Posts Tagged ‘Frauen’

Einlaufschmerz

Montag, Februar 8th, 2010

Heinz Rudolf Kunzes “Dein ist mein ganzes Herz, du bist mein Reim auf Schmerz” scheppert aus den Boxen. In diesem Moment, zu dieser Zeit, bei diesem Wetter ist es das passende Lied für ihn, um ihr zu sagen, dass er sie wirklich liebt. “Hä?”, fragt sie mit verzogenem Gesicht, nach kurzem, nur halb konzentriertem Hinhören. “Was singt der?”, bekräftigt sie und lacht schallend los. “Einlaufschmerz?”

Brutale Lebenswirklichkeit

Mittwoch, September 24th, 2008

miescha

“Orgasmus vortäuschen ist wie junge Hunde für falsches Benehmen belohnen. Ist zwar Scheiße, man machts aber trotzdem.” – sprach kürzlich eine mir bekannte junge Dame.

Mein Weltbild bröselt weiter.

Arme Kinder

Dienstag, September 2nd, 2008

Ich bin erschrocken. Erschrocken darüber wie oft und mit welcher Selbstverständlichkeit junge Frauen das Leben ihre Kinder aufs Spiel setzen. Bei meinem morgendlichen Spaziergang zum Frühstück stand eine etwa 20jährige, gewandet in Tank-Top, Dreiviertel-Jeans und Clocks vor dem Café in dem ich fühstücken wollte. Ihr Bauch wölbte sich deutlich schwanger in Richtung Doberaner Platz, ihre Zigarette zeigte fröhlich qualmend nach rechts. Immer wieder sog sie geirig an dem Glimmstengel.

Bei weichegkochtem Ei, Aufschnitt, Marmelade, dampfendem Kaffee und gutem Überblick erblickte ich wenig später eine schätzungsweise Mittzwanzigerin. Den Kinderwagen vor sich herschiebend, schwanger rauchte auch sie eine Zigarette. Mitten auf dem Dobi stand sie, paffte und wartete. Und das Warten verkürzte sie mit weiteren Zigaretten. Mir verging fast der Appetit. Wut begann in mir aufzusteigen. Sie anzuschreien und ihr die Zigaretten aus der Hand zu schlagen, hab ich mich dann aber wiederum nicht getraut.

Auf dem Weg zurück dann allerdings, als mir die dritte werdende Mutter mit brennender Zigaretten begegnete rutschte mir eine deutliche Bemerkung heraus: “Wie blöd muss man eigentlich sein?”, fragte ich direkt heraus. Sie schaute kurz verdutzt durch ihre Brille, sah mich verdattert an. Verstand offenbar gar nicht, dass sie gemeint war und stakste weiter.

Ich ging ratlos weiter.

Freundschaftlich auf die Fresse

Freitag, August 29th, 2008

Drei dicke amerikanische Mädchen in der Berliner S-Bahn. Auf Europareise und doch nur mit sich selbst beschäftigt. “Ryanair is an european airline? Right?”, fragt die eine. “Yeah, it should be. Cause it’s not flying out of L.A.!”, antwortet die andere. Mit der Antwort zufrieden wendet sich das Mädchen mit der dicken Brille und dem viel zu kleinen Oberteil dem viel wichtigeren Thema Freundschaft zu. Eine Reise nach Irland ist geplant, Berlin ist die Basis für die vielen Kurztripps in Europas Hauptstädte. Es gibt nur ein Problem: Iris. “I kinda like her.”, meint die Brillenträgerin. Was ungefähr soviel heißt wie, nun ja, sie existiert und wir sind zusammen in Europa. Weglaufen ist nicht. Außerdem ist sie nicht halb so schlimm wie Sarah. “Cause she is just nineteen!”, plumpst es ihr unter hochgezogenen Augenbrauen aus dem Mund. “And how old are you?”, fragt eine der Mitreisenden. “Well, I’m twenty. But there’s a difference between nineteen and twenty.”, zeigt sie sich ganz sicher. “And Iris, well, she talks a lot. You wanna smack her right across the face to shut her up.But I like her, kind of.” Nun, übersetzt hat das Reisemoppelchen in etwa gesagt: “Iris, die sabbelt ganz schön viel. Eigentlich will man ihr ordentlich eine Klatschen, damit sie’s Maul hält. Aber irgendwie mag ich sie.”

