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Weniger und doch mehr – Museumsdialektik in Pasewalk

Donnerstag, Dezember 31st, 2009

Der Historiker Stefan Rahde hat über ein Jahr für das Pasewalker Museum gearbeitet. Im Dezember hat er ein Gutachten verfasst, das sich sehr kritisch mit dem Museum auseinandersetzt und auch seine eigene Arbeit
dokumentiert. Das Fazit: Es wurde viel getan, das Museum hat trotzdem große Probleme. Die Stadt muss sich den Problemen in ihrer Museumslandschaft stellen.

Herr Rahde, aus welchem Grund ist dieses Gutachten entstanden?

Zum Einen, um der Stadt zu erklären, in welcher Situation sich das Museum befindet und welche Veranstaltungen organisiert worden sind. Zum Anderen ist es auch eine Art Abrechnung meiner Arbeit, die ich dort im vergangenen Jahr erbracht habe.

Ihr Gutachten verfolgt einen Zweck. Welchen?

Die Besucherzahlen sind massiv eingebrochen, ich versuche die Gründe dafür einmal nachzuvollziehen. Trotz der negativen Zahlen will ich aber auch zeigen, dass sich das Museum positiv entwickelt hat, denn wir haben eine gewisse Kontinuität in die Arbeit bekommen und Vertrauen in der Stadt zurückgewinnen können, weil wir wieder mit wissenschaftlicher Substanz arbeiten.

Aber wie geht denn das zusammen? Weniger Besucher, aber