Mitten in Afrika

Geburtstagsessen mit Freundin und Freundin. Ziel: Das Restaurant Bantou Village in der Kameruner Straße, gleich um die Ecke meiner neuen Residenz. Ein wenig Angst schwang vor dem Besuch mit, denn vor drei Tagen war die Speisekarte aus dem Schaukasten verschwunden.

Auf einer kippligen Bank an einem Tisch mit Sonnenblumendecke sitzen wir. Laute afrikanische Musik rhythmisiert durch den Raum, im Fernseher und auf der Leinwand laufen Boxkämpfe. Wir sind, abgesehen vom freundlichen Personal, die einzigen Gäste. Beck’s und Warsteiner werden als Aperitif gereicht, leider kann die Köchin keine Vorspeisen anbieten; zum Glück, wie sich später herausstellen soll.

Eine Speisekarte gibt es nicht. Die beleibte Köchin erzählt kurz was die Küche heute hergibt. Wir können zwischen Fisch mit Bananen und Gemüse mit Ochsenschwanz wählen. Zweimal Fisch und einmal Gemüse ordern wir. Beck’s und Warsteiner gehen als Zwischengänge durch den Hals, ihre appetitsteigernde Wirkung soll sich später noch als segensreich erweisen.

Die Wartezeit auf’s Abendessen wird uns gerade ein bisschen lang, als eine große Platte aus Richtung Küche zu uns getragen wird. Darauf zwei Fische, der eine so lang wie mein Unterarm, der andere etwa halb so groß, goldbraun gegrillt, frische Zwiebelringe und Zitronenscheiben locker darüber gestreut, verführerisch würzig duftend. Wir staunen. Es folgen: eine Platte mit gebratenen Bananenscheiben, die süß-buttrig in unsere Nasen steigen, ein großer Teller Reis, eine Platte mit einem Ragout aus Erdnüssen und Mangold(?), darin Teile vom Ochsenschwanz. Über dem Tisch hängt eine verführerische Duftwolke in der sich Fisch, Gemüse und Reis vermengen. Uns schießt das Wasser im Mund zusammen.

Der Fisch ist eine Offenbarung! Gegrillt, versteckte Schärfe, das Fleisch fest und schmackhaft. Die Gabeln fliegen zwischen Tellern und Fisch hin und her. Begleitet wird der Fisch von köstlichen gebratenen Bananenscheiben. Der Bananengeschmack ist intensiv und wird von einer buttrigen Note unterstützt, leckere Röstaromen rutschen mit durch den Mund.

Den Reis mischen wird mit dem Ragout, dass eine feine bittere Note und einen intensiven Erdnussgeschmack hat. Die Bittere und das Erdnussaroma werden immer intensiver je weiter das Gericht abkühlt. Die Ochsenschwanzteile sind zart und bissfest, der Geschmack des Rindfleischs verbindet sich überraschend gut mit dem Ragout.

Mit nicht zu kaltem Bier geht dieser Festschmaus herrlich runter. Völlig platt, mit dicken Bäuchen, fettigen Fingern und immer wieder mit der Zunge über die Lippen fahrend, endet der Ausflug in die afrikanische Küche. Vom Fisch bleibt nichts als der abgenagte Kopf, die Gräten und Flossen übrig, das Ragout verliert sich in kläglichen Resten auf der Servierplatte, der Reis ist alle, die letzten Bananenscheiben gehen als kleines Dessert weg.

Das Staunen über die schiere Menge des leckeren Essens setzt sich an der Kasse fort. Für die Platten voller Bananen, Reis, Fisch, Ragout und 8 Biere werden ganze 44 Euro fällig. Kostenlos dazu gab’s freundlichen, afrikanisch gelassenen Service und lustige Musikvideos vom schwarzen Kontinent.

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