Heimatpessimismus

In groben Pinselstrichen sind Wolken an den grau blauen Himmel gemalt. Am Horizont hinter der Stadt tastet sich ein zartes orange-rot über den Wald und die Wiesen. Pasewalk liegt im Schlaf, tief und fest. Wenn die Stadt erwacht, wird sie auch nicht vielmehr als träge sein. Die Zeit hat neue Wunden in die Stadt geschlagen, wieder fehlen Häuser, sind neue Leeren zwischen alten Quartieren gewachsen. Kurz hinter dem Markt schorft die nächste Zeile ihrem Ende entgegen. Barock die Eingangstüren, mittelalterlich das Grünstück, modern der Verfall mitten in der Stadt. Fährt man mit der Bahn in die Stadt, aus Berlin kommend, sieht man zuerst die große gelbe Klinik auf einem bewaldeten Hügel stehen und kurz darauf die große St. Marien. Kirche und Krankenhaus, beide zu groß geraten für die kleine Stadt. Siebenhundert Jahre trennen die beiden, vereint sind sie in ihren Gründern. Hoffnungsfroh und stolz waren ihre Architekten, im vollen Glauben an die Zukunft der Stadt. Die Zeit hat alle überholt. Schön sind die beiden trotzdem, als wollten sie der Zeit doch trotzen, herausgeputzt und strahlend. Glitzernd und gelb die Klinik, feld- und backsteinschön Marie. Krankheit und Kirche seien die letzten Überlebenden hier, sagen Menschen zu ihren Füßen.

Über miescha

Seit 30 Jahren mit offenen Augen und Ohren durch die Welt.
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