Archive for the ‘Persönliches’ Category

Handwerk, Rausch und Raufhändel

Donnerstag, Juni 10th, 2010

Es ist kurz nach elf, das Museumsfest in Pasewalk hat gerade begonnen. Es soll ein Museumsfest zum Mitmachen sein in diesem Jahr. Die Sonne scheint, Gulaschkanone, Grill und Bierwagen stehen bereit. Der Veranstalter hat historisches Handwerk, eine Wikingertruppe, einen archäologischen Sandkasten und freien Eintritt aufgeboten, um direkt am Museum Pasewalk die Besucher in den Bann zu ziehen.  Freier Eintritt ist wichtig in einer Region, in der die Menschen zuallererst fragen, was das Buddeln oder Mitmachen kosten soll, bevor sie ihre Kinder von der Hand lassen. Ein liebevolles, kleines Fest.

Der Bierwagen wird seit seiner Öffnung von einer deutschnationalen Besuchergruppe belagert, denen das Bier nicht schnell genug in die Plastikbecher fließen kann. Als die Mittelalter-Band für die Bühne angekündigt wird, bewegen sich die tätowierten und in die Thor-Steinar-Sommerkollektion gekleideten Biertrinker in das kleine Zuschauer-Halbrund vor der Bühne. Dort hat es sich bereits ein Betrunkener gemütlich gemacht, der als Stadtstreicher den Samstagvormittag ebenfalls mit Bier in rauen Mengen begonnen hat. Die Braunen setzen sich in die leicht erhöhte dritte Reihe, der rotgebrannte Stadtstreicher sitzt ganz vorn, lallt vor sich hin und versucht Lieder anzustimmen. Schnell fliegen die ersten Beleidigungen hin und her, dann ein Stuhl. Andere Besucher springen auf, laufen in Richtung des Handwerkermarktes. Eine Schaustellerin wendet sich an den Veranstalter, der geht festen Schrittes in die Arena.  Er versucht herauszufinden, wer die Pöbeleien angefangen hat, warum der Stuhl geflogen ist.  Heftig gestikulierend steht er zwischen den Krawallbrüdern. Wie kleine Kinder stehen sich die Kontrahenten gegenüber, keiner wills gewesen sein. Der Veranstalter versucht zu beschwichtigen und macht klar, das rausfliegt, wer Ärger macht.  Die Stimmung bei den Besuchern ist gedrückt, die Empörung über das Nazi-Gepöbel wird nur hinter vorgehaltener Hand laut. Alle ärgern sich, eine Handhabe sieht keiner. Im Notfall müsse eben die Polizei geholt werden. Das mache dann aber einen schlechten Eindruck. Irgendwann beschränken sich die Nationalen aufs Biertrinken und grimmiges Blicken. Unter das Publikum mischen sich den ganzen Tag über auffallend viele Betrunkene, die es sich irgendwann auf der Blumenrabatte am Eingang zum Museumsfest gemütlich machen. Reichlich Schluck wird aus Flaschen und Bechern getrunken, Nachschub organisiert ein Läufer, der immer mal wieder zum Supermarkt um die Ecke schwankt.

Die späteren Besucher, darunter viele Kinder, sehen dann die sturztrunkenen Nazis an ihrer Bierbank hocken, am Eingang mussten sie schon an den friedlichen, aber lauten Trinkern vorbei. Immer wieder tuscheln Besucher, blicken auf den Eingang und den deutschnationalen Stammtisch. Die Verwunderung ist groß, die Empörung leise. Man traut sich nicht. Alle versuchen die Störer, die offensichtlich auf nichts anderes als Rausch und Raufhändel aus sind, zu ignorieren. Die in diesem Moment anscheinend einzig erfolgreiche Strategie, um das Problem nicht größer werden zu lassen.

Das liebevoll gestaltete Fest, mit tollen Ausstellern, 300 Gästen, lachenden Kindern, die vergnügt im archäologischen Sandkasten wühlen und Veranstaltern, die alles geben, um der Stadt und dem Museum Impulse zu geben, wird von ein paar Unbelehrbaren versaut. So beschissen kann Vorpommern sein.

Wenn Wahrheit weh tut

Montag, Mai 24th, 2010

Ich habe sehr lachen müssen, als ich, im Rahmen eines Gesprächs über Liebe und Ex-Freundinnen und Ex-Freunde, diesen Satz hörte:

“Sie hält mich für die Schlampe, die ich bin.”

Bauchschmerzen vor Lachen.

