Hallo Frau Wegner – wie sitzt es sich denn so im niedersächsischen Landtag? Nach ihrer beschwerlichen Reise durch lange Jahre der Nichtbeachtung muss ein Landtagssessel doch richtig geil sein. Auf dem Ticket der Linken sind Sie in den Landtag Niedersachsens eingezogen. Wo sie doch eigentlich Mitglied der DKP sind. Der Kommunistischen Partei. Ich wusste gar nicht mehr, dass es die noch gibt. Nun haben Sie ihre Sekte nach 40 Jahren wieder in ein Landes-Parlament gebracht. Da gucken auch die Medien wieder genauer hin und man kann Sachen wieder in Mikrofone sagen, die vorher niemand hören wollte. Sie sind jetzt wieder interessant. Toll, was?
Frau Wegner, Sie sagen sie wollen eine Revolution. Umwälzung und so. Sagen Sie. Ich hab mir das mal angeguckt und muss sagen: Sie wollen die Rolle rückwärts. Eine Revolution ins Gestern. Geht’s noch? Das ist doch derselbe alte Mist, den man uns damals in der DDR erzählt hat. Da wird einem Übel, wenn Sie nach der Revolution die Stasi wieder einführen wollen.
Frau Wegner, lassen Sie sich eins gesagt sein: Für Menschen wie Sie sah die DDR von außen schöner aus als sie von drinnen wirklich war. Ich weiß das. Bin da geboren und aufgewachsen. Mein Vater war Bürgermeister einer kleinen Stadt und ein ganzes Rudel von Inoffiziellen Mitarbeitern hat ihn begleitet. Zum Wohle des Staates. Das hat ihn fast ins Gefängnis gebracht. Aber nicht, weil er konterrevolutionäres Gedankengut hegte, sondern weil er die beschränkten Mittel seines Amtes verwendete, um endlich eine Abwasserleitung in den Ort zu bekommen und die maroden Straßen zu sanieren. So sieht’s aus. Was bin ich froh, dass ich ihnen das so offen sagen darf. In ihrem Traumland hätte ein aufmerksamer Stasimitarbeiter längst die Leitung gekappt.