Dürüm mit Kündigung

Donnerstag, August 28th, 2008

Ich stehe an der Glastheke eines gepflegten Dönerladens mit angeschlossener Eckkneipe. Ein Dürüm-Döner am späten Abend nach getaner Arbeit soll es sein. Es duftet verführerisch nach frisch aufgebackenem Brot und leckerem Dönerfleisch, nur dem Chef stinkts gewaltig. Der kleine, gedrungene Mann im roten Polo-Shirt brummelt unaufhörlich etwas in seinen Schnauzer, gestikuliert wild und schaut immer wieder in Richtung der Tür mit der Aufschrift “privat”. Langsam macht er sich an mein Abendessen, murmelt, blinzelt und beginnt das Fleisch zu schneiden. Die blonde Kellnerin von hinter dem Tresen in der Eckkneipe kommt in den Imbissraum, geht hinter die Theke und steht demonstrativ hinterm Dönermann.

Er spürt ihre Anwesenheit, fährt herum und haut ihr fast das halbfertige Dürüm-Paket auf die Brust. “Oh, schuldige. Schaust du. Wenn ich ihr sage machst du so, macht sie nicht.” Dabei zeigt er auf den Dürüm und deutet seine Zubereitung an. “Wenn Gast sag: “Bring bitte Bier’. Sie steht rum. Gucken nur so.”, und er starrt mit in die Hüften gestemmten Armen in die Luft.

Sie kommt in diesem Moment durch die “privat”-Tür. Hübsch, braungebrannte Haut, schwarzes Haar, dunkle Augen, enge Jeans und Oberteil. Sie würdigt den Chef keines Blickes. Die blonde Tresenkraft geht zu ihr. Küsschen links, Küsschen rechts, Küsschen links. Beide flüstern sich etwas zu. Wortlos verlässt die Zornerregerin den Laden.

“Was sagen sie?”, fliegt es mir vom Dönerspieß entgegen. “Sie kommt hier rein vor vierzehn Tage. Setzt sich hin, klimpert mit Augen und fragt: ‘Hast du Arbeit’. Sag ich: ‘Ja’. Erste Tage geht gut. Aber dann wird immer schlechter.” Die Kräutersoße fliegt lieblos über Fleisch und Salat. “Ich zahle fümpf Euro Stunde. Aber nich für rumsitzen. Geld nur für Arbeit! Oder wie sehen sie?”

Verlegen nicke ich kaum sichtbar mit dem Kopf. Hoffe, dass mich die hübsche Arbeitsverweigerin nicht dabei sieht. Irgendwie ist mir der Appetit auf den Dürüm, der jetzt auf der Theke liegt, vergangen.

Kleiderzwang

Dienstag, Juli 15th, 2008

Sie hat sich in ein Kondom mit Spaghetti-Trägern gezwängt. Oben rot – zur Warnung – unten weiß, zum schnell Wegschauen. Vorneweg trägt sie einen Schleppbauch, die Leggins bis kurz unter den vorstehenden Bauchnacbel gezwängt. Zwei gewaltige Wellen schaukeln unter dem Gummizug bei jeder Bewegung. Wenn sie sich vorbeugt, schwappt ihr Busen, eingezwängt in das purpur-rote, viel zu kleine Oberteil, in die Wellenwand. Kein Spaßbad kann das Schauspiel toppen. Surfer träumen von solchen Wellenbergen.

Was vorn spannt, fehlt hinten. Der gewaltige Busenbändiger, mit Haltern dick wie Matrosenarme, kann von den Spaghettitleisten des Tops nicht überdeckt werden. Die Querträger mit dicken Verschlüssen in der Mitte drücken breit ins weiche Fleisch. Wie eine Talautobahn zwischen gealtigen Abhängen spannen sich die Halter über den breiten Rücken. Der untere Teil des Tops liegt wie eine dünne Wolkendecke vor einer Gebirgskette und vermag nicht das Elend zu verbergen. WildeFalten werfend spannt sich das geschundene Kleidungsstück bis zum massiven Steiß.

Erst knapp unter dem Beginn der Falte übernimmt die weiße Leggins wieder. Wenige Zentimeter zu spät. Die Hose weiß nicht so recht, ob sie oben kaschieren, unten länger oder in der Breite etwa großzügiger vertecken sollte. Von allem gelingt ihr nur ein bisschen. Und das reicht nicht.

