Castor-Route vorgeschrieben?

In wenigen Tagen soll ein Schienentransport mit 4 Castor-Behältern in das Zwischenlager Nord in Lubmin bei Greifswald rollen. Entlang der Bahnstrecken im Land werden Proteste von Atomkraftgegnern erwartet. Möglich wären Routen über Rostock nach Stralsund und dann Greifswald, Neubrandenburg-Stralsund-Greifswald oder über Pasewalk nach Greifswald. Davon gehen die Atomkraftgegner aus.

Ein Kollege wies mich heute darauf hin, dass die Routen über Rostock und Neubrandenburg gar nicht Bestandteil der Routenplanung sein könnten. Grund dafür seien Sicherheitsbestimmungen, die eine zweigleisige Strecke vorschrieben, um den Transport sicher abwickeln zu können. Wenn das stimmt, fielen die Routen über Rostock und Neubrandenburg von vornherein aus, denn sie führen nur auf einem Gleis bis nach Stralsund.

Das Bundesamt für Strahlenschutz kann dazu hoffentlich noch Auskunft geben. Ich erwarte noch am Nachmittag einen Rückruf dazu.

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Fortbildung im Wartesaal

Bei der Fortbildung erwischt (klicken für Großbild)

Gestern Abend las Dieter Moor in Rostock aus seinem Buch “Was wir nicht haben brauchen Sie nicht.” Während ein befreundeter Kollege auf das richtige Motiv wartete, stöberte ich im Bücherregal neben mir und fand Fortbildungsmaterial. Das besagter Kollege auch an diesem Motiv Gefallen gefunden hat, stellte sich dann heute morgen heraus.
Seite 62 ist besonders interessant. Da geht es um “Sexual Attitude Restructuring”. Anscheinend kann man lernen, vorurteilsfrei über alle Spielarten der Sexualität zu sprechen.

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Atommülltransporte über den Rostocker Hafen?

Der Rostocker Hafen als Umschlagplatz für Atommüll – Für Teile der Rostocker Bürgerschaft ein denkbares Szenario. Über Rostocker Kaikanten könnten radioaktive Abfälle aus dem Zwischenlager Ahaus nach Russland verschifft werden, die dorthin auf Grund eines Vertrages zurückgehen sollen. Die Grünen, Linke und Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09 wollen das verhindern und den Hafen atommüllfrei halten. Sie stellen dazu heute einen Antrag in der Bürgerschaft. “Wir befürchten, dass die Bundesregierung das nutzen wird, um Atommüll in Richtung Russland zu verschiffen. Da geht es um einen Forschungsreaktor in Ostdeutschland, dessen Kernbrennstäbe höher angereichert sein sollen. Und das halten wir deswegen für bedenklich, weil wir es für einen Dammbruch halten.”, sagt Johann Georg Jaeger von den Rostocker Grünen. Ist erst einmal Atommüll über Rostock verschifft, passiert es immer wieder, so die Logik. Der Antrag wird auch damit begründet, dass eine Hafensperrung für radioaktive Stoffe bereits ein Vorbild in Lübeck habe. Dort sei der Hafen 1990 für den Transport radioaktiver Stoffe gesperrt worden. Das stimmt so allerdings nicht, wie die Kollegen von den Lübecker Nachrichten berichten.

