Berliner U-Bahnfahrer: Oft dick, mit wenigen Haaren oder Vokuhila-Fifi und immer sprachgewaltig. Sie sind die heimlichen Mikrofonstars Berlins, denn die Rampensäue im Führerhaus scheuen sich nicht im grellen Licht der U-Bahnhofs-Bühnen ihre Kunst zu zeigen.
Szene 1:
Ein schmaler Bahnsteig, flackerndes Neonlicht. Die U-Bahn-Stimme sagt: “Einsteigen bitte!”, vereinzelte Fahrgäste springen noch hinein. “Zurückbleiben bitte!”, sagt die U-Bahn-Stimme, da kommt ein langhaariger junger Mann noch angesprungen, die Türen schließen sich bereits, er greift beherzt in den immer kleiner werdenden Raum zwischen den Türen und stemmt sich gegen den Schließvorgang. Er will unbedingt noch mit. Da knackt es kurz, rauscht und plötzlich donnert es aus den Lautsprechern: “Welschen Tail von zurückbleim bitte ham sie nisch vastanden?” Der Nachzügler schaut wie vom Donner gerührt und lässt los. Die Türen schließen sich, die Fahrgäste schmunzeln, die U-Bahn fährt los.
Szene 2:
Mitten in einer Wochenendnacht. Der U-Bahn-Wagen riecht schon ein bisschen wie Kneipe, eine Bierflasche durchrollt klimpernd immer wieder das Abteil. Vier Jungs in viel zu weiten Hopper-Klamotten lümmeln auf den Polstern. An der nächsten Station steigen sie aus. Die Bahn fährt wieder an. Die Jungs schlagen mit ihren Händen und Füßen gegen die Wagen. Abrupt stoppt der Zug. “Na Jungs, stischt der Hafer oder wat?”, klingt es abgeklärt es aus den Lautsprechern.