Ein Land – vier Teile. Historiker legen Wert darauf, dass Mecklenburg-Vorpommern aus den zwei Mecklenburgs – Schwerin und Strelitz – Vorpommern und ehemals brandenburgischen Gebieten zusammengefügt wurde. Für die Darstellung der Landesgeschichte ist das eine Herausforderung. Vorpommern hat bereits ein eigenes Landesmuseum in Greifswald, die Mecklenburgs haben keins. Das ist nach einhelliger Meinung des Landesmuseumsverbandes und des Bildungsministeriums finanziell nicht machbar. Der Landesmuseumsverband hat daher eine kostengünstige und moderne Alternative entwickelt. Seit 2006 sind in 12 mecklenburgischen Museen Computerterminals aufgebaut und Broschüren ausgelegt worden, die einen Pfad durch die die Geschichte des mecklenburgischen Landesteils in einer „Dezentralen Landesausstellung“ bilden. Die „Landesausstellung“ hat allerdings einen entscheidenden Haken. Mecklenburg-Strelitz blieb komplett außen vor.
Zwei Mecklenburgs und nur eine Ausstellung für das größere Mecklenburg
Es gibt nur eine „Dezentrale Landesausstellung Mecklenburg-Schwerin“. Frank Saß, der Leiter des Museums in Burg Stargard in Mecklenburg-Strelitz, findet das sehr ärgerlich. Er machte sich im Landesmuseumsverband lautstark Luft, wütete gegen den Verband, der das Projekt angeschoben und verwirklich hatte. Saß meint: „Das ist in meinen Augen die neueste Landesspaltung von Mecklenburg.“ Auch Neustrelitz und Neubrandenburg sind nicht dabei, obwohl sie zum einen Haupt- und zum anderen Residenzstadt des kleineren Mecklenburgs waren. Der Vorsitzende des Landesmuseumsverbandes, Dr. Steffen Stuth, kann nur im Rückblick nachvollziehen, warum es die Aufspaltung gab. Er sagt: „Das hat sich aus der Projektentwicklung so ergeben, dass es Mecklenburg-Schweriner Museen waren.“ Mecklenburg-Schweriner Kollegen trafen sich, um die „Dezentrale Landesausstellung“ zu konzipieren. Federführend am Projekt „Dezentrale Landesausstellung“ beteiligt waren Dr. Wolf Karge, der ehemalige Chef des Museumsverbandes, der schon 2004 ein ähnliches Projekt anschieben wollte, und Jürgen Schwarnweber vom „Museum Festung Dömitz“. Beide sind Mecklenburg-Schweriner und ausgewiesene Kenner der mecklenburgischen Landesgeschichte.
Unter sich – Mecklenburg-Schweriner beraten und beschließen
Als mögliche Teilnehmer an einer „Dezentralen Landesausstellung“ wurden ausschließlich Museen in Mecklenburg-Schwerin identifiziert und in der Projektbeschreibung heißt es kategorisch: Ziel der dezentralen Landesausstellung soll die Vermittlung der politischen, wirtschaftlichen und lebensweltlichen Strukturen des historischen Territoriums von Mecklenburg-Schwerin sein. [...] Eine Einbindung oder ähnliche Form für Mecklenburg-Strelitz soll optional bleiben.“ Der Landesmuseumsverband, der sich als Interessenvertreter der Museen aller Landesteile versteht, stellte mit eben diesem Wortlaut einen Förderantrag an das Bildungsministerium. In den Jahren 2006, 2007 und 2008 förderte das Ministerium das Vorhaben mit insgesamt 71.300 EURO, obwohl es die Museumslandschaft kategorisch spaltet. Das Ministerium begründet seine Entscheidung damit, dass man sich auf die Fachleute des Museumsverbandes verlassen habe. Johanna Herrmann, Pressesprecherin des Bildungsministeriums schreibt dazu: „Die Fachleute des Museumsverbandes haben eingeschätzt, dass eine Einbeziehung von Mecklenburg-Streltiz zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht leistbar ist.“
Mecklenburg-Strelitzer fühlt sich übergangen
Der Burg Stargarder Frank Saß sagt, er und seine Kollegen in Mecklenburg-Strelitz seien in die Entwicklung des Projekts gar nicht einbezogen worden und hätten erst Ende 2006, kurz vor dem Start der „Dezentralen Landesausstellung Mecklenburg-Schwerin“ Anfang 2007, davon erfahren. Er fühlte sich vor vollendete Tatsachen gestellt und seitdem habe sich auch nichts mehr in Richtung Mecklenburg-Strelitz bewegt. Er behauptet: „Also uns wurde nicht die Chance gegeben unseren Landesteil dort zu vertreten, weil wir gar nicht in die Planungen mit einbezogen waren.“ Mecklenburg-Strelitz ist für Besucher der „Dezentralen Landesausstellung Mecklenburg-Schwerin“ unsichtbar. Mehr noch: Touristen werden geradewegs an Mecklenburg-Strelitz vorbeigeleitet, wird an den Computerterminals und in den Broschüren doch nur auf die angeschlossenen mecklenburg-schwerinschen Museen verwiesen. Frank Saß wird dabei bitter: Für den, der nicht aufmerksam liest, dass im Kleingedruckten steht ‚Herzogtum Mecklenburg-Schwerin in den Grenzen von sowieso’, der denkt: Mecklenburg ist nicht größer. Und wir haben manchmal sowieso hier in der Gegend den Eindruck, dass die Urlauber denken jenseits der Müritz kommt Polen.“
Eine Erweiterung ist denkbar – mehr ersteinmal nicht
Museumsverbandschef Dr. Steffen Stuth kann allerdings kein Problem für eine Weiterentwicklung der „Dezentralen Landesausstellung“ entdecken, weil sie offen konzipiert worden sei und auch erweitert werden könne. Kann – mehr erst einmal nicht, konkret geplant ist nämlich nichts. Das Projekt „Dezentrale Landesausstellung Mecklenburg-Schwerin“ ist ohnehin abgeschlossen. Im Verband gebe es aber Überlegungen, so Stuth und er räumt ein: „Da sind wir noch zu keinem Ergebnis gekommen. Aber wir wollen es weiterentwickeln, wir wollen es räumlich ausdehnen, wir wollen es inhaltlich ausdehnen.“ Frank Saß aus Burg Stargard hofft nun, dass in den angekündigten Gesprächen die kategorische Spaltung der Museumslandschaft überwunden werden kann: „Ich glaube, man hätte ein bisschen weiter über den Tellerrand gucken müssen und sagen: Strelitz gehört doch dazu.“ Am Sonntag trifft sich der Landesmuseumsverband zu seiner alljährlichen Frühjahrstagung, die Zunkunft der Museen des Landes ist dabei das Schwerpunktthema.