Der heutige Verbotsantrag in Rostock soll hochradioaktive Transporte über den Hafen verhindern. Der Umschlag radioaktiver Stoffe gehört dort aber zum Alltagsgeschäft. Dort wurden offenbar auch schon Brennelemente für schwedische Atomkraftwerke verschifft, wie Atomkraftgegner dokumentieren. Für den Hafenkapitän Gisbert Ruhnke ist das nichts Ungewöhnliches. “Das sind ganz normale Gefahrgut-Transporte, die in die Klassen 1 bis 9 unterteilt werden. Wir haben hier die Klasse 7 – radioaktive Stoffe – die unter normalen Bedingungen, also ohne erhöhte radioaktive Strahlung transportiert werden.”, sagt Ruhnke. Die Unterscheidung ist wichtig. “Das Verbot schwach radioaktiver Transporte wäre ein Wettbewerbsnachteil für den Rostocker Hafen.”, meint Ruhnke. Das Bundesamt für Strahlenschutz bestätigt auf telefonische Nachfrage auch, dass unbestrahlte Brennelemente, wie sie über Rostock verschifft worden sein könnten, unter die Gefahrenklasse 7 fallen. Wenn der Rostocker Hafen für die Gefahrenklasse 7 gesperrt wäre, würde dem Hafen Fracht verloren gehen. Der Hafenkapitän garantiert auch für die Sicherheit der Transporte: “Die werden hier angemeldet, kommen dann per Schiene oder LKW an, werden kontrolliert, sofort aufs Schiff geschickt und gehen dann auf See. Falls da mal was passieren sollte, haben wir auch extra Stellflächen, wo die Einsatzkräfte dann tätig werden können.”

Die Fraktion der Linken hatte bereits einen Antrag im Landtag eingebracht, der den Transport von hochradioaktiven Abfällen über die Seehäfen des Landes verhindern sollte. Durchgekommen ist der nicht. Als Dringlichkeitsantrag ist er im November gescheitert, auf seiner Dezembersitzung wird sich der Landtag aber erneut damit beschäftigen. Land hat sich bereits gegen den Transport von Atommüll über die Häfen an der Ostsee ausgesprochen. Der Landtag hat einen entsprechenden Beschluss gefasst. Hochradioaktive Ladung will das Land nicht über die Kaikanten gehen lassen. Der Innenminister hat sich öffentlich gegen Atommülltransporte über die Häfen des Landes ausgesprochen, sagt Andreas Timm, Sprecher der Landesregierung. Einen Landtags- oder Kabinettsbeschluss gebe es dazu aber nicht. Die Antragsteller aus der Rostocker Bürgerschaft wollen es nicht bei politischen Willensbekundungen belassen. Sie beantragen die Prüfung und Durchsetzung einer sogenannten Teilentwidmung des Hafens dafür, so heißt eine Sperrung für bestimmte Güter im Amtsdeutsch. Das Verkehrsministerium zieht diese bereits in Erwägung. Die Pressesprecherin Julia Hasse schreibt dazu: “Das Verkehrsministerium lehnt Castortransporte über die Häfen des Landes ab und würde gegebenenfalls eine Teilentwidmung prüfen.” Rechtlich geprüft werden muss das aber in jedem Fall, denn inwieweit der Bund diese Transporte auch gegen den Willen der Stadt und des Landes durchsetzen könnte ist unklar.

Schon im Dezember könnte ein Castorzug in Richtung Zwischenlager Lubmin durch Rostock rollen. Dieser Zug bringt radioaktive Abfälle in der Zwischenlager Lubmin. Eine mögliche Route des Castorzuges führt über Rostock. Der Landtag hatte darüber am 17. November in einer Aktuellen Stunde diskutiert, die Bürgerschaft im November einen Beschluss gefasst, dass Castoren nicht durch Rostock fahren sollen.. Die Stadtpolitiker wollen wissen, ob Rostock auf Havarien beim Castortransport vorbereitet ist, sagt Johann-Georg Jäger von den Grünen: “Wir wollen herausbekommen, ob solche Vorkehrungen getroffen werden müssen oder ob sie bereits getroffen wurden.” Die Stadtpolitiker wollen einen sogenannten Sonderschutzplan prüfen lassen. Die Stadt sagt, in den Katastrophenschutzplan sei bereits alles eingearbeitet, es gebe auch eine aktuelle Gefährdungsanalyse und die Feuerwehr werde operativ tätig, wenn es zum Unfall käme. Im Übrigen sei der Bund für die Regelungen zuständig. Das Innenministerium schreibt, dass die Transporte nur mit Behältern stattfänden, die auch einem Unfall standhalten. Spezialisten zur Unfallbekämpfung würden auch vom Bund gestellt und ein sogenannter Kerntechnischer Hilfszug stehe für den Havariefall bereit.