Nora Tschirner nackt

Sonntag, März 23rd, 2008

Der Arsch von Til Schweiger war schon immer unerreichtes Vorbild vieler Freizeit-Gymnastiker in nach Schweiß und billigem Duschgel stinkenden Muskelpumpstationen – der Hintern von Nora Tschirner könnte Ansporn für viele Hobby-Sportlerinnen werden. Beide Hinterteile bewunderte ich im Ahlbecker Clubkino. ‘Keinohrhasen’ flimmerte über die Leinwand. Ein beflissener Herr im gemusterten Hemd servierte Bier und Chips dazu. Die Spätvorstellung ist Rauchervorstellung und so wurde der Kinosaal im ehemaligen Haus der Erholung zum spätsonntäglichen Wohnzimmer. Entsprechend ungeniert ging es in der Sitzreihe von A., M. und miescha zu. Lauthals lachend, Bier trinkend, mit Chips raschelnd, fiel die nur mäßige Schauspielleistung von Nora Tschirner gar nicht mehr ins Gewicht. M. und m. waren sich dann schließlich auch einig, dass die blonde Kindergärtnerin-Kollegin viel besser geschauspielert hatte, obwohl Nora Tschirner deutlich mehr Attraktivitätspunkte sammeln konnte. Was aber nicht an den Nacktauftritten lag – irgendwann ist so ein Jugendtraum eben auch nur noch eine Szene in einem lustigen Film. Ja huch – da isse ja schon wieder nackig. Naja. Nackig eben, das hübsche Ding und pullern muss die auch mal. Dieses bebrillte Getue vom halbwegs hässlichen Entlein zur sexuell befreiten und daher deutlich attraktiveren Mittzwanzigerin hatte Charme, mainstreamigen, bisweilen süß-klebrigen, Charme. Ein hübscher Abend also mit hübschen Ärschen auf der Leinwand und davor.

Teenage Tits

Sonntag, Januar 20th, 2008

“Sag mal, ist es eigentlich normal, wenn sich ein Enddreißiger im Internet an Teenagerbrüsten aufgeilt?”, fragt Simone durch den Zigarettenrauch. “Also kein Kinderfickerscheiß…davon geh ich mal aus.”, will ich wissen. “Nee, keine Kinderfickerseiten. Hier, dieser ganze US-Kram mit Mädels, die gerade erst 18 sind und sich dann vor der Kamera bumsen lassen und davon nicht zu knapp, weißt.” Schon seit Stunden geht es in der Küche nur um Sex. Wie oft sich wer “einen kloppt” und warum und wann bevorzugt. Der Abend hatte bei Weißwein und trockenen Ciabattabrötchen mit Tomaten und billigem Mozarella-Ersatz begonnen, ohne dass Befriedigung, Onanieren und Brustfetischmus am Gesprächshorizont auch nur aufgeschimmert hätten. “Hmm, dann find ich das gar nicht komisch oder ungewöhnlich. Ich kenne kaum einen meiner Kumpels, der sich die nackten Hühner nich anguckt. Ich hab doch selbst nen Ordner bei den Favoriten, der ‘Fräulein Faust’ heißt.” Zigarettenrauch und Wein landen gleichzeitig wieder in Simones Glas. “Fräulein Faust’ – das is ja geil! Den muss ich mir merken.” Warum auch nicht, ich hab damals auch gelacht, als ich den Ordner anlegte in dem sich mittlerweile 30 Adressen irgendwelcher Pornoseiten mit klingenden Namen wie Tittypalace, Longvideos oder Pandamovies befinden. “Nee, aber ganz ehrlich, ich hab ne halbe Midlife-Crisis bekommen, als ich die Seiten auf seinem Rechner entdeckt hab.”, sagt sie mit einem ehrlich empörten und sorgenvollen Blick. “Was soll denn das, weißt du. Ich werde nächstes Jahr vierzig und komme mir nur noch älter vor, wenn er sich dabei einen runterholt, wenn eine kleine Maus von nichmal zwanzig gefickt wird. Findet er mich nich mehr attraktiv? Bin ich ihm zu alt?”, jetzt zieht sie den Rauch richtig tief ein. Noch im Ausatmen fragt sie weiter: “Wir kennen uns jetzt 15 Jahre und wir waren auch jung und knackig als wir uns kennenlernten. Ich fühl mich so beschissen damit, wie es jetzt ist. Das kanns doch nicht sein, oder?” Simone nestelt schon an der nächsten Zigarette. “Na hat sich denn in letzter Zeit was bei euch im Bett verändert? Ich meine, ist irgendwas anders geworden? Ich guck mir die Seiten auch an, aber das hat meinem Liebesleben keinen Abbruch getan. Ich versuche trotzdem nicht mit super jungen Mädels was anzufangen. Ich steh auch eher auf Frauen aus meinem Alter oder drüber. Weißt du wie alt ich aussähe, wenn ich plötzlich mit so nem Küken ankäme?” Ich grüble nur kurz darüber nach, ob ich es nicht doch mal probieren sollte. “Also beim Sex hat sich nix geändert. Wir sind ein eingespieltes Team. Nich das wir immer das selbe machen würden. Ich weiß was mir gefällt und was er mag und andersrum. Wir können hundertmal in der Missionarsstellung liegen, wenns nur nich immer am gleichen Ort ist. Aber Scheiße nochmal, warum guckt der sich die jungen Dinger an?” Wein läuft in die Gläser nach. Ich öffne kurz das Fenster damit wir im blauen Salon wieder ein bisschen leichter atmen können. “Für mich hat das mit realem Sex wenig zu tun. Du gehst ganz einfach auf diese Seite, klickst das Bild an, das dir am Besten gefällt und los geht’s. Das ist doch nur Triebabfuhr. Das ist doch nur gefilmter Sex, der bei mir als Mann den Ständer hochschießen lässt und das wars.” Ungläubig trinkt sie noch einen Schluck und atmet vernehmbar laut ins Glas aus. “Aber wird das nicht langweilig mit der Zeit. Ich mein, du suchst dir doch immer wieder die aus, die in dein Beuteschema passen oder nicht?” “Sicher. Warum auch nicht. Aber genauso ist für mich doch klar, dass da nur ein Filmchen zur schnellen Handentspannung läuft. Guten Sex hab ich deswegen doch nicht.” Das scheint sie zumindest ein bisschen beruhigt zu haben. “Hast du ihn denn überhaupt schon drauf angesprochen?” “Na klar, gleich nachdem ich das Zeug entdeckt hatte. Man, ist der rot geworden. Is ja nich so, dass ich keine Pornos gucken würde. Aber diese Teenscheiße auf dem Recher. Ich hab mich plötzlich wie frühverrentet gefühlt. Nun, aber wenn du meinst, das is ganz normal und so…Ich weiß nich.” Ich umspüle den nächsten Gedanken mit einem Schluck Wein und hülle ihn in Rauch. “Red’ nochmal mit ihm drüber, genauso wie du jetzt mit mir drüber geredet hast. Vielleicht denkst du nochmal an die Schnellspritzer-Geschichte vor fünfzehn Jahren dabei. Da hast du auch an meinem Küchentisch gesessen und hundertausend Fragen gestellt.” Jetzt grinst sie wenigstens wieder. “Ja, da war ich fünfzehn Jahre jünger.”, und blinzelt kurz. “Na und? Wo ist das Problem?”, muss ich fast kieksend nachsetzen. “Hm. Weiß nicht.” Wir stoßen an, schließlich ist noch was im Glas und Zigaretten sind auch noch da.

