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	<title>miescha.de &#187; Merkwürdigkeiten</title>
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		<title>Weniger und doch mehr &#8211; Museumsdialektik in Pasewalk</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Dec 2009 06:00:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>miescha</dc:creator>
				<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Merkwürdigkeiten]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Historiker Stefan Rahde im Interview zum Zustand de [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Historiker Stefan Rahde hat über ein Jahr für das Pasewalker Museum gearbeitet. Im Dezember hat er ein Gutachten verfasst, das sich sehr kritisch mit dem Museum auseinandersetzt und auch seine eigene Arbeit<br />
dokumentiert.  Das Fazit: Es wurde viel getan, das Museum hat trotzdem große Probleme. Die Stadt muss sich den Problemen in ihrer Museumslandschaft stellen.</p>
<p>Herr Rahde, aus welchem Grund ist dieses Gutachten entstanden?</p>
<p>Zum Einen, um der Stadt zu erklären, in welcher Situation sich das Museum befindet und welche Veranstaltungen organisiert worden sind. Zum Anderen ist es auch eine Art Abrechnung meiner Arbeit, die ich dort im vergangenen Jahr erbracht habe.</p>
<p>Ihr Gutachten verfolgt einen Zweck. Welchen?</p>
<p>Die Besucherzahlen sind massiv eingebrochen, ich versuche die Gründe dafür einmal nachzuvollziehen. Trotz der negativen Zahlen will ich aber auch zeigen, dass sich das Museum positiv entwickelt hat, denn wir haben eine gewisse Kontinuität in die Arbeit bekommen und Vertrauen in der Stadt zurückgewinnen können, weil wir wieder mit wissenschaftlicher Substanz arbeiten.</p>
<p>Aber wie geht denn das zusammen? Weniger Besucher, aber eine bessere Arbeit. Wie kann man das erklären?</p>
<p>Wenn man sich die Besucherstatistik genau anschaut, dann haben wir weniger ein Problem mit Individualbesuchern, sondern vielmehr bei Gruppen und da ganz besonders Schulgruppen. Wir haben sogar einen leichten Zuwachs bei den erwachsenen Einzelbesuchern, die Schülerzahlen sind aber rückläufig. Ich habe projektbegleitetend an Sonderausstellungen und Vorträgen gearbeitet. Der Teil, der immer im Museum lief, Stadt – und Museumsführungen, war nicht meine Aufgabe, aber hier muss massiv nachgebessert werden.</p>
<p>Sie haben über ein Jahr für das Museum gearbeitet. Auch in ihrer Zeit sind die Besucherzahlen gesunken. Das kann doch nicht ausschließlich an den Jugendgruppen liegen.</p>
<p>Doch! Es fehlen die Gruppen, nicht unbedingt nur Schülergruppen, die dafür sorgen, dass auch mal eine Menge Leute in das Museum kommen oder durch die Stadt geführt werden.</p>
<p>Was könnte das Museum ihrer Ansicht nach denn an dieser Stelle besser machen? Sie müssen dabei ja auch im Blick behalten, das Pasewalk bis zum Hals in Schulden steckt und die Museumsarbeit eher weniger, als mehr<br />
kosten darf.</p>
<p>Die Stadt darf nicht länger auf Besucher warten, die irgendwie auf das Museum aufmerksam werden; also über die Internetseite oder andere Außenwerbung. Man muss zum Beispiel aktiv an die Schulen gehen. Stellen<br />
Sie sich einmal ein Konzept gemeinsam mit Geschichts- und Kunstlehrern vor, in dem man nicht nur eine Museumsführung anbietet, sondern auch darauf bezogene Projektarbeit. Das heißt, man wäre einen Tag im Museum, schaut sich zum Beispiel Keramik aus der Geschichte an und in den Schulen versucht man in einem zweiten Schritt die Keramiken nachzutöpfern. Dabei kann Geschichte sehr lebendig vermittelt werden. Im Grunde ist das Pasewalker Museum nämlich kinderunfreundlich, weil es zu wenig zum Anfassen gibt. Wir haben sehr gut aufgearbeitetes Material, aber das steht hinter Glas. Für Schüler ist das Material viel besser in so einem Workshop zu begreifen und das fördert auch das Bewusstsein für den Kulturraum Stadt Pasewalk.</p>