Nachtrag 21:00Uhr: Die Bürgerschaft hat sich mehrheitlich für die Teilentwidmung ausgesprochen. Die CDU-Fraktion bezweifelt allerdings, dass die Teilentwidmung kurzfristig realisiert werden kann. Der Antrag zum Sonderschutzplan wurde auch beschlossen.

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Pornomittag

Am Tisch zwei Reihen weiter rechts sitzen 5 Mädchen, eher junge Frauen. Die eine dicker, die andere dünner, eine größer, eine kleiner und noch eine etwas weniger hübsch als der Durchschnitt. Aufgeregt kichern die 5 immer wieder, quieken vergnügt und die kleinste wiehert, während alle ihre Gabeln und Messer zwischen Schnitzel, Pommes und Gemüse stechen. Ich sitze halb schräg gegenüber, die fröhliche Runde nimmt einen Radius von mehreren Tischen für sich ein, rundherum wird geschaut, gekichert und aufmerksam zugehört. Als die Teller fast leergegessen sind fragt die Dicke in der Mitte: “Habt ihr schon mal einen Porno gesehen?” Eine Gabel fällt klappernd auf einen Teller. Glucksen, kichern und Haare raufen folgen. “Ähh, ja. Da war ich 16, das war der erste. War aber nicht so spannend, hab mich ein bisschen erschrocken.”, sagt die Große. Ich schaue in Richtung des Tisches, muss schmunzeln. Mein Blick wird nicht erwidert. “Ja, das war komisch als ich das mal gekuckt habe. Geil gemacht hat mich das aber nicht.”, doziert die Dicke und schaut sich um. Das Wiehern ist wieder zu hören und der Satz: “Der Typ soll dich doch heiß machen und nicht der Film, den er dir in den Player schiebt.” Ich muss breit lächelnd wieder in Richtung des Tisches schauen. Ein Blick trifft mich, huscht eher schnell vorüber. Als ich zurückblinzele fliehen die Augen der Großen schnell in eine andere Richtung. Ich senke den Blick wieder, bemerke wie mit Ellenbogen am Mädelstisch geknufft und mit Nasenspitzen in meine Richtung gedeutet wird. Ich blicke erneut zurück. Prusten, Wiehern, lautes Lachen, rote Wangen und Geschurre von den Stühlen, die auf dem Fuboden hin und her gehen. “Ich hab noch gar keinen gesehen.”, gibt die Dünne zu. “Was?”, zieht die Dicke die Frage extra lang. Sie beugt sich freundschaftlich zu ihrer Tischgenossin, grinst und sagt: “Na, dann lad ich dich mal zum Pornokucken ein. Und die Mädels kommen auch.” Der Schlachtruf vom Weiberabend macht die Runde. Die fröhliche Runde schmaust noch weiter. Als ich am Tisch vorbei dem Ausgang zustrebe, wünsche ich noch: “Viel Spaß!” Erst eine kleine Pause, dann ein Wiehern und lautes Lachen am ganzen Tisch.

