Dauerwerbesendung im Gebühren-TV

Lange habe ich mit M. darüber gezankt, ob ich die Einweihungssendung zum neuen Clubschiff der AIDA-Cruises sehen darf. Wir einigten uns darauf die Sendung des NDR-Fernsehens nur zum Teil zu sehen. Das große Finale sozusagen. Patriotische Gefühle hatten mich übermannt, schließlich sollte die Schiffstaufe am Warnemünder Kreuzfahrtterminal live im Fernsehen übertragen werden und das Kreuzfahrtgeschäft boomt, Rostock und Mecklenburg-Vorpommern profitieren davon, Arbeitsplätze, Zukunft und der ganze Kladderadatsch.

Mit einem einzigen Zwischenruf verpuffte meine heimatliche Eurphorie. “Das ist doch eine Dauerwerbesendung!”, empörte sich M. “Und das im gebührenfinanzierten Fernsehen!”, entfuhr es mir nur Bruchteile später. Mir schien es, als sprächen die Moderatorinnen und Beiträge nur noch ein Wort. AIDA; AIDA; AIDA; AIDA! Ich habe noch keinen Mitschnitt bestellt, um die Namensnennung einmal nachzuzählen. Der NDR hat’s auf jeden Fall übertrieben.

Und das nicht nur während der Sendung. Der geschätzte Kollege C. war bereits am Dienstag vor Ort. Er berichtet:

“Das NDR-Fernsehen hat große Technik, darunter eine mobile Senderegie auf einem 40-Tonner und zwei Kamera-Hublift-Kräne aufgefahren[...]”

Hinzu kamen unzählige Reporter, Moderatoren, Techniker. Für die Taufe der AIDA bella. Das Schiff eines privaten Kreuzfahrtunternehmens. Beiträge liefen im landesweiten Programm NDR1 Radio M-V, Fernsehbeiträge liefen im Nordmagazin, dem Landesprogramm mit der größten Reichweite aller NDR-Landesmagzine. Da ist dem Marketing der AIDA Cruises ein großer Coup gelungen. Präsenz der eigenen Marke auf beinah allen Kanälen und keinen Cent dazubezahlt.

Ich frage mich gerade, wer die zusätzlichen S-Bahn-Fahrten zwischen Hauptbahnhof und Warnemünde wegen des Ereignis bezahlt hat. AIDA oder das Land, das den S-Bahn-Verkehr bestellt? Wer kommt für die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Spektakel auf? Polizei, Feuerwehr und so? Wer bezahlt die Reinigung der Flächen auf denen das Feuerwerk stattfand? Das riecht gefährlich nach einem weitverbreiteten Prinzip – Kosten sozialisieren, Gewinne privatisieren.

Über miescha

Seit 30 Jahren mit offenen Augen und Ohren durch die Welt.
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