<p>Pasewalk hat nur etwas mehr als 11.000 Einwohner. Im zu Ende gehenden Jahr werden nur etwas mehr als 1600 Besucher im Museum gewesen sein. Also nicht mal alle Pasewalker waren einmal im Museum. Wie wollen Sie das denn ändern?</p>
<p>Nun, es ist ja nicht so, dass in den vergangenen Jahren im Museum nur der Notstand verwaltet wurde. Das Museum macht sehr gute und auch sehr gut besuchte Veranstaltungen. Denken Sie an die Museumsnacht und den internationalen Museumstag, die dem Museum hunderte Besucher bringen. Das Haus wird wahrgenommen. Ein zweiter Aspekt sind die kleineren Veranstaltungen, wie etwa die gerade zu Ende gegangene Reihe mit<br />
Fachvorträgen, die dem Museum eine ganze Reihe Pasewalker Besucher gebracht haben.</p>
<p>Ganz überzeugend ist das mit Blick auf die Besucherzahlen aber nicht.</p>
<p>Man muss schon attestieren, dass sich das Museum ein bisschen versteckt. Die Außenwirkung an seinem Standort ist recht schlecht. Es mangelt an sichtbarer Außenwerbung, denn es wird nicht klar, dass das Nebengebäude des Prenzlauer Tores ein Museum in sich birgt. Der Zugang ist ja fast burgenhaft tiefliegend im Schatten zwischen Tor und Haus verborgen. Und da zeigt erstmal nichts, dass es dort ein Museum gibt, man muss erst die Öffnungszeiten in der Türnische entdecken. Auf dem Museumsparkplatz kann man zumindest das ‚I‘ der Stadtinformation im Glasbau erkennen. Der Hinweis auf das Museum müsste aber ebenso groß präsentiert werden.</p>
<p>Schlechte Beschilderung, sinkende Besucherzahlen und weniger Schüler im Haus. Das sind große Probleme des Museums. Krankt es an noch mehr? </p>
<p>Es fehlt ein Museumsleiter. Bis 2007 war die Stelle besetzt, seit dem ist nur noch eine Sachbearbeiterin im Haus, die die Geschäfte führt und für wirklich alles zuständig ist. Sie war ja auch meine Ansprechpartnerin. Das<br />
ist doch nur Flickschusterei. Wir müssen uns auch mal bewusst machen, dass wir in Pasewalk einen der wenigen Museumsneubauten in M-V nach der Wende haben. Der erste Museumsleiter, Herr Houdelet, hat da großartige Arbeit geleistet. Mit einem Museumsleiter könnte die Arbeit wieder viel kontinuierlicher und fundierter gemacht werden.</p>
<p>Kommen wir einmal weg von den Problemen des Hauses. Hat das Museum noch Potentiale, um aus sich selbst heraus besser zu werden?</p>
<p>Wir haben einen gut fundierten Grundstock mit der Dauerausstellung im Museum, die uns auch von anderen Museen im Land abhebt. Aus den Bezügen der Stadtgeschichte ergeben sich auch neue Ideen, die für das nächste Jahr auch schon angeschoben sind. Nehmen wir das Beispiel Hugo Lemcke: Der gebürtige Pasewalker ist ein wichtiger Mann für die Aufarbeitung der pommerschen Bau- und Kunstgeschichte. Im nächsten Jahr jährt sich sein Geburtstag zum 175. Mal. In Stettin wird er bereits gewürdigt, in Pasewalk muss das auch geschehen. Aus dem Magazinbestand könnte man auch Sonderausstellungen erstellen, dazu müsste man dort aber die Inventarlisten überarbeiten. Weitere Potentiale bietet auch die kleine Vortragsreihe, die wir ganz bewusst im Museum und nicht im Historischen U gemacht haben. Das hat Leute auf das Haus aufmerksam gemacht. Wir müssen ein lebendiges Museum gestalten! Wir sind nicht nur ein Schauraum, man muss auch aktiv etwas gestalten können.</p>
<p>Pasewalk hat nicht nur das Stadtmuseum sondern auch ein Feuerwehrmuseum und den Lokschuppen. Sie kämpfen für das Museum allein. Ist das noch zeitgemäß? Ist nicht eher ein umfassendes Konzept für die Museen in der Stadt nötig?</p>
