Opa Walter und der Tod als Scheißkerl

Eine Kolportage:

Seit 4 Jahren ist Opa Walter auf der Station und spielt jeden Tag Karten. Kanaster, Skat und wenn die Rente kommt, auch Poker gegen die anderen Herren, die er aber immer in die Tasche steckt. An diesem Morgen nun kommt der Pfleger, fragt wie es geht und beginnt mit den morgendlichen Verrichtungen. Rollstuhl ranschieben, Opa Walter “aufladen”, wie er es selber nennt, losfahren ins Bad und erstmal schön auf den Pott. Wie jeden Morgen seit 4 Jahren schon. Opa Walter ist ein Mann der Gewohnheit, das gibt Sicherheit und strukturiert den Tag. Pfleger Martin geht kurz raus, wartet, fragt zwischendurch mal nach. Nur heute ist es anders. Opa Walter thront wie jeden Tag, die Zeitung war auch dabei, aber er gibt diesmal keine Antwort als der Pfleger nachfragt. Martin schaut nach und erschrickt. Ganz grau ist Opa Walter im Gesicht, zusammengesunken sitzen die 100 Kilo Lebendgewicht, die sich sonst auf knappe einssiebzig verteilen, unförmig irgendwo zwischen Klosett und Haltegriff an der Wand. Seine Brust hebt und senkt sich nicht mehr. Martin fühlt den Puls – nichts. Atmung – null. Der Pfleger drückt die Notfallklingel. Zwei weitere Pfleger eilen herbei, fühlen Puls, checken die Atmung. Opa Walter ist tot. Wie Martin später sagt: “Beim Kacken gestorben. Ein gnädiger Tod.”

Über miescha

Seit 30 Jahren mit offenen Augen und Ohren durch die Welt.
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