Posts Tagged ‘leben’

Den Bann gebrochen

Mittwoch, Dezember 3rd, 2008

Wie eine dressierte Ratte starre ich auf den Bildschirm. Das rot-weiße Bild auf dem flackernden Display fesselt mich seit Stunden, davor seit Tagen, eigentlich seit Wochen. Viel Zeit verbringe ich vor dem Rechner beruflich und auch privat, die rot-weiße Seite gehörte immer dazu. Fiebernd wartete ich auf den Moment, wenn der Plauderkasten anzeigte das ein Freund online ist, ob neue Nachrichten für mich eingetroffen sind oder sonstwer auf meiner Pinnwand rumschmiert.

StudiVZ hat mir Zeit gestohlen, meine Sitten verrohen lassen und mein Leben öffentlich gemacht. Damit ist jetzt Schluss. Wer mich erreichen will, der rufe bitte an oder schreibe eine E-Mail oder komme persönlich vorbei. Dieses Social-Networking-Getue ist eine Fata-Morgana, die Verbindungen vortäuscht wo gar keine sind, die Begehrlichkeiten weckt, Menschen und ihre Leben durchsichtig macht und das zwischenmenschliche, das wesentliche Handeln zukleistert und erschwert.

Durchsagen gehen durch und durch

Donnerstag, September 25th, 2008

Berliner U-Bahnfahrer: Oft dick, mit wenigen Haaren oder Vokuhila-Fifi und immer sprachgewaltig. Sie sind die heimlichen Mikrofonstars Berlins, denn die Rampensäue im Führerhaus scheuen sich nicht im grellen Licht der U-Bahnhofs-Bühnen ihre Kunst zu zeigen.

Szene 1:

Ein schmaler Bahnsteig, flackerndes Neonlicht. Die U-Bahn-Stimme sagt: “Einsteigen bitte!”, vereinzelte Fahrgäste springen noch hinein. “Zurückbleiben bitte!”, sagt die U-Bahn-Stimme, da kommt ein langhaariger junger Mann noch angesprungen, die Türen schließen sich bereits, er greift beherzt in den immer kleiner werdenden Raum zwischen den Türen und stemmt sich gegen den Schließvorgang. Er will unbedingt noch mit. Da knackt es kurz, rauscht und plötzlich donnert es aus den Lautsprechern: “Welschen Tail von zurückbleim bitte ham sie nisch vastanden?” Der Nachzügler schaut wie vom Donner gerührt und lässt los. Die Türen schließen sich, die Fahrgäste schmunzeln, die U-Bahn fährt los.

Szene 2:

Mitten in einer Wochenendnacht. Der U-Bahn-Wagen riecht schon ein bisschen wie Kneipe, eine Bierflasche durchrollt klimpernd immer wieder das Abteil. Vier Jungs in viel zu weiten Hopper-Klamotten lümmeln auf den Polstern. An der nächsten Station steigen sie aus. Die Bahn fährt wieder an. Die Jungs schlagen mit ihren Händen und Füßen gegen die Wagen. Abrupt stoppt der Zug. “Na Jungs, stischt der Hafer oder wat?”, klingt es abgeklärt es aus den Lautsprechern.

Brutale Lebenswirklichkeit

Mittwoch, September 24th, 2008

miescha

“Orgasmus vortäuschen ist wie junge Hunde für falsches Benehmen belohnen. Ist zwar Scheiße, man machts aber trotzdem.” – sprach kürzlich eine mir bekannte junge Dame.

Mein Weltbild bröselt weiter.

Dr. Schmidt in Schanghai

Montag, September 15th, 2008

Ich freue mich sehr an dieser Stelle Dr. Carsten Schmidt vorstellen zu dürfen. Er hat an der Universität Potsdam vielbeachtet über Felix Weltsch promoviert, wir kennen uns aus Rostock, wo wir einige Jahre gemeinsam studiert und gearbeitet haben.