<p>Ja, das ist richtig. Der Lokschuppen ist aber ein ganz eigenes Problem. Er wurde mit viel Enthusiasmus und Initiative aufgebaut, von der Pomerania mit der Gießkanne gefördert und wird jetzt zum Finanzierungsproblem. Das aber lassen wir einmal außen vor. Wir haben zwei technische Museen und das Stadtmuseum. Der Gedanke eines Museumskonzepts ist natürlich richtig, diesen Weg müsste man auch gehen. Man muss die Museen der Stadt ersteinmal vernetzen. Es wäre doch sehr wünschenswert, wenn sie sich auch gegenseitig bewerben würden und einen gemeinsamen Öffnungstag hätten. Es ist absolut nötig die Museen zu vernetzen, wobei die Fragen der Trägerschaft und Finanzierung in den einzelnen Fällen im Blick bleiben müssen.</p>
<p>Fassen wir also einmal zusammen: Pasewalk ist eine kleine Stadt, hat aber eine richtig gute Museumslandschaft, man muss aber noch dran arbeiten. Wie könnte das denn aussehen?</p>
<p>Richtig. Aber eine konkrete Idee habe ich noch nicht. Alle Beteiligten könnten sich aber zumindest einmal zusammensetzen und Ideen finden. </p>
<p>Sie bilanzieren mit dem Gutachten sowohl die Arbeit des Museums, als auch ihre eigene. Am Ende schreiben Sie, dass sie auch für die Umsetzung ihrer Vorschläge zur Verfügung stehen. Das ist quasi eine Bewerbung. Ist das nicht einfach nur frech, den Verantwortlichen erstmal die Leviten zu lesen und hinten heraus zu schreiben: ‚Ich würde es trotzdem gern machen‘?</p>
<p>Nein, das sehe ich nicht so. Ich lege der Stadt gegenüber Rechenschaft ab und es soll eben auch eine Hilfestellung sein, weil ich darum weiß, dass es im nächsten Jahr eher noch schwieriger wird, aktive Arbeit vor Ort zu leisten.  Ich biete meine Unterstützung an und das Gutachten ist auch ein Übergabeprotokoll für einen etwaigen Nachfolger. Es gibt viel zu tun im nächsten Jahr, auch wenn das nicht mehr mit meiner Person verbunden sein sollte.</p>
<p>__________________________________________________________________________________</p>
<p>Das Interview wurde am 20.12.09 telefonisch geführt und ist hier nicht wortwörtlich wiedergegeben. Es wurde dem Interviewpartner zur Autorisierung vorgelegt, einzelne Formulierungen sind der Schriftsprache angepasst worden, die den Sinn der Worte allerdings nicht verändern.</p>
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		<title>Heimatpessimismus</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Dec 2009 16:08:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>miescha</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Persönliches]]></category>
		<category><![CDATA[Flucht]]></category>
		<category><![CDATA[Merkwürdigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Pasewalk]]></category>
		<category><![CDATA[Vorpommern]]></category>

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		<description><![CDATA[In groben Pinselstrichen sind Wolken an den grau blauen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In groben Pinselstrichen sind Wolken an den grau blauen Himmel gemalt. Am Horizont hinter der Stadt tastet sich ein zartes orange-rot über den Wald und die Wiesen. Pasewalk liegt im Schlaf, tief und fest. Wenn die Stadt erwacht, wird sie auch nicht vielmehr als träge sein. Die Zeit hat neue Wunden in die Stadt geschlagen, wieder fehlen Häuser, sind neue Leeren zwischen alten Quartieren gewachsen. Kurz hinter dem Markt schorft die nächste Zeile ihrem Ende entgegen.  Barock die Eingangstüren, mittelalterlich das Grünstück, modern der Verfall mitten in der Stadt. Fährt man mit der Bahn in die Stadt, aus Berlin kommend, sieht man zuerst die große gelbe Klinik auf einem bewaldeten Hügel stehen und kurz darauf die große St. Marien. Kirche und Krankenhaus, beide zu groß geraten für die kleine Stadt. Siebenhundert Jahre trennen die beiden, vereint sind sie in ihren Gründern. Hoffnungsfroh und stolz waren ihre Architekten, im vollen Glauben an die Zukunft der Stadt. Die Zeit hat alle überholt. Schön sind die beiden trotzdem, als wollten sie der Zeit doch trotzen, herausgeputzt und strahlend. Glitzernd und gelb die Klinik, feld- und backsteinschön Marie. Krankheit und Kirche seien die letzten Überlebenden hier, sagen Menschen zu ihren Füßen.</p>
