Arsch hoch zum Ostermarsch!

– Das wär mal ein Motto, dass die Leute hinterm Ofen vorholen könnte, um zum Osterfest gegen brutale Militärs, Krieg und politischen Sicherheitswahn zu protestieren. In diesem Jahr geht’s aber in Berlin gleich unter 8 Motti zum Ostermarsch auf die Straße. Von Krieg bis Gerechtigkeit ist irgendwie alles dabei. Seit nun schon 40 Jahren wird in Berlin zu Ostern protestiert. Ein Grund zu feiern. Und zum Jubiläum gibt’s auch eine kleine Revolution beim Ostermarsch. «Wir haben es dies Jahr zum ersten Mal durchgesetzt, dass tatsächlich es nur zwei Redner am Ende gibt und einem an Anfang.» Jubel – das ist ein großer Erfolg. Nicht nur für Moderatorin Jutta Kausch. Da ist es tatsächlich gelungen das alte Problem der deutschen Linken – Sektierer, Spalter und sonstige Verwirrte – einmal zu lösen. Mitmarschierer mit zig Wortbeiträgen quälen ist nicht mehr. Aber war nicht gerade das auch das spannende, bisweilen lustige am Ostermarsch, wenn trotzkistische Jugendgruppen die Weltrevolution versprachen? Ostermarsch war mal in – das ist aber schon ganz lange her. Gleich zum ersten Ostermarsch vor 40 jahren kamen 300.000 Menschen. Das war 1968. Ja – 1968. Da war Klaus-Dieter Heiser von der Linken auch schon dabei. Aber er findet: «Wir sind zwar grauer, aber nicht lahmer geworden. Deshalb sind wir auch diesmal dabei wenn es über den Kurfürstendamm geht. Die gleiche Route, die wir 1968 gegangen sind, wo wir uns gegen den Straßenterror der Polizei gewehrt haben. Jetzt müssen wir wieder über diese Straße gehen, um für unsere noch immer aktuellen Themen zu demonstrieren. Und dann ist er wieder da – der Über-Mythos. «Mit, ich würde sagen, schon der Ermordung von Rudi Dutschke, ging es ja auch darum, nachdem man ihn ja vorher publizistisch totgeschossen hatte, gedankliche Alternativen aus dem Leben dieses Landes zu verbannen. Und ein bisschen ist es ja wie heute, alternatives Denken das sich nicht an mehr Militär oder Intervention orientiert, soll geistig verbannt werden.», findet Reiner Braun. Gerade deswegen sei der Ostermarsch wichtig. Für Alternativen müsse man eben werben, sagt der Friedensfunktionär. Aber die stetig gesunkenen Teilnehmerzahlen der letzten Jahre sagen wohl eher, dass die Ostermärsche die Menschen nicht mehr bewegen. Klaus-Dieter Heise bemerkt abgeklärt: «Die Ostermarschbewegung hat ein Auf- und Ab gehabt. Das ist allgemein bekannt. 68 war ein Höhepunkt und auch ein Wendepunkt.» – danach gingen die Teilnehmerzahlen auch gleich wieder zurück – «Aber als die Frage der Raketenstationierung in Europa wieder akut wurde, fanden sich alle wieder zusammen. Und diese Tradition lebt bis heute fort. Tja – dieser Rückgriff ist aber auch schon wieder ein Vierteljahrhundert alt. Da gab’s was Verbindendes. Das fehlt heute anscheinend. In diesem Jahr darf der geneigte Ostermarschierer in Berlin aus 8 Motti wählen. Aber homogen oder gar mainstreamig will man ja auch gar nicht sein, sagt Reiner Braun. «Er ist immer ein Marsch der Zivilcourage gewesen, gegen den gesellschaftlichen Mainstream.» Aber irgendwie kann man sich aus der Beliebigkeit der Motti ja eins heraussuchen, das einen motiviert. Arsch hoch zum Ostermarsch ist allerdings nicht dabei.

Über miescha

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