Das verdammte “Zuhause-Gefühl”

Samstag, Januar 12th, 2008

Im Schlafzimmer liegt nur eine Matratze auf dem Dielenboden, zu mehr hat es erst mal nicht gereicht. Gleich daneben, um ein Doppelbett daraus zu machen, liegen Couchkissen. Ich finds gemütlich. So gut es eben gerade geht. John Cusack hat heute Abend in “High Fidelity” über diese verdammten Schmetterlinge im Bauch nachgedacht und erkannt, dass er sich nie zu jemanden bekannt hat. Irgendwie rumort es seitdem in meinem Kopf. Eigentlich rumort es schon den ganzen Abend. Seit kurz vor Acht ist sie nämlich weg. Zu einem Konzert und ich hatte dabei sein sollen. Problem: Kurz vorher hat sie mir eröffnet, dass die Tickets nicht von ihr sondern einem Freund sind, der, so glaubt sie, mehr damit sagen möchte. “Ich fänds blöd, wenn…also, wenn wir zusammen dort sind und er uns sieht, also wenn wir Händchen halten oder uns küssen sollten.”, sagte sie. Mein Gürtel schnürte sich auf die kleinstmögliche Größe zusammen. Mir verschlugs die Sprache. “Dann komme ich nicht mit. Das kann ich nicht.”, mehr konnte ich nicht antworten. “Nimm den Schlüssel mit und komm heute Nacht einfach wieder.” Schweigen, ein kleiner Kuss. “Gut, aber stört dich das nicht? Du musst doch morgen so früh wieder raus.” Nein es stört mich nicht. ‘Schließlich kommst du zurück’, spukte es noch durch meinen Kopf nachdem die Tür mit ihrem hohlen Klacken ins Schloss gefallen war. Irgendwann bin ich dann in mein improvisiertes Bett , hab mich gewälzt, bin kurz weggenickt, hatte Angst. Jetzt klappert die Tür. Schuhe werden im Flur leise raschelnd ausgezogen. Auf Socken schleicht sie ins Wohnzimmer, geht an ihren Koffer. Der Reissverschluss surrt. Klamotten rascheln. Im Flur flackert der Lichtschein aus dem Bad auf. Auf Zehenspitzen schleicht sie ins Schlafzimmer, versucht immer leiser zu werden, aber meine Dielen verraten jeden Besucher. In ihrem seidenen Pyjama steht sie vor dem Bett. “Hallo.”, krächze ich ihr schlaftrunken entgegen. “Darf ich zu dir kommen?”, fragt sie aus dem Halbschatten. “Na klar!”, flüstere ich und schlage die Decke zurück. “Komm zu mir.” Langsam schiebt sie sich auf die Matratze. Ihre langen weichen Haare und der seidene Schlafanzug streichen an mir entlang. Sie riecht noch ein bisschen nach Club. Ganz warm kuschelt sie sich ein. “Wenn ich zu dir komme, dann fühl ich mich zuhause.”, flüstert sie kaum hörbar in die Nacht. Mein Magen fährt plötzlich Fahrstuhl und ein unglaubliches Glücksgefühl durchfährt mich. Ich kann den Rest der Nacht nicht schlafen. Um vier Uhr klingelt der Wecker gnadenlos. Ich muss raus, küsse nocheinmal ihren Nacken. Mit einem verschlafenen “Guten Morgen und viel Spaß.” schickt sie mich in den Tag. Es war das Letzte, was ich von ihr gehört habe. Als ich nach Hause kam, war sie weg. Ein paar Wochen später kam ein Brief. Sie sähe für uns keine Chance, wir könnten nicht zusammen sein. Auch in der Zukunft nicht. Der Brief liegt noch immer zerrissen und wieder zusammengeklebt in meinem Regal.

