auf Pasta mit Spinatsahnesausce, meine berühmte Kartoffelsuppe konnte diesmal nicht überzeugen. Also fix einen Kessel Wasser auf die Feuerstelle geschleppt, nebenbei die Spinatsahnesauce angerührt und die Mädels mit Flaschenöffner und Geschichten versorgt. Mitten im schönsten Plaudern – irgendwo zwischen einem aus Liebesgründen lose gerüttelten Straßenschild und der Einsicht, dass eine Beißhemmung dem Fortgang der Verliebtheit schadet – klimpert die Klingel dazwischen. H. begehrt Einlass. V. erklärt, H. sei die Transportsachverständige und für den sicheren Heimweg der Symbionten zuständig. Gut! Wenig später steht H. in der Tür, nach einer hastigen Umarmung gesellt sie sich zu uns in die Küche. Die Frage “Hast du schon gegessen?” beantwortet sie mit einem ausweichenden “Hmmmm, ööhhmmm…” – also hat sie nichts im Magen. Kurzerhand landet ein weiterer Teller auf dem Tisch, Gabel und Löffel werden daneben gelegt und das Stillleben wird mit einem frischen Bleirohr-Riesling abgerundet. Mit dem Mädelsgeschwader am Tisch wird so ziemlich alles besprochen – kurz: Wir verhandelten Leben, Liebe, Laster. Der Kessel voller Nudeln in cremiger Spinatsauce wurde zwischenzeitlich serviert und dann regelrecht ausgeleckt. Immer wieder landeten die Gabeln stochernd in dem Topf – selbst kleinste Reste wurden zwischen zwei Silben genussvoll von den Gabeln gelutscht. Aus dem kulinarischen Epizentrum des Abends verlegten wir den Fortgang des Wiedersehensbegängnisses auf die 2 Meter “Klippan” im Salon. Das Bild lässt sich treffend mit ‘Hühnerstange de luxe’ beschreiben. Hübsch aufgereiht saßen die drei attraktiven Frauen auf dem Sofa und wir plauderten fröhlich, laut und ausgelassen. Irgendwann gesellte ich mich auf dem letzten freien Platz meines schwarzen Sofas hinzu und der Abend endete mit Hahn im Korb in trauter Viersamkeit.

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One Response to “Frauenhaus”

  1. Also gut, dit Sofa is nich so meine Masche…mag das nordische Einheitsdesign fürs deustche Prekariat nich so gern…aba mal zur Sache: Hast Deinen schriftlichen Ausdruck in den letzten Jahren schön rund geschliffen. Das gefällt, weils nich so holpert beim lesen und selbst schwierigere Sachverhalte schön noch angenehm einlullend rüberkommen…nicht schlecht, Herr Specht in Größe XL.

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