Kotzen fördert die Liebe

In einem Schwall ergießt sich unter viehischen Lauten eine rot-gelbe Masse auf den U-Bahnsteig. Ein langer, zäher Sabberfaden zieht sich vom Mund entlang links über das Kinn bis kurz vor die Brust. Das blone Mädchen reihert sich die Seele aus dem Leib. Ihr kleines Schwarzes ist schon vollgekoddert und die spitzen Stiefel sehen aus wie aus dem Speiseresteimer in der Kantine. Um sie herum zwei Jungs und ein anderes Mädchen, alle partyfein gekleidet, ordentlich angeschickert und sehr besorgt. Besorgt um das speiende Häufchen Elend, das immer wieder zuckend zum nächsten Auswurf ansetzt und sich dann krümmt, denn viel ist nicht mehr drin in dem zierlichen Mädchen, wenn man die Menge Erbrochenes vor ihren Füßen in Betracht zieht. Mit Taschentüchern streichen ihre Begleiter immer wieder zärtlich um ihr Kinn, reden immer wieder auf sie ein. Sie sind besorgt und besonders lieb zu ihr, streichen auch immer wieder durchs zersauste Haar und reden ihr gut zu. In die U-Bahn wird sie fast getragen, ihr Freund schaut sie trotz der Sauerei immer noch verliebt und zärtlich an. Er stützt, schiebt, hält seine Freundin fest und küsst sie einmal auf die Stirn. Völlig zu, schaut sie ihn an, will etwas sagen, bringts aber nicht raus, nur die Lippen bewegen sich und die Augen fallen ihr zu. Er packt sie liebvoll kräftig und seufzt. Ein kräftiger Rülpser schießt über seine Schulter; er lacht laut los.

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