Frauenhaus

Freitag, November 16th, 2007

Mehr als ein Jahr war sie weg und nun endlich ist T. zurück aus dem “Land Down Under” . Gemeinsam mit ihrer Symbiontin V. kündigte sie sich für den Abend an. Wiedersehensfreude, Kochlust und die Aussicht auf einen spannenden Abend machten die Zusage leicht. Voll bepackt mit tollen Sachen, die das Schwatzen leichter machen, verpackt in einem faltigen Pappkarton, ritten die beiden ein. Ich hatte versprochen zur Feier des Tages meine Kochkünste anzuwenden – die Wahl fiel auf Pasta mit Spinatsahnesausce, meine berühmte Kartoffelsuppe konnte diesmal nicht überzeugen. Also fix einen Kessel Wasser auf die Feuerstelle geschleppt, nebenbei die Spinatsahnesauce angerührt und die Mädels mit Flaschenöffner und Geschichten versorgt. Mitten im schönsten Plaudern – irgendwo zwischen einem aus Liebesgründen lose gerüttelten Straßenschild und der Einsicht, dass eine Beißhemmung dem Fortgang der Verliebtheit schadet – klimpert die Klingel dazwischen. H. begehrt Einlass. V. erklärt, H. sei die Transportsachverständige und für den sicheren Heimweg der Symbionten zuständig. Gut! Wenig später steht H. in der Tür, nach einer hastigen Umarmung gesellt sie sich zu uns in die Küche. Die Frage “Hast du schon gegessen?” beantwortet sie mit einem ausweichenden “Hmmmm, ööhhmmm…” – also hat sie nichts im Magen. Kurzerhand landet ein weiterer Teller auf dem Tisch, Gabel und Löffel werden daneben gelegt und das Stillleben wird mit einem frischen Bleirohr-Riesling abgerundet. Mit dem Mädelsgeschwader am Tisch wird so ziemlich alles besprochen – kurz: Wir verhandelten Leben, Liebe, Laster. Der Kessel voller Nudeln in cremiger Spinatsauce wurde zwischenzeitlich serviert und dann regelrecht ausgeleckt. Immer wieder landeten die Gabeln stochernd in dem Topf – selbst kleinste Reste wurden zwischen zwei Silben genussvoll von den Gabeln gelutscht. Aus dem kulinarischen Epizentrum des Abends verlegten wir den Fortgang des Wiedersehensbegängnisses auf die 2 Meter “Klippan” im Salon. Das Bild lässt sich treffend mit ‘Hühnerstange de luxe’ beschreiben. Hübsch aufgereiht saßen die drei attraktiven Frauen auf dem Sofa und wir plauderten fröhlich, laut und ausgelassen. Irgendwann gesellte ich mich auf dem letzten freien Platz meines schwarzen Sofas hinzu und der Abend endete mit Hahn im Korb in trauter Viersamkeit.