Dürüm mit Kündigung

Ich stehe an der Glastheke eines gepflegten Dönerladens mit angeschlossener Eckkneipe. Ein Dürüm-Döner am späten Abend nach getaner Arbeit soll es sein. Es duftet verführerisch nach frisch aufgebackenem Brot und leckerem Dönerfleisch, nur dem Chef stinkts gewaltig. Der kleine, gedrungene Mann im roten Polo-Shirt brummelt unaufhörlich etwas in seinen Schnauzer, gestikuliert wild und schaut immer wieder in Richtung der Tür mit der Aufschrift “privat”. Langsam macht er sich an mein Abendessen, murmelt, blinzelt und beginnt das Fleisch zu schneiden. Die blonde Kellnerin von hinter dem Tresen in der Eckkneipe kommt in den Imbissraum, geht hinter die Theke und steht demonstrativ hinterm Dönermann.

Er spürt ihre Anwesenheit, fährt herum und haut ihr fast das halbfertige Dürüm-Paket auf die Brust. “Oh, schuldige. Schaust du. Wenn ich ihr sage machst du so, macht sie nicht.” Dabei zeigt er auf den Dürüm und deutet seine Zubereitung an. “Wenn Gast sag: “Bring bitte Bier’. Sie steht rum. Gucken nur so.”, und er starrt mit in die Hüften gestemmten Armen in die Luft.

Sie kommt in diesem Moment durch die “privat”-Tür. Hübsch, braungebrannte Haut, schwarzes Haar, dunkle Augen, enge Jeans und Oberteil. Sie würdigt den Chef keines Blickes. Die blonde Tresenkraft geht zu ihr. Küsschen links, Küsschen rechts, Küsschen links. Beide flüstern sich etwas zu. Wortlos verlässt die Zornerregerin den Laden.

“Was sagen sie?”, fliegt es mir vom Dönerspieß entgegen. “Sie kommt hier rein vor vierzehn Tage. Setzt sich hin, klimpert mit Augen und fragt: ‘Hast du Arbeit’. Sag ich: ‘Ja’. Erste Tage geht gut. Aber dann wird immer schlechter.” Die Kräutersoße fliegt lieblos über Fleisch und Salat. “Ich zahle fümpf Euro Stunde. Aber nich für rumsitzen. Geld nur für Arbeit! Oder wie sehen sie?”

Verlegen nicke ich kaum sichtbar mit dem Kopf. Hoffe, dass mich die hübsche Arbeitsverweigerin nicht dabei sieht. Irgendwie ist mir der Appetit auf den Dürüm, der jetzt auf der Theke liegt, vergangen.

Über miescha

Seit 30 Jahren mit offenen Augen und Ohren durch die Welt.
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