Carsten Schmidt ist ein bemerkenswerter Autor und Pointenkünstler. Er hat unter anderem für Universal gearbeitet, deutschen Top-Musikern Texte geschrieben und auf Berliner Kleinkunstbühnen für Jubelstürme gesorgt.

Carsten schreibt zukünftig in diesem Blog über seine Erlebnisse als Deutsch- und Englischlehrer in China. Noch vor seiner Abreise hat er bekräftigt, dass es bei ihm nicht um Hundefleisch oder Tigerpenispulver gehen wird.

Gestern ruderte er nach eigenem Bekunden an Bord einer China-Galeere von Heathrow nach Shanghai. in der Zwischenzeit dürfte er angekommen sein. In lockerer Folge wird er seine Texte nun hier und wenig später auch beim Nachbarn roetel veröffentlichen, den ich an dieser Stelle ebenfalls empfehlen möchte.

Humboldt verloren

Dienstag, September 9th, 2008

In teuren Jeansklamotten, dunkelhäutig und mit nervösem Blick steht er an einer Häuserecke in Berlin. Mit beiden Händen fest umklammert hält er ein kleines schwarzes Buch. Viele Menschen laufen an ihm vorbei, ohne ihn zu beachten. Auch ich schlendere erstmal weiter, besinne mich aber, denn er spricht die Menschen ganz verschüchtert an. Irgendwie hilflos und fragend, nicht so wie die Typen von der Jehova-Bande, die einem forschen Schrittes entgegen eilen, um ihr zwielichtiges Heilsverprechen an den Mann zu bringen.

Auf dem Hacken also kehrt, zwei, drei Schritte auf den Typen zu. Er freut sich, die Augen flackern aber gleich wieder nervös los. Er fingert hastig in den letzten Seiten seines kleinen schwarzen Buches herum, sagt: “Universität Humboldt?!?”, und zeigt in seinem Büchlein auf die Entsprechung in seiner Sprache. Weder des Deutschen noch des Englischen mächtig steht er verloren vor mir. Ich zeige auf das U-Bahnschild an einem Haus, nur wenige Meter von uns entfernt, sage “U-Bahn to Alexanderplatz. Then S-Bahn to Friedrichstraße.”, einfacher bekomme ich es nicht hin. Beflissen wiederholt er den ersten Namen, schon am zweiten scheitert er.

Also gut, mitnehmen den Mann, damit er hier nicht völlig scheitert. Mit der Hand zeige ich erst nochmal auf das U-Bahn-Schild, dann auf ihn und mich und gehe los. Es funktioniert! Er folgt mir. Auf dem U-Bahnsteig läuft er erstmal weiter, ich rufe ihn zurück, um auf dem Streckenplan seinen Reiseweg zu zeigen. Wieder spricht er die Worte “Alegsanderblatz, Friehndrickschdrasse?” und schaut so verloren wie eben noch im Tageslicht. Gemeinsam steigen wir in die U-Bahn. Nochmal zeige ich die Reiseroute, diesmal scheint er zu verstehen, denn ich kringele die Stationen auf einem Faltplan ein, setze mich dann ans andere Ende des Wagens.

Meine Hoffnung zerplatzt schon am U-Bahnhof Alexanderplatz. Zielstrebig läuft er in die falsche Richtung – an mir vorbei. “Hey! Follow me!”, rufe ich hinterher. Verdattert dreht er sich um, schaut kurz komisch, läuft aber doch mit, immer einen halb Schritt hinter mir her. Ecken mag oder kennt er nicht, für ihn geht’s immer nur geradeaus. Zweimal müssen wir abbiegen, zweimal muss ich ihm hinterherrufen. Fast entschuldigend guckt er mich dann an wenn wir den Weg gemeinsam fortsetzen. Wir schaffen es bis auf den S-Bahnsteig. Ich wiederhole das Friedrichstraßenmantra, skizziere noch einfachstmöglich den Weg vom S-Bahnhof zur Humboldt-Uni auf einer Seite in seinem Buch, die für Notizen vorgesehen scheint (ja ja, Berliner kennen bestimmt kürzere Wege, aber versucht mal jemandem ohne sprachliche Hilfsmittel den Umstieg in mehrere Buslinien, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite halten und ihn zur Uni bringen könnten, zu erklären).

