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Kleiderzwang

Dienstag, Juli 15th, 2008

Sie hat sich in ein Kondom mit Spaghetti-Trägern gezwängt. Oben rot – zur Warnung – unten weiß, zum schnell Wegschauen. Vorneweg trägt sie einen Schleppbauch, die Leggins bis kurz unter den vorstehenden Bauchnacbel gezwängt. Zwei gewaltige Wellen schaukeln unter dem Gummizug bei jeder Bewegung. Wenn sie sich vorbeugt, schwappt ihr Busen, eingezwängt in das purpur-rote, viel zu kleine Oberteil, in die Wellenwand. Kein Spaßbad kann das Schauspiel toppen. Surfer träumen von solchen Wellenbergen.

Was vorn spannt, fehlt hinten. Der gewaltige Busenbändiger, mit Haltern dick wie Matrosenarme, kann von den Spaghettitleisten des Tops nicht überdeckt werden. Die Querträger mit dicken Verschlüssen in der Mitte drücken breit ins weiche Fleisch. Wie eine Talautobahn zwischen gealtigen Abhängen spannen sich die Halter über den breiten Rücken. Der untere Teil des Tops liegt wie eine dünne Wolkendecke vor einer Gebirgskette und vermag nicht das Elend zu verbergen. WildeFalten werfend spannt sich das geschundene Kleidungsstück bis zum massiven Steiß.

Erst knapp unter dem Beginn der Falte übernimmt die weiße Leggins wieder. Wenige Zentimeter zu spät. Die Hose weiß nicht so recht, ob sie oben kaschieren, unten länger oder in der Breite etwa großzügiger vertecken sollte. Von allem gelingt ihr nur ein bisschen. Und das reicht nicht.

Gefährlich – so gesehen.

Dienstag, November 20th, 2007

5 Männer sitzen in einem Halbrund auf blauen Sesseln, hinter sich eine Stellwand, ähnlich denen bei Fußballübertragungen, vollgepackt mit Sponsoren. Ein Sessel in der Runde ist frei, der rechts neben dem Moderator Thomas Böhm. Dort sollten, laut Intro, entweder Oberbürgermeister Roland Methling oder Finanzsenator Georg Scholze sitzen, sind aber nicht gekommen, wie die Stimme aus dem Off verrät. Die illustre Runde mit dem Chef der IHK Rolf Paarmann, dem Bürgermeister der Rostocker Nachbargemeinde Graal-Müritz, dem Chef der Rostocker Straßenbahn AG Wilfried Eisenberg und eben Thomas Böhm, dem Chefredakteur von tv.rostock, spricht über das sogenannte “Stadtbahn-Konzept” für Rostock und seine Umgebung. Damit sollen Bahnen sowohl auf den Gleisen der Straßenbahn in Rostock als auch den ganz normalen Gleisen der Bahn im Umland fahren. Das soll Wege nach Rostock verkürzen und die Region insgesamt voranbringen. Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling lehnt das Konzept ab – die finanziellen Risiken sind ihm für die Stadt zu hoch und die Bürgerschaft eiert rum. In der Diskussionsrunde kann man das dank geschickter Suggestivfragen und einer eigentümlichen Verträglichkeit der Gesprächsteilnehmer nicht nachvollziehen. Im Verlauf des “Talk Region Rostock” sind sich alle immer wieder einig, wie toll, großartig und risikofrei das Projekt sei. Ganz zum Schluss ergreift Thomas Böhm nocheinmal das Wort – ungeschnitten macht er sich, kurzzeitig stotternd, ganz ungehalten Luft über den in der Runde fehlenden Oberbürgermeister, der, nach Böhms Worten, dem tv.rostock “Lobbyismus” vorwerfe und fordert ihn auf sich der Diskussion zu stellen. Das finde ich doppelbödig, denn “Talk Region Rostock” wird von denjenigen, die das Stadtbahnprojekt favoriseren, gesponsert. Deutlich sichtbar sind sie auf den Aufstellern im Hintergrund zu sehen und werden im Abspann als Sponsoren genannt. In der Talkrunde gab es nicht einen Gast, der das Vorhaben kritisch sah und wenn sich ein Fernsehsender selbst als “wirtschaftsnah” bezeichnet, dann finde ich die Zusammensetzung der Runde in einem vorgeblich journalistischen Format problematisch. Den Oberbürgermeister allein für das vorläufige Scheitern des Stadtbahnprojekts verantwortlich zu machen ist wohlfeil – gilt er doch als schwach, ohne Hausmacht, detailverliebt und bockbeinig. Das weltfremde Herumeiern der Bürgerschaft, kritische Fragen zur Finanzierung oder der Wahl des Partners Deutsche Bahn durch die Straßenbahn AG, das alles fällt unter den Tisch. Lobbyismus unter dem Mäntelchen des Journalismus finde ich gefährlich.