Die Turbulenzen bei Antenne MV haben ein vorläufiges Ende gefunden. Der Vertrag von Programmdirektor Ecki Raff endet am 31.12.2010, sein Nachfolger wird Chefredakteur Peer Wellendorf, der erst im Frühjahr auf diese Position gekommen war. In einer Pressemitteilung schreibt Antenne MV Geschäftsführer Robert Weber, dass man Ecki Raff für seine Arbeit danke und damit der strukturelle Umbauprozess im Sender beendet sei. Raff hinterlasse „ein strukturell und organisatorisch für die Zukunft hervorragend aufgestelltes, qualifiziertes und engagiertes Team.“ Wie diese Aussage vor dem Hintergrund der aktuellen Entlassungen zu bewerten ist, wird die Zukunft zeigen müssen. Raff übernehme “auf eigenen Wunsch eine neue Aufgabe im Medienbereich.”
Die Stimmung bei Antenne MV sei schlecht, Unsicherheit und Verbitterung prägten die Stimmung, berichtet dagegen ein Insider, der anonym bleiben möchte. Geschäftsführer Robert Weber kehre derzeit mit dem Eisernen Besen in seinem Haus und hat mindestens 6 Mitarbeiter gekündigt, 3 Mitarbeiter aus der On-Air-Produktion und 3 Mitarbeiter aus der Redaktion. Wie viele Mitarbeiter tatsächlich gehen müssen ist aber unklar, wie aus Gesprächen mit unterschiedlichen Personen, die mit den Vorgängen vertraut sind, hervor geht. Sicher ist, dass mehrere Mitarbeiter das Haus sofort verlassen mussten. Ein Teil der als gekündigt geltenden Mitarbeiter sei jedoch vorerst weiter für Antenne MV tätig. In einem pessimistischen Szenario beschreibt eine mit den Veränderungen vertraute Person den Aufbau des Senders nach dem Umbau als „Mannschaft aus Volontären, Moderatoren und einer halben Nachrichtenstelle“. Die Nachrichten im Programm werden demnach aus Kiel zugeliefert, wo der Hauptgesellschafter von Antenne MV, die Firma Regiocast, Sender für Schleswig-Holstein und eine zentrale Nachrichtenredaktion betreibt.
Chefredakteur Peer Wellendorf kommt von Radio NORA, einem der Regiocast-Sender in Schleswig-Holstein. Seit Januar sind die Regiocast mit 52 Prozent und der Kurierverlag aus Neubrandenburg, der auch die Tageszeitung „Nordkurier“ herausgibt, mit 35 Prozent an Antenne MV beteiligt, die restlichen Anteile werden von 5 Einzelgesellschaftern gehalten. Die Übernahme war mit zuversichtlichen Ankündigungen der neuen Gesellschafter und auch der Landesmedienanstalt verbunden. „Unterstützt durch die regionale Kompetenz des Nordkuriers und der verbleibenden Gesellschafter aus Mecklenburg-Vorpommern erhält ANTENNE MV mit der Ausweitung des Engagements der REGIOCAST Zugang zu allen Radiodienstleistungen aus dem Netzwerk des integrierten Radioanbieters.“, schrieb die Regiocast damals in einer Pressemitteilung. Die Entlassungen bei Antenne MV führten das allerdings ins Absurde, wenn die Nachrichtenredaktion künftig nur noch aus einer halben Redakteursstelle und Zulieferungen aus der Zentralredaktion bestehen sollte. Die Hauptnachrichtensendung „Journal“, die um 18Uhr lief und mit 8 Minuten Sendezeit Raum für Vertiefungen und Hintergründe bot, ist bereits eingestellt worden.
Der Chef der Medienanstalt Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Uwe Hornauer, befindet sich derzeit im Urlaub und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Medienanstalt Mecklenburg-Vorpommern, die die Aufsicht über Antenne MV hat, sei über die Personalentscheidungen nicht informiert worden, sagt Sprecher Bert Lingnau. Dies sei auch nicht notwendig, da die Medienanstalt nur das Programm beaufsichtige, dies geschehe auch ständig. Sollte sich zeigen, dass Antenne MV mit den Veränderungen nicht mehr die in der Lizenz geforderte Regionalität habe, werde sich der Rundfunkausschuss sicher damit beschäftigen, der für Lizenzfragen zuständig ist, dafür sei es aber noch viel zu früh. Die Zusammenarbeit mit Antenne MV sei bisher auch sehr gut gewesen, so Lingnau. Der Deutsche Journalistenverband in Mecklenburg-Vorpommern kritisiert die Vorgänge bei Antenne MV scharf. „Mit dem Wegfall der eigenen Nachrichtenredaktion und den Zukauf von Nachrichten aus Kiel wird man weder dem Anspruch größerer Regionalität und Vielfalt noch verbesserter Qualität gerecht. […] Wer an journalistischer Kompetenz spart, verkommt zur Musikabspielstation mit Werbeeinlagen.“, so Sprecherin Sybille Ekat. Antenne MV Geschäftsführer Robert Weber zeigt sich in seiner Pressemeldung aber sicher, dass der strukturelle Umbau und der neue Programmchef „eine zukunftsfähige Mischung aus Modernität und Regionalität“ bringen werden.
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Quellen:
Telefonrecherche, Schriftverkehr mit Antenne MV und Deutscher Journalistenverband – Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, www.xing.com (öffentlicher Bereich), www.regiocast.de, www.nordkurier.de, www.lrz-mv.de