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		<title>Die 10 größten mir aufgefallenen China Widersprüche</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Nov 2008 05:00:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>drschmidt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Dr. Carsten Schmidt

Oder: Der General Bergfrühlin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Dr. Carsten Schmidt</em></p>
<p><span>Oder: <strong>Der <em>General Bergfrühling</em> putzt alle Klischees blitzeblank weg</strong></span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>Von China haben einige Leute, sehr gern auch Journalisten mit der gefährlichen Deutungshoheit im Gepäck, immer noch komische Klischees, und einige glauben, nur weil sie 3 Tage im Hotel in Peking waren, ein Bild, eine Meinung oder sogar ein Urteil abgeben zu können. Ich kann gewiss nicht viel mehr als die Herren und Damen, aber ich werde sicher auch kein 20 Seiten «Ich habe China verstanden»-Special in einer Wochenzeitschrift veröffentlichen, sondern nur zehn Widersprüche nennen, welche eventuell die meist verbreiteten Klischees ein wenig lockern können. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>1. «China öffnet sich der Welt»</span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>Journalistischer Quatsch, denn so ein Satz ist nicht formulierbar für ein Land mit fast 1,5 Milliarden Menschen. Selbstverständlich haben in jedem Land die allermeisten keine Ahnung vom Ausland und sie reisen auch fast gar nicht. Das ist auch in China nicht anders, und wenn es eine Ã–ffnung gibt, dann gibt es sie seit über hundert Jahren und nicht erst seit 2-3 Jahren. Sicher, China hat viel erreicht in den letzten 2-3 Jahrzehnten, was man dem Land noch 1940 oder 1950 sicher nicht zugetraut hat, aber dennoch öffnet sich der allergrößte Teil des Landes ganz gewiss nicht, und demzufolge wissen die meisten Ausländer auch fast nichts über das wahre China (ich auch nicht). Viele Länder, auch Diktaturen, haben sich ein wenig geöffnet (Olympische Spiele), wenn es das Ausland erwartete und dem Image diente. Aber allein die restriktiven Behandlungen vieler Ausländer in Sachen Information und Visum müssen genügen, um diesen plumpen Satz mit der Ã–ffnung zu relativieren. Und man kann sich die Isolierung, den Grad der Abschottung nicht vorstellen. Wie schattenhaft wenig der einzelne Chinese von der ganzen Welt da draußen erfährt und weiß, würde einigen Deutschen große Angst machen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>2. Klischee: Kommunismus = Klassenlose Gesellschaft</span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>Jedem, der sich ein klitze-bisschen mit Geschichte auskennt, versteht, dass das nicht geht und auch in der DDR ja kaum ein paar Jahre «funktioniert» hat. Diejenigen, die es heute geschafft haben in China und z. Bsp. ein Auto fahren, wissen ganz genau, wer sie sind und schnauzen schon mal gern Hilfskräfte in Werkstätten und Tankstellen an oder drängeln sich an Schlangen mit einer Arschruhe vor, die es selbst bei uns nicht oft gibt. Also das was Marx «Klassenbewusstsein» genannt hat, ist ganz klar zu sehen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>3. Kommunismus ade? Willkommen Kapitalismus?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>Das habe ich nicht gesehen. Obwohl Mao sicher nicht mehr die Rolle spielt wie noch 1980, so werden seine Lehren doch in den Schulen bei Uniform-Apellen und in den staatlichen Einrichtungen sowie im TV weiter verbreitet und aufrecht erhalten, nicht nur auf Millionen roten Bannern überall. Viele Vorzeigekapitalisten, wie etwa Baulöwen aus Shanghai, sind auch fast immer große KP Mitglieder, die 5 Jahrespläne ausfüllen und mit althergebrachter Sprache Bericht erstatten. Beides existiert also nebeneinander, ohne dass eine Art Wachwechsel klar zu erkennen ist. Aber auch die DDR war in vielen Dingen kapitalistischer als man verklärend meint (Devisenbeschaffung, Waffenhandel).