Wolfgang Tiefensee, glückloser Bundesverkehrsminister, will heute den Fortschritt der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit (VDE) vorstellen. Ein 40 38,8 Milliarden Euro-Programm, dass bereits 1991 aufgelegt wurde und bis heute nicht vollständig erledigt ist. Insgesamt 17 Straßen-, Schienen – und Wasserwegeprojekte sollten die Verbindungen zwischen West- und Ostdeutschland verbessern.
Paradebeispiel für die zum Teil mangelhafte Umsetzung ist das VDE Nr. 1 – die Bahnstrecken von Lübeck/Hagenow über Rostock nach Stralsund. Die Projektvorstellung und ihr Scheitern gibt es auch hier. Denn da schreibt die Bahn als ausführendes Unternehmen, man wolle bis 2006 fertig sein. Pustekuchen! An der Strecke wird immer noch, immer mal wieder gebaut. Und dann auch nicht so, wie es ursprünglich mal vorgesehen war. Nix ist mit durchgehenden zwei Gleisen, Elektrifizierung und Geschwindigkeiten bis zu 160km/h.
Die Bahn hat einen Flickenteppich zusammengeschustert. Zwischen Lübeck und Bad Kleinen ist die Teilstrecke des VDE Nr.1 nur eingleisig und dort müssen Dieseltriebwagen fahren, weil der Fahrdraht fehlt. Zwischen Rostock und Ribnitz-Damgarten ist bis auf den Abriss von Ausweichmöglichkeiten und ein paar neuen Weichen bisher nichts passiert. Die Züge ruckeln dort durch mehrere Langsamfahrstellen und nicht schneller als 120 Stundenkilometer. Ab Ribnitz-Damgarten West geht’s dann auf neuen Gleisen weiter mit 160km/h, aber das zweite Gleis fehlt. Immer wieder hieß es, das Zusatzgleis könne man bei Bedarf ja noch einbauen. Platz genug hat man zumindest gelassen.
Auf dem südlichen Abschnitt zwischen Hagenow und Bützow ist schon einiges passiert. Dort war die Strecke auch schon zweigleisig und elektrifiziert. Der Bahnhof Schwerin ist komplett überholt worden, neue Gleise liegen bis nach Hagenow und neuer Fahrdraht hängt auch. Von Ventschow bis Warnow ist die Strecke modernisiert oder wird gerade saniert. Rund um den wichtigen Kreuzugsbahnhof Bad Kleinen allerdings vernichtet die Bahn alle Fahrzeitgewinne, die die Züge auf den ausgebauten Abschnitten herausholen, denn die Anlagen im Bahnhof Bad Kleinen sind alt und verschlissen und die Anfahrt sowohl aus Richtung Schwerin als auch Rostock muss langsam erfolgen. Die Streckengeschwindigkeit ist wegen des Zustands der Gleise dauerhaft abgesenkt.
Geradezu putzig ist die Zielstellung bei der Reisezeit zwischen Lübeck und Stralsund. Die sollte mit dem VDE Nr.1 auf 2 Stunden sinken. Sie liegt derzeit bei 2 Stunden 53 Minuten. Das ist sogar wieder langsamer als noch vor einem Jahr.
Ich bin gespannt, was Herr Tiefensee heute zum VDE Nr. 1 sagen wird.
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