Getroffen

Dienstag, Februar 9th, 2010

Geschäftsführer

Senator

Gewerkschafter

Abgeordneter

Historiker

Landschaftsökologin

Journalistin

Journalist

Postbotin

Geschäftsfrau

Stadtführerin

Studentin

Musiker

Literaturwissenschaftlerin

Sportlehrer

Gutachterin

Vermieterin

Imbissverkäuferin

Gaststättenbesitzer

Schnafferin

Lokführer

Heimatpessimismus

Mittwoch, Dezember 30th, 2009

In groben Pinselstrichen sind Wolken an den grau blauen Himmel gemalt. Am Horizont hinter der Stadt tastet sich ein zartes orange-rot über den Wald und die Wiesen. Pasewalk liegt im Schlaf, tief und fest. Wenn die Stadt erwacht, wird sie auch nicht vielmehr als träge sein. Die Zeit hat neue Wunden in die Stadt geschlagen, wieder fehlen Häuser, sind neue Leeren zwischen alten Quartieren gewachsen. Kurz hinter dem Markt schorft die nächste Zeile ihrem Ende entgegen. Barock die Eingangstüren, mittelalterlich das Grünstück, modern der Verfall mitten in der Stadt. Fährt man mit der Bahn in die Stadt, aus Berlin kommend, sieht man zuerst die große gelbe Klinik auf einem bewaldeten Hügel stehen und kurz darauf die große St. Marien. Kirche und Krankenhaus, beide zu groß geraten für die kleine Stadt. Siebenhundert Jahre trennen die beiden, vereint sind sie in ihren Gründern. Hoffnungsfroh und stolz waren ihre Architekten, im vollen Glauben an die Zukunft der Stadt. Die Zeit hat alle überholt. Schön sind die beiden trotzdem, als wollten sie der Zeit doch trotzen, herausgeputzt und strahlend. Glitzernd und gelb die Klinik, feld- und backsteinschön Marie. Krankheit und Kirche seien die letzten Überlebenden hier, sagen Menschen zu ihren Füßen.

Was war los?

Mittwoch, Dezember 2nd, 2009

Es gibt Dinge in diesem Internet, die versetzen auch meinen abgebrühten Administrator Marcus Pauli immer noch in Erstaunen und erfordern all sein Improvisationstalent, seine Beharrlichkeit, seine Professionalität und den unbedingten Willen, das “ich könnt’ faulen!” in Triumphgeheul zu verwandeln.
Heute hat er es geschafft den Bug zu beseitigen, der miescha.de lahmgelegt hat. Nix ging mehr. “Das Ding ist da, aber irgendwie auch nicht.”, war die für mich verständlichste Erklärung der ersten Stunde. “Heidiho!” das erlösende Zeichen seines Sieges über die Einsen und Nullen in diesem Internet, die miescha.de unlesbar machten.

Danke an Marcus für den Einsatz! Jetzt jeht et wieda! Jippie!

Bekenntnis eines Nichtwählers

Donnerstag, Oktober 1st, 2009

Ich habe gestern ein kleines Video im Freundeskreis herumgeschickt. Diese Video ist ein Ausschnitt aus den Looney Tunes und war für mich Sinnbild der schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen. Ich habe heute darauf diese Reaktion eines befreundeten Nichtwählers bekommen, der das Video seinerseits an Freunde weitergeschickt hat.

“Mit dem ÜberMute eines Nicht- und somit natürlich Falschwählers muss ich mich bei allen mir bekannten 24 Politologen entschuldigen und ernsthaft versuchen, mein politisches Gesicht zu wahren.

Schluss mit Zynismus, Sarkasmus und Ignoranz, Herr Schmidt !

Politik – das geht alle an, Dich und mich ! Und Bürgerrechte kommen nicht von ungefähr !

Der reiche Anwalt Maximilien Robbespiere ist als überzeunder Vertreter des Armen-Standes dafür erfolgreich hingerichtet worden, dass er um die Bürgerrechte gekämpft hat, – naja, eigentlich wurde er geköpft, weil er 3000 Royalisten in der Provence an einem Tag ermorden ließ – aber jedenfalls – sein parfümierter Kopf fiel für uns in den Weidenkorb in Saint Denis, für Dich und mich – auch wenn Frankreich danach wieder Kaisertum und Monarchie wurde und in einen Krieg fiel, aber immerhin der Ansatz -

Das große Schwarz und das kleine Gelb haben nun die Verantwortung für Dein und mein Land übernommen, den Bürgeraufrag erhört -

Und mein Vertrauen war noch nie so groß, dass jetzt alles gut wird.

Entweder werden sich die Politiker endlich besinnen und ausschließlich den kleinen Mann fördern, oder nicht , – dann wird die Opposition den Ruf, die Stimme des Volkes hören, zum letzten internationalen Gefecht blasen, die rote Fahne aufnehmen, die noch im Prozentenschmutz der Umfragewerte liegt, und uns alle mit Neuwahlen retten, Dich und mich !

Dann wird 2010 die SPD 55 % bekommen, die Linke 25 %, die FDP und CDU zusammen nur 10 %, die Grünen noch 30 %, und dann haben wir hervorragende 115 % aufzuteilen (mein Mathe).

Und hier stehe ich als geläuterter, besserer Mensch, der wieder an das Gute im Politker-Mensch glauben kann.

So stelle ich mir die Koalitions-Verhandlungen von CDU und FDP vor.”