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Der Pawlowsche Reporter

Der Innenminister kommt und will mit den Bürgerschaftsfraktionen und dem Oberbürgermeister über die Schuldensituation der Stadt und einen Weg aus dem Dispo sprechen. Vor der Sitzung gibt sich der Minister als Friedensengel. Große Teile der Bürgerschaft und der OB können sich nämlich nicht richtig leiden. Die Sitzung läuft hinter verschlossenen Türen. Die Neugier ist groß, die Sendeplätze sind bestimmt. Dann sickert durch: Der OB will in großem Stil kommunale Wohnungen über 8 Jahre verteilt verkaufen. Den Vorschlag habe er ganz einsam ersonnen, sich mit niemandem dazu abgestimmt. Das Reporterherz schlägt schneller, denn der OB stellt sich mit seinem Vorschlag weiter konsequent gegen die Bürgerschaft. Die Finger kribbeln, das journalistische Blickfeld wird eng. So eng, dass aus dem Blick gerät wie wichtig jetzt ein Gedanke an den selbsternannten Friedensengel aus dem Innenministerium wäre. Der sprach viel von Gemeinsamkeiten, die man habe, der Aufsicht, die er führe und dem Willen das Heft des Handelns in Rostock zu belassen, wenn, ja wenn sich Oberbürgermeister und Bürgerschaft zusammenrauften. Gleichzeitig sagt er im Saal aber, dass es keine heiligen Kühe geben dürfe und es ‘Vermögensaktivierung’ geben müsse. Der Friedensengel spieltein doppeltes Spiel, das fällt aber nicht mehr auf, weil der OB, der schon so lange auf Konfrontation setzt wie es die Bürgerschaft auch tut, die Wohnungsgesellschaft drastisch schrumpfen will. Und so wird die Geschichte nach der Sitzung schmal, beschränkt sich auf den Wiro-Aspekt. Reaktionen und Einschätzungen prägen die Texte. Der Innenminister spielt nur noch als Staffage eine Rolle. Mist. Eine ganze Ebene voller spannender weiterer Aspekte ist hinten runtergefallen. 11 Stunden danach wird aus dem Eifer Ärger, denn der Reflex hat die Ratio ausgeschaltet. Eine spannende, facettenreiche Geschichte ist nicht von mir erzählt worden. Das hat dann zum Glück mein Kollege Carsten Klehn noch gemacht.

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Wieder da

miescha.de war verwaist und geht heute wieder online. Ich bin zurück nach Rostock gezogen, habe ein Ferstudium aufgenommen und arbeite jetzt als Reporter für den NDR. Mein Skizzenblog wird deswegen künftig auch stärker auf das konzentriert, was in Rostock und Umgebung passiert. Ich wünsche wieder fröhliches  Lesen und bitte herzlich um Kommentare.

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Wenn Gott in die Gegend scheißt…

…, dann ist das wohl durchaus musikalisch:

Mir stellt sich die Frage, ob die abgebildeten Herren Scheißkerle sind, wenn dort in Melzow ein göttlicher Haufen gesungen hat.

Der Kollege Oliver Spitza klärt im Artikel, das Konzert zum Altarsjubiläum sei “ein wunderbares ‘Ständchen’ eines „göttlichen Haufens“. Denn nichts anderes bedeutet der neugriechische Name ‘Thios Omilos’.”

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Demokratie brauche Grenzen

In der Greifswalder Zeitung habe ich den dümmsten Satz der jüngeren Geschichte gelesen: “Allerdings sind der Demokratie auch irgendwo Grenzen zu setzen.” Das ist dem Anschein nach kein Zitat, sondern stammt vom Redakteur des Artikels, Matthias Trenn.  Hintergrund ist der andauernde Streit zwischen zwei Greifswalder Fußballvereinen, deren Chefs sich jetzt zusammengesetzt haben, um eine Fusion und ein Ende des Streits zu initiieren. Die Wortwahl des Redakteurs zeugt von begrenztem Verständnis für das, was Vereine und ihre Arbeit ausmacht: Demokratische Entscheidungsprozesse. Die Mitglieder des Vereins entscheiden gemeinsam, was aus ihrem Verein werden soll. Nicht irgendwer aus der Führung entscheidet allein über die Geschicke des Vereins. Die Mitglieder des Vereins stecken den Rahmen ab, innerhalb dessen sie arbeiten und die Arbeit des Vereins entwickeln wollen. Vereine sollten Brutstätten der Demokratie sein, nicht Wahlclubs, in denen die Entscheidungen Einzelner nur noch abgesegnet werden. Wenden wir den Satz doch einmal auf die Greifswalder Kommunalpolitik an. Alle Bürger der Stadt haben einen König gewählt, nach alter deutscher Sitte.  Da sitzt dann der König und sagt wo es langgeht. Der schafft auch gleich die Stadtverordnetenversammlung ab, setzt der Demokratie damit Grenzen. Und dann will er sich auch ein schönes neues Schloss mitten in der Stadt bauen, in dem sein Hofstaat arbeiten soll. Das der Bau fasst die Schatzkammer komplett leert, kommt dann nicht raus, weil der König ja allein entscheidet und keiner nachfragt und seine Entscheidungen kritisch begleitet oder sogar ablehnt. Mitgliederversammlungen sind kleine Parlamente, keine Volkskammern.  Die Mitgliederversammlung ist das Gremium, in dem der Weg eines Vereins bestimmt wird. Vereinspräsidenten sind auch kleine Wahlkönige, aber sie führen den Vereinswillen aus. Sie können Vorschläge machen, aber die Mitglieder entscheiden, wo es langgeht. Wenn Mitgliederversammlungen nur abnicken sollen, tut das den Vereinen nicht gut. Verständnis für Demokratie und demoktratische Verfahren kann nur entwickeln, wer sie auch lebt. Das ist in Vorpommern besonders wichtig, wo Menschen immer wieder den Heilsversprechen führergläubiger Scharlatane im bürgerlichen Gewand erliegen. In jedem kleinen Verein sind demokratische Entscheidungen wichtig. Der Demokratie sind keine Grenzen zu setzen. Fertig. Hat Matthias Trenn Angst vor Demokratie? Selbst vor der repräsentativen Demokratie, wie sie in Deutschland von der kleinsten Gemeinde bis hin zum Bundestag praktiziert wird?