Die S-Bahn in Richtung Friedrichstraße rollt heulend ein, ich muss in die andere Richtung. Er zeigt auf den Zug, ich nicke. Mit fragendem Blick steigt er ein, die Türen schließen sich.

Wenn ich ihn heute wieder so verloren treffe, dann nehmen ich ihn an die Hand und bringe ihn persönlich ins Studentensekretariat.

Dürüm mit Kündigung

Donnerstag, August 28th, 2008

Ich stehe an der Glastheke eines gepflegten Dönerladens mit angeschlossener Eckkneipe. Ein Dürüm-Döner am späten Abend nach getaner Arbeit soll es sein. Es duftet verführerisch nach frisch aufgebackenem Brot und leckerem Dönerfleisch, nur dem Chef stinkts gewaltig. Der kleine, gedrungene Mann im roten Polo-Shirt brummelt unaufhörlich etwas in seinen Schnauzer, gestikuliert wild und schaut immer wieder in Richtung der Tür mit der Aufschrift “privat”. Langsam macht er sich an mein Abendessen, murmelt, blinzelt und beginnt das Fleisch zu schneiden. Die blonde Kellnerin von hinter dem Tresen in der Eckkneipe kommt in den Imbissraum, geht hinter die Theke und steht demonstrativ hinterm Dönermann.

Er spürt ihre Anwesenheit, fährt herum und haut ihr fast das halbfertige Dürüm-Paket auf die Brust. “Oh, schuldige. Schaust du. Wenn ich ihr sage machst du so, macht sie nicht.” Dabei zeigt er auf den Dürüm und deutet seine Zubereitung an. “Wenn Gast sag: “Bring bitte Bier’. Sie steht rum. Gucken nur so.”, und er starrt mit in die Hüften gestemmten Armen in die Luft.

Sie kommt in diesem Moment durch die “privat”-Tür. Hübsch, braungebrannte Haut, schwarzes Haar, dunkle Augen, enge Jeans und Oberteil. Sie würdigt den Chef keines Blickes. Die blonde Tresenkraft geht zu ihr. Küsschen links, Küsschen rechts, Küsschen links. Beide flüstern sich etwas zu. Wortlos verlässt die Zornerregerin den Laden.

“Was sagen sie?”, fliegt es mir vom Dönerspieß entgegen. “Sie kommt hier rein vor vierzehn Tage. Setzt sich hin, klimpert mit Augen und fragt: ‘Hast du Arbeit’. Sag ich: ‘Ja’. Erste Tage geht gut. Aber dann wird immer schlechter.” Die Kräutersoße fliegt lieblos über Fleisch und Salat. “Ich zahle fümpf Euro Stunde. Aber nich für rumsitzen. Geld nur für Arbeit! Oder wie sehen sie?”

Verlegen nicke ich kaum sichtbar mit dem Kopf. Hoffe, dass mich die hübsche Arbeitsverweigerin nicht dabei sieht. Irgendwie ist mir der Appetit auf den Dürüm, der jetzt auf der Theke liegt, vergangen.

Reiselektüre

Mittwoch, August 13th, 2008

Mitten in Russland, mitten im Leben steckt meine liebe Freundin und Kollegin Diane Hielscher. Für ein halbes Jahr hat sie sich aus Berlin ausgeklinkt und bereist Medwedew-Country. Fernweh und Sehnsucht nach Abenteuer weckt sie damit bei mir. Ganz besonders mit diesem Artikel. Ich wär am liebsten in Berlin den Nachtzug nach Moskau umgestiegen.

Festgehalten

Dienstag, Juli 8th, 2008

Ich bin ein:

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