Windfang

Samstag, September 5th, 2009

Ich stehe am Straßenrand und schaue einfach den Autos hinterher. Die Zigarette brennt schnell herunter, weil mir der Wind dauernd von links entgegen bläst. Ich schaue in Richtung des Winds und zucke kurz zusammen, denn ich sehe das Haus am Ende der Straße, dort wo sie den Knick um die große Kirche macht. Zwei Wagen stehen geparkt dem Eingang zugewandt. Fast gespannt warte ich, ob jemand heraustritt. In mir kribbelts und ein Seufzer geht in den Wind, dem nächsten Zug an der Kippe folgt noch einer und ich trete von einem Fuß auf den anderen, fahre mir mit der Hand durch die Haare und nehme einen letzten hastigen Zug. Niemand tritt heraus, warum auch. Ein Grinsen zuckt übers Gesicht, das Schicksal kann man eben nicht zwingen. Klopfen und jemanden herausbitten, das traue ich mich nicht. Ich lächle, werfe die Zigarette auf die Straße, trete sie mit Nachdruck aus und schaue nochmal nach links. Verrückt.

Reisewahnsinn

Donnerstag, September 3rd, 2009

Ich hab mich vorhin grün und blau geärgert. Auf meinem Rückflug von England nach Berlin bin ich doppelt kontrolliert worden. Erst beim Einchecken in England und dann gerade eben nochmal vor dem Transit nach Berlin. Das hat mich schwer gewundert, zumal die deutschen Einreisechecker es diesmal besonders ernst gemeint haben. Das sie den wunderbaren Duft meiner herrlich abgetragenen Sneakers ertragen mussten – selbst schuld. Das meine Boxershort hervorlugt, wenn meine Hose ohne Gürtel rutscht und erst kurz vor dem Arschbackenabsturzrand zum Halten kommt, amüsierte die junge, blonde Durchleuchtungsgehilfin, ihr älterer Kollege rümpfte die Nase. Naja und mein Laptop ist jetzt auch saubergewischt. Mit so einem wundersamen Chemolappen ist der Jungspund von Kontrolletti über das gesamte Gerät gefahren. Streifenfreie Sauberkeit und zertifiziert sprengstofffrei.
Ich wundere mich deswegen so ungemein, weil ich sonst bei Zwischenlandungen nur vor dem Start kontrolliert werde und dann ungestört vom Ankufts- zum Abfluggate spazieren kann. Das war heute anders. Wieder was erlebt. Reisen bildet ja bekanntlich.

Urlaubsimpressionen

Montag, August 10th, 2009

Franken -Baden – Schweiz, das waren 9 Tage Sommerurlaub jenseits von Redaktionsalltag, E-Mail-Stress und ständiger Erreichbarkeit. Ich empfehle:

Das “Café Bohne” in Fürth

Den Biergarten “Obstgärtla”

Zirndorf

Abendliches Biertrinken am Rhein in Basel

Die “Fondation Beyeler” in Riehen bei Basel

Das “Schaulager” in Basel

Grenzgänge im Dreiländereck Deutschland-Schweiz-Frankreich

Gekühlten spanischen Rotwein in einem kleinen Garten

Eine nächtliche Fährüberfahrt über den Rhein

Bahnfahren durch die Schweiz

Das Kunsthaus Zürich

Das Landesmuseum der Schweiz

Das Fraumünster in Zürich

Die Bar “La Catrina” in Zürich

Das Restaurant “La Opera”

Das Café “Sprüngli” und seine himmlischen Himbeertörtchen

Rapperswil

Einsiedeln im Kanton Schwyz

Sattelegg im Kanton Schwyz

Nachfolgend ein paar Bilder aus diesen Tagen.

Deutschlandtour – neue Runde: Zwangsfütterung

Sonntag, August 2nd, 2009

Fürth, kurz nach Mitternacht. Zwei hungrige Gestalten, die den Abend schon bei Bier aus Tittingen (s. Bild), Oberaufsess und anderen merkwürdigen Orten verbracht haben, entern die McDonalds-Filiale in der Nähe des Fürther Hauptbahnhofs. Zwei Burger sollen den Bierhunger bezwingen. Die Bestellung wird ordnungsgemäß aufgegeben und die Wartezeit am Ausgabetresen verbracht. Aber irgendwas stockt. Der nächtliche Ansturm überfordert das freundliche und engagierte Personal. Die Chefin tritt auf den Plan und checkt die Wartezeiten. Die Burgerbestellung liegt schon über dem Zeitlimit. Die Tresengäste murmeln, lachen, drücken vorpommersch vornehm ihre Überraschung darüber aus. Als kleine Entschädigung bietet die Burgerbratchefin erstmal eine Cola an. Die bescheidenen Gäste lehnen das erstmal ganz schüchtern ab. Die Chefin bittet aber weiter freundlich um die Annahme der Getränke, als kleinen Anreiz raschelt sie noch mit Pommes, die sie noch dazu tun könne. Wie kichernde Mädchen lehnen die Herren mit dem Burgerhunger erstmal ab, um dann doch abzunehmen. Und so wird die Tüte, die eigentlich nur zwei Burger enthalten sollte, bis zum Bersten befüllt, Cola daneben gestellt und zwei hysterisch lachende, hungrige Spätausflügler flitzen zum Bahnhof, besteigen den Zug und verwandeln das Abteil in ein Bord-Schnellrestaurant. Platte Sprüche, billige Witze und immer wieder Kichern und Lachen runden die Zwangsfütterung ab.