</span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>4. Chinesen verfallen nun hemmungslos dem Materialismus?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>Das habe ich vereinzelt gesehen, aber es stimmt dennoch für ganz große Teile der Bevölkerung nicht. Viele, auch junge Leute, sind nicht hinter Geld her und sind eben auch nicht sozialisiert, eine Gehaltserhöhung zu fordern. Dass jede Gesellschaft und Zeit Menschen hervorbringt, die übertrieben gesagt für 50 Cent ihre Großmutter verkaufen würden, ist klar. Dennoch habe ich Raffgier, Neid und Missgunst seltener gesehen als bei uns, wo Kosten, Löhne, Preise und Prozente dauernd im Sprachgebrauch enthalten sind.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>5. «Außen Vampir â€“ Innen Löwe» </span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>Dem letzten Punkt muss man jedoch etwas anknüpfen, was ein Widerspruch zwischen Außendarstellung und innerer Wahrheit ist. Kein Land kann derartige Wachstumszahlen in der Wirtschaft über Jahre schaffen ohne gigantische Bedürfnisse zu wecken und riesige Ressourcen auszusaugen, denn die Straßen und Häuser werden nicht mehr aus Sand, Lehm und Bambus gebaut. Natürlich saugt China in Russland, Afrika und Südamerika sehr viel an Schürfrechten und baut in wenigen Monaten Ã–lpipelines im Sudan, während andere Nationen sich noch über die EU-Richtlinien des Seilbahngesetztes im berglosen Mecklenburg-Vorpommern streiten. Über die Rohstoffgewinnung für das eigene Land wird jedoch wenig in China selbst berichtet, fast gar nichts. Hauptsache, es wächst im Lande. Wo es her kommt und unter welchen Bedingungen die wirtschaftliche Situation z. Bsp. Simbabwes vielleicht hierzu gnadenlos ausgenutzt wurde, wird fast niemand erfahren. Deswegen passt also der Titel «Außen Vampir â€“ Innen Löwe».</span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>6. «Volkseinheit» </span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>Natürlich ist das Wort ein abstraktes Konstrukt und auch immer gebunden an die herrschende Staatsform (Diktatur), wenngleich sie ganz klar viel stärker präsent ist als in Deutschland, wo kaum ein junger Mensch noch so etwas wie Stolz und Verpflichtung gegenüber seiner Region, seinem Bundesland oder seinem Heimatland hat, weil ihm â€“ unabhängig von Geschichte â€“ einleuchtet, dass er dafür nichts getan hat oder dafür kann, wo er geboren wurde. Das ist definitiv in China anders, eine gewisse Einheit und ein beinahe fühlbarer «Dienst am Volke» lassen sich erkennen, wenngleich sie sicher nicht individuell entstanden sind, sondern oktroyiert wurden. Es besteht für die meisten kein Zweifel, ihre Kräfte und Kenntnisse dem Lande zur Verfügung zu stellen und auch nach einem Auslandsstudium wie selbstverständlich nach China zurückzukehren. Die Werte «Familie», «Gehorsam» gegenüber den Eltern und die Festigkeit der «Ehe» sind jedenfalls völlig anders als bei uns, in einem der Länder mit der höchsten Scheidungsrate der Welt. In China unvorstellbar. Gut oder schlecht? Andererseits scheinen doch viele Frauen unglücklich zu sein, denn in keinem Land der Erde gibt es so viele weibliche Selbstmorde, wovon man in China selbst aber sicher wenig weiß.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>Ein krasser Kontrapunkt zur Volkseinheit ist jedoch die leider ansteckende «Scheißegal-Attitüde» gegenüber den Mitmenschen, die doch auf der Straße und im Verkehr schockiert. In welchem Grade man sich nicht umeinander schert, wenn z. Bsp. direkt vor einem jemand hinfällt oder einen Unfall hat, ist schon erschreckend.