Es ist kurz nach elf, das Museumsfest in Pasewalk hat gerade begonnen. Es soll ein Museumsfest zum Mitmachen sein in diesem Jahr. Die Sonne scheint, Gulaschkanone, Grill und Bierwagen stehen bereit. Der Veranstalter hat historisches Handwerk, eine Wikingertruppe, einen archäologischen Sandkasten und freien Eintritt aufgeboten, um direkt am Museum Pasewalk die Besucher in den Bann zu ziehen. Freier Eintritt ist wichtig in einer Region, in der die Menschen zuallererst fragen, was das Buddeln oder Mitmachen kosten soll, bevor sie ihre Kinder von der Hand lassen. Ein liebevolles, kleines Fest.
Der Bierwagen wird seit seiner Öffnung von einer deutschnationalen Besuchergruppe belagert, denen das Bier nicht schnell genug in die Plastikbecher fließen kann. Als die Mittelalter-Band für die Bühne angekündigt wird, bewegen sich die tätowierten und in die Thor-Steinar-Sommerkollektion gekleideten Biertrinker in das kleine Zuschauer-Halbrund vor der Bühne. Dort hat es sich bereits ein Betrunkener gemütlich gemacht, der als Stadtstreicher den Samstagvormittag ebenfalls mit Bier in rauen Mengen begonnen hat. Die Braunen setzen sich in die leicht erhöhte dritte Reihe, der rotgebrannte Stadtstreicher sitzt ganz vorn, lallt vor sich hin und versucht Lieder anzustimmen. Schnell fliegen die ersten Beleidigungen hin und her, dann ein Stuhl. Andere Besucher springen auf, laufen in Richtung des Handwerkermarktes. Eine Schaustellerin wendet sich an den Veranstalter, der geht festen Schrittes in die Arena. Er versucht herauszufinden, wer die Pöbeleien angefangen hat, warum der Stuhl geflogen ist. Heftig gestikulierend steht er zwischen den Krawallbrüdern. Wie kleine Kinder stehen sich die Kontrahenten gegenüber, keiner wills gewesen sein. Der Veranstalter versucht zu beschwichtigen und macht klar, das rausfliegt, wer Ärger macht. Die Stimmung bei den Besuchern ist gedrückt, die Empörung über das Nazi-Gepöbel wird nur hinter vorgehaltener Hand laut. Alle ärgern sich, eine Handhabe sieht keiner. Im Notfall müsse eben die Polizei geholt werden. Das mache dann aber einen schlechten Eindruck. Irgendwann beschränken sich die Nationalen aufs Biertrinken und grimmiges Blicken. Unter das Publikum mischen sich den ganzen Tag über auffallend viele Betrunkene, die es sich irgendwann auf der Blumenrabatte am Eingang zum Museumsfest gemütlich machen. Reichlich Schluck wird aus Flaschen und Bechern getrunken, Nachschub organisiert ein Läufer, der immer mal wieder zum Supermarkt um die Ecke schwankt.
Die späteren Besucher, darunter viele Kinder, sehen dann die sturztrunkenen Nazis an ihrer Bierbank hocken, am Eingang mussten sie schon an den friedlichen, aber lauten Trinkern vorbei. Immer wieder tuscheln Besucher, blicken auf den Eingang und den deutschnationalen Stammtisch. Die Verwunderung ist groß, die Empörung leise. Man traut sich nicht. Alle versuchen die Störer, die offensichtlich auf nichts anderes als Rausch und Raufhändel aus sind, zu ignorieren. Die in diesem Moment anscheinend einzig erfolgreiche Strategie, um das Problem nicht größer werden zu lassen.
Das liebevoll gestaltete Fest, mit tollen Ausstellern, 300 Gästen, lachenden Kindern, die vergnügt im archäologischen Sandkasten wühlen und Veranstaltern, die alles geben, um der Stadt und dem Museum Impulse zu geben, wird von ein paar Unbelehrbaren versaut. So beschissen kann Vorpommern sein.































