Luuk Zonneveld hält das Mikrofon wie eine Banane, die er nicht essen will. Eigentlich braucht er das Ding gar nicht, er ist auch so gut genug zu hören. Der groß-gewachsene gebürtige Niederländer steht vor einer Gruppe von etwa 50 Studierenden der Politikwissenschaften, die sich im Rahmen eines Blockseminars mit Entwicklungspolitik beschäftigen. Zonneveld war von 2001 bis 2007 Geschäftsführer der FairTrade Labelling Organization International, FLO. Er war der Mann, der darüber entschied, welche Produkte das FairTrade Label bekamen und welche Kriterien dafür gelten. Zonneveld erklärt den Studierenden, wie FairTrade funktioniert und warum FairTrade funktioniert. Da geht es um Weltmarktpreise, Margen, FairTrade Preise und seine Strategie, wie man kleinen Kaffeebauern ihr Existenz sichern und dabei die Welt ganz allgemein verbessern kann. Die Methode ist denkbar einfach – pro Pfund Rohkaffee zum Beispiel zahlt FairTrade einen festgelegten Preis, der immer mindestens 10 US-Cent über dem Weltmarktpreis liegt, die Marke von 121 US-Cent pro Pfund aber nie unterschreitet. Luuk Zonneveld ist sehr überzeugend bei seiner Präsentation und irgendwann im Laufe der hervorragenden Präsentation ändern sich die Gesichter einiger Studierender ganz langsam. Man sieht förmlich wie sich Widerwillen, Erstaunen und Resignation in ihren Zügen mischen. Kann es sein, dass der Mann vor der Powerpoint-Leinwand ein knallharter Geschäftstyp ist, der da ein Produkt verkauft? Ganz ohne Weltladen-Charme? Ja, das ist er. Und Luuk Zonneveld bringt es auf den Punkt: “Ohne ordentlichen Geschäftssinn macht FairTrade keinen Sinn. Wir machen ein Produkt, dass neben anderen Produkten auf dem Weltmarkt bestehen muss und der Verbraucher, vor allem in Deutschland, orientiert sich am Preis.” Vielfach ist ein leichtes Kopfnicken zu sehen, andernorts blitzt kurz Entsetzen auf. In den Augen dieser Studierenden steht es fast geschrieben: ‘Aber, aber, aber…’. Nix Aber! Luuk Zonneveld berichte auch von den ersten Versuchen große Konzerne von FairTrade zu überzeugen. Bei KraftJacobsSuchard versuchte man es mit Protesten vor der Haustür und Transparenten. Ergebnis: Verrammelte Türen und bis heute keine Gesprächsbereitschaft. Versöhnt werden die Skeptiker erst nach dem Referat. In der Fragerunde berichtet Zonneveld von den Verkaufsverhandlungen mit Starbucks, die einen kleinen Teil FairTrade-Kaffee im Angebot haben. Dort ersparte man sich die Proteste von vornherein und gelangte so in die Vorstandsetage. Allerdinnsg lief es auch dort nicht ganz problemlos. Der Chef von Starbucks habe den Raum verlassen als die FairTrade-Verhandler offen legten, dass ein Teil der Gelder aus dem fairen Handel dazu dient lokale Gewerkschaften zu gründen und die Kaffeebauern zu schulen und zu emanzipieren. Der FairTrade-Vortrag zeitigte im Anschluss gleich Früchte, eine Kommilitonin nutzte die Gelgenheit, das eben gehörte umzusetzen und bewarb den Online-Shop fairwear.de.
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