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>7. Minoritäten</span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>Tibet interessiert China nur insofern, als dass es nach ihrem Verstehen seit Jahrhunderten eine Provinz ihres Landes ist, nämlich «XizÃ ng» oder «LhasÃ », Punkt aus. Was immer das Ausland darüber moniert und eventuell demonstriert, wird nicht diskutiert oder überhaupt wahrgenommen. Niemand wird es in den wenigen «Nachrichten» sehen, und wenn, wird er mit dem Namen «Tibet» eben fast nichts anfangen können. Die Minoritäten, wovon 55 in China anerkannt sind, «helfen» und dienen indirekt durch ihre oft auf Bühnen und in Shows präsentierte Folklore, Musik, Kleidung und Sprache, die Größe und Großartigkeit sowie Friedlichkeit des Riesenreiches zu unterstreichen. Dabei spielt also Tibet keine Rolle, ob es nun Staatschefs im 4, 6 oder 8 Augen-Gespräch ansprechen oder nicht, ist völlig egal (denke ich).</span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>8. Alte Bürger<span style="yes;">   </span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>Trotzdem es in manchen Teilen des öffentlichen Lebens immer noch eine Art Höflichkeit gegenüber dem Alter gibt, verbunden mit dem Respekt vor älteren Generationen, also das Aufstehen im Bus oder das Platzmachen in einer Schlange, werden die Alten doch auch für viele ganz niedrige Arbeiten «benutzt», für die sie körperlich sicher nicht mehr herhalten sollten (Straßenkehrer, Gärtner an Autobahnen). Allemal wird es in dem Land, wo auf Propagandaplakaten die farbigen Halstücher der Kinder leuchten und die Augen des Selbigen freilich auch, in den nächsten Jahrzehnten gewiss zu weiteren großen Problemen mit der Gesellschaftsstruktur kommen. Dies lässt sich nicht vermeiden, denn jeder versteht ja, dass die Ein-Kind-Politik seit Ende der 1970er nicht dazu beitragen kann, das Land «jünger» zu machen, sondern es wird in Größenordnungen «alt» wie wir uns es kaum vorstellen können. Meine Ahnung geht dahin, dass sich die Politik immer mehr aufweichen wird, man wird die staatlichen hohen «Strafen» und die Gebühren für die zweiten und dritten Kinder senken.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>9. Außen-Innenblick Chinas â€“ Das Ministerium für Wahrheit im »Museum for Science and Technology Shanghai»</span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>Ich lernte im umständlich genannten «Ecological Desaster Scenario Cinema», dass es in London ganz böse viel Smog gibt und nie blauen Himmel, das Ganze auch in Los Angeles, darüber hinaus hat Wales angeblich große Wasserkatastrophen, die Exxon Valdez hat Alaska ganz schön mit Ã–l bekleckert, und Tschernobyl war alles in allem auch nicht gerade gut für die Umwelt. Film-Ende. In einem Land, wo dermaßen zentralistisch und immanent alles von innen heraus gedacht wird, der Phallus der eigenen überlegenen Armee, Kultur und Volkseinheit stets und ständig aus jedem Plakat, Radio oder Fernseher wabert, fällt eben nicht ein Sterbenswörtchen über eigene mögliche Fehler und Schwächen. Ermutigend!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>10: Stille, kleine, unbedeutende Sehnsucht in Richtung Westen</span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>Die mit Neonfarben beworbenen Produkte der Kosmetik, seltener Alkohol, Autos, Kleidung oder Musik prangen mit westlichen Gesichtern in den Läden und an verglasten Hochhäuserfronten, als wenn alleine der Fakt die Qualität einer Jacke steigerte, dass sie einem westlichen Model passt. In den Friseurläden erkennt man schablonenförmig den Wunsch mancher Asiatinnen, Locken wie Andy McDowell oder Wellen wie Gwyneth Paltrow zu haben, selbst wenn niemand ihre Namen aussprechen könnte. Man würde wohl über Nacht Bill Gates zum zweitreichsten Mann machen, wenn man ein Mittel fände, was gleichzeitig, ohne Gesundheitsschäden asiatisches Haar, für Männer und Frauen, lockig und hell machen kann. