Die Bierflasche lehnt lässig an der gerade geschlossenen U-Bahn-Tür. Die geräuschvoll-verräterisch klimpernde Tasche steht daneben. Aber sie ist nicht irgendeine Tasche, sondern eine dieser übergroßen It-Bags, die Mann in diesem Sommer tragen musste. Knallrosa draufgedruckt steht ‘Guten Morgen’. Ihr Besitzer riecht nach Bier und Fusel, ist schätzungsweise 25 Jahre alt und schwer damit beschäftigt seine angeranzten Klamotten an seinem Leib zu sortieren. Sein kleiner Hintern wippt dabei in den zu engen Speckjeans immer wieder hin und her. Zwei Mädchen auf einer Sitzbank kichern sich deswegen eins. Die Twentysomething-Schnapsdrossel fährt sich immer wieder durchs Haar, richtet auch die letzte Locke und betrachtet sich immer wieder wohlwollend im spiegelnden Glas der U-Bahn-Tür. Jetzt kommt die Tasche über die Schulter. Das Haar gerät wieder durcheinander, die Kapuze am Sweatshirt verrutscht, müssen also beide wieder gerichtet werden. Aber: Die Tasche ist falschherum aufgezogen worden! Der Schriftzug ist nicht zu sehen, nur die grau-gestreifte Rückeite. Eilends wird die Klimpertüte wieder abgestreift, gedreht und neu aufgezogen. Haare richten, Spiegel gucken, Sweatshirt richten, Kapuze zuppeln, Augenbrauen nachwischen, Arschwackeln, Mädels kichern. Nächster Halt ‘Alexanderplatz’. Gekonnt bückt sich der Beau-Clochard kurz bevor sich die Tür öffnet, greift im ersten Schritt die Buddel Pennerglück und schwankt sicher auf den Bahnsteig.
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Ich mag ganz speziell den Begriff “zuppeln”.
Pingback: Cindy aus Marzahn #1 | Ubernerd
Guter Schreibstil – sehr interessant und humorvoll.