Posts Tagged ‘Beruf’

Getroffen

Dienstag, Februar 9th, 2010

Geschäftsführer

Senator

Gewerkschafter

Abgeordneter

Historiker

Landschaftsökologin

Journalistin

Journalist

Postbotin

Geschäftsfrau

Stadtführerin

Studentin

Musiker

Literaturwissenschaftlerin

Sportlehrer

Gutachterin

Vermieterin

Imbissverkäuferin

Gaststättenbesitzer

Schnafferin

Lokführer

Frau gegen Frau im Schnee

Sonntag, Januar 17th, 2010

Draußen faucht Sturmtief Daisy mächtig und wirbelt Schnee über die Äcker, direkt auf die Straßen. Kathleen Dehmel arbeitet im Cockpit ihres 18 Tonnen-LKWs dagegen an. Die 27jährige mit den dunkelblond-gelockten Haaren fährt für die Straßenmeisterei Kröpelin im Winterdienst.

Kathleen Dehmel im Cockpit ihres Iveco-Schneeräumfahrzeugs

Kathleen Dehmel im Cockpit ihres Iveco-Schneeräumfahrzeugs

Vom Einsatzleiter hat sie vor wenigen Minuten ihre Räumungs-Route für bekommen. „Wir fahren jetzt von Kröpelin nach Kühlungsborn und dann nach Neubukow. Das ist erstmal unsere Richtung.“, sagt Dehmel. Mit 22 Kollegen ist sie derzeit in 3 Schichten im Einsatz. 14 Räumfahrzeuge sind unterwegs, um die Straßen im westlichen Landkreis Bad Doberan freizuhalten. Sie macht den Job aus purer Begeisterung. „Das ist schon schön, wenn der Schnee vom Pflug so zur Seite fliegt. Das macht richtig Spaß. Und die Technik hat mich auch immer interessiert. Man ist auch draußen in der Natur und sieht, was man macht.“, erklärt die junge Frau. Der Sturm schleudert immer mehr Schnee auf die Straße. Schon kurz hinter Kröpelin liegen die ersten Verwehungen. Routiniert drückt Demel den kleinen Hebel am Pult rechts neben sich, um den Schneepflug zu senken und drückt einen darunterliegenden, grünen Knopf. „Damit mach ich den Streuer an. So, jetzt sind wir durch. Ich mach das Pflug wieder hoch. Fertig.“, sagt sie fröhlich. Das war noch leicht. Als der LKW wenig später aus der Kühlung – dem Waldstück vor Kühlungsborn – herausfährt, ist die Straße vom Schnee verschluckt und dichte Schneewirbel drücken heftig gegen den LKW. „Man sieht die Straße ja gar nicht mehr. Oh!“, ist Dehmel kurz überrascht.

Kurz vor dem Ortsausgang Kühlungsborn in Richtung Wittenbeck.

Kurz vor dem Ortsausgang Kühlungsborn in Richtung Wittenbeck.

Wie eine weiße Wand stehen die Schneewehen bis in die Straßenmitte. Kathleen Demels Blick ist hochkonzentriert, mit fester Hand hält die zierliche Frau das Lenkrad unter Kontrolle. Der LKW rüttelt, kämpft, tanzt und bricht hinten leicht aus. „Man muss dann mit ruhiger Hand gegenhalten und auf die Bewegungen des LKW achten.“, sagt sie routiniert. Gefühlvoll gibt sie Gas, kuppelt und schaltet – der LKW brummt mächtig, bleibt aber nicht stehen. Bis nach Kühlungsborn bleibt das Schiebeschild unten. Im Ort fährt sie auf einen Parkplatz und telefoniert mit der Einsatzleitung. „Die Straße wird immer enger, da müsste man nochmal drüber.“, schätzt sie ein. Die Räumungsroute wird verkürzt aus der Einsatzzentrale verkürzt. Dehmel muss jetzt die wichtige Verbindung zwischen Kühlungsborn und Kröpelin offen halten, entscheidet der Einsatzleiter nach ihrer Einschätzung. „Wir fahren da jetzt noch dreimal rauf und runter, dann dürfte die Straße wieder offen sein.“, gibt Dehmel sich zuversichtlich. Aber die Räumung ist schwieriger als gedacht. „Man sieht ja fast gar nichts mehr. Das weht ganz schön heftig rüber.“, sagt sie angespannt. An den Bäumen orientiert sich Dehmel jetzt und den Leitpfosten, wo sie noch zu sehen sind. Ins Schwitzen kommt sie dabei aber nicht. „Das ist ja nicht viel anders als PKW fahren. Man hat hier nur mehr Gänge. Das lernt man schnell.“, bemerkt sie. Dreimal räumt Kathleen Dehmel die Straße, dann fährt sie zurück zur Zentrale. Von dort geht es mit neuen Anweisungen wieder los.

Kathleen Dehmel vor ihrem Iveco.

Kathleen Dehmel vor ihrem Iveco.