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>Aber manche Dinge sollte man sich vielleicht nicht wünschen, denn wie sähe die Welt dann aus? Man stelle sich die Wagner-Spiele und den «Ring» in Bayreuth im Jahre 2010 vor: In den Hauptrollen Siegfried, gespielt von Nakawame Tobijuma und Kriemhild von Chen Mang Hong, klingt irgendwie komisch, oder?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="justify;"><span>Nun würde man aber einem Irrtum aufgesessen sein, wenn man China in den Neonfarben und der bunten Werbung einer ähnlichen Imitation der westlichen Welt bezichtigte wie Japan, oder die beiden Länder mit einander vergliche, denn das klappt ganz gewiss überhaupt nicht. Für die Stabilität des Landes, für das Selbstverständnis der Nation bedeutet das ganz geringe Wissen über die restliche Welt und viel zu kleine Neugier und eben auch der fast nicht vorhandene Zugriff an Informationen, dass China sich zwar verändert wie jedes Land, dass es aber durch eben genannte bremsende Faktoren viel, viel langsamer vor sich geht als man denkt.</span></p>
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		<title>Status Bericht China</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Nov 2008 14:08:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>drschmidt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Dr. Carsten Schmidt

Weil mich einige von Euch gefr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Dr. Carsten Schmidt<br />
</em><br />
Weil mich einige von Euch gefragt haben, was zum Teufel ich hier denn nun hier in Deutschland mache und ob ich wieder nach China kann &#8211; darf: Hier die kurze Antwort:</p>
<p>In Rostock mache ich das, was man, außer gute Freunde besuchen, so machen kann, nämlich &#8220;tummeln&#8221; auf dem &#8220;what the f*ck ever X mas hell maximum noisy smelly ugly consumption Gedränge Weihnachtsmarkt&#8221; &#8230;wo sich die zu viel verdienenden Stadt-Speckgürtel-Anwohner und hemmungslos besaufenden Büromuttis die Klinke in die Hand geben, während Hooligan-Papi Enrico Straflonsky aus Boderow oder Basedow oder Koserow Dank heißem schwedischem Eierlikör im Blut seiner kleinen Rieke-Klarina einen türkisblauen Plüsch-Maulwurf aus Taiwan schießt, wozu er Dank des Knotens im Kirmis-Gewehrlauf sonst gar nicht befähigt gewesen wäre.</p>
<p>zu China:</p>
<p>Derzeit sitzen, wie beim Anfang von &#8220;Odysse im Weltraum&#8221; &#8211; seit über einer Woche urzeitlich wie ums Höhlenfeuer (vielleicht) Chinesen in Schlips und Kragen um mein Arbeits-Anliegen herum, und ihr bohrender Hauptkritikpunkt ist, wie man in einer Firma unterrichten will &#8211; kann &#8211; soll, und nicht in einer Schule. Bis sie&#8230;</p>
<p>1) dieses letzte Rätsel der Menschheit heraus bekommen haben,</p>
<p>2) mit meinen 40 Passbildern Memory zu Ende gespielt und</p>
<p>3) erfolgreich nach einigen Flaschen Tsingtao Bier (benannt nach der ehemals deutschen Brauerei dort) &#8211;  gewürfelt haben, ob ich eine Arbeitserlaubnis bekomme,</p>
<p>Bleibe ich hier, denn ohne Letztere ist jeglicher Aufenthalt wieder nur kurzsichtiger Unsinn.</p>
<p>Vielleicht gibt es irgendwo in den Aktenbergen der VRChina die Option, dass man auch bleiben darf, wenn man nicht Millionendevisen durch Auto- Ingenieur Kenntnisse oder Transrapidlizenzen, Schürfrechte in Russland, Landzertifikate in Simbabwe oder Ã–l-Pipelineinformationen im Sudan mitbringt.</p>
<p>Wer weiß?</p>
<p>Und wehe, jemand behauptet, hier hätte sich ein My Zynismus eingeschlichen.</p>
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