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Öko-Käse-Käse

Eigentlich wollte ich nur frühstücken, aber vor lauter Lachen habe ich nichts runterbekommen. Nachdem ich mich beruhigt hatte, schmeckte der Öko-Käse-Käse dann aber sehr gut.

Öko-Käse-Käse

Der Käse ist von demeter ausgezeichnet worden, denn bei einer Kundenbefragung wurde der Mondkäse zum Produkt des Jahres gewählt.

Zitat von demeter.de:

“Die außergewöhnliche Herstellungsweise nach kosmischen Konstellationen wie von Maria Thun [Link vom Autor] empfohlen, mit Aqua Luna Wasser und Energetisierung des Salzbads hat die Jury beeindruckt. Die Idee dafür bekam die Molkerei übrigens aus den Reihen der Demeter-Landwirte. Umgesetzt wird sie durch die Andechser Käsemeister, die mit Erfahrungsweisheit und Sorgfalt den würzig-pikanten, vollmundigen Mondscheinkäse herstellen. www.andechser-molkerei.de

Mahlzeit mit mehr Mond!

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Antenne MV – neuer Programmchef, weniger Personal

Die Turbulenzen bei Antenne MV haben ein vorläufiges Ende gefunden. Der Vertrag von Programmdirektor Ecki Raff endet am 31.12.2010, sein Nachfolger wird Chefredakteur Peer Wellendorf, der erst im Frühjahr auf diese Position gekommen war. In einer Pressemitteilung schreibt Antenne MV Geschäftsführer Robert Weber, dass man Ecki Raff für seine Arbeit danke und damit der strukturelle Umbauprozess im Sender beendet sei. Raff hinterlasse „ein strukturell und organisatorisch für die Zukunft hervorragend aufgestelltes, qualifiziertes und engagiertes Team.“ Wie diese Aussage vor dem Hintergrund der aktuellen Entlassungen zu bewerten ist, wird die Zukunft zeigen müssen. Raff übernehme “auf eigenen Wunsch eine neue Aufgabe im Medienbereich.”

Die Stimmung bei Antenne MV sei schlecht, Unsicherheit und Verbitterung prägten die Stimmung, berichtet dagegen ein Insider, der anonym bleiben möchte. Geschäftsführer Robert Weber kehre derzeit mit dem Eisernen Besen in seinem Haus und hat mindestens 6 Mitarbeiter gekündigt, 3 Mitarbeiter aus der On-Air-Produktion und 3 Mitarbeiter aus der Redaktion. Wie viele Mitarbeiter tatsächlich gehen müssen ist aber unklar, wie aus Gesprächen mit unterschiedlichen Personen, die mit den Vorgängen vertraut sind, hervor geht. Sicher ist, dass mehrere Mitarbeiter das Haus sofort verlassen mussten. Ein Teil der als gekündigt geltenden Mitarbeiter sei jedoch vorerst weiter für Antenne MV tätig.  In einem pessimistischen Szenario beschreibt eine mit den Veränderungen vertraute Person den Aufbau des Senders nach dem Umbau als „Mannschaft aus Volontären, Moderatoren und einer halben Nachrichtenstelle“. Die Nachrichten im Programm werden demnach aus Kiel zugeliefert, wo der Hauptgesellschafter von Antenne MV, die Firma Regiocast, Sender für Schleswig-Holstein und eine zentrale Nachrichtenredaktion betreibt.

Chefredakteur Peer Wellendorf kommt von Radio NORA, einem der Regiocast-Sender in Schleswig-Holstein. Seit Januar sind die Regiocast mit 52 Prozent und der Kurierverlag aus Neubrandenburg, der auch die Tageszeitung „Nordkurier“ herausgibt, mit 35 Prozent an Antenne MV beteiligt, die restlichen Anteile werden von 5 Einzelgesellschaftern gehalten. Die Übernahme war mit zuversichtlichen Ankündigungen der neuen Gesellschafter und auch der Landesmedienanstalt verbunden. „Unterstützt durch die regionale Kompetenz des Nordkuriers und der verbleibenden Gesellschafter aus Mecklenburg-Vorpommern erhält ANTENNE MV mit der Ausweitung des Engagements der REGIOCAST Zugang zu allen Radiodienstleistungen aus dem Netzwerk des integrierten Radioanbieters.“, schrieb die Regiocast damals in einer Pressemitteilung. Die Entlassungen bei Antenne MV führten das allerdings ins Absurde, wenn die Nachrichtenredaktion künftig nur noch aus einer halben Redakteursstelle und Zulieferungen aus der Zentralredaktion bestehen sollte. Die Hauptnachrichtensendung „Journal“, die um 18Uhr lief und mit 8 Minuten Sendezeit Raum für Vertiefungen und Hintergründe bot, ist bereits eingestellt worden.

Der Chef der Medienanstalt Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Uwe Hornauer, befindet sich derzeit im Urlaub und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Medienanstalt Mecklenburg-Vorpommern, die die Aufsicht über Antenne MV hat, sei über die Personalentscheidungen nicht informiert worden, sagt Sprecher Bert Lingnau. Dies sei auch nicht notwendig, da die Medienanstalt nur das Programm beaufsichtige, dies geschehe auch ständig. Sollte sich zeigen, dass Antenne MV mit den Veränderungen nicht mehr die in der Lizenz geforderte Regionalität habe, werde sich der Rundfunkausschuss sicher damit beschäftigen, der für Lizenzfragen zuständig ist, dafür sei es aber noch viel zu früh. Die Zusammenarbeit mit Antenne MV sei bisher auch sehr gut gewesen, so Lingnau. Der Deutsche Journalistenverband in Mecklenburg-Vorpommern  kritisiert die Vorgänge bei Antenne MV scharf. „Mit dem Wegfall der eigenen Nachrichtenredaktion und den Zukauf von Nachrichten aus Kiel wird man weder dem Anspruch größerer Regionalität und Vielfalt noch verbesserter Qualität gerecht. […] Wer an journalistischer Kompetenz spart, verkommt zur Musikabspielstation mit Werbeeinlagen.“, so Sprecherin Sybille Ekat. Antenne MV Geschäftsführer Robert Weber zeigt sich in seiner Pressemeldung aber sicher, dass der strukturelle Umbau und der neue Programmchef „eine zukunftsfähige Mischung aus Modernität und Regionalität“ bringen werden.

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Quellen:

Telefonrecherche, Schriftverkehr mit Antenne MV und Deutscher Journalistenverband – Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, www.xing.com (öffentlicher Bereich), www.regiocast.de, www.nordkurier.de, www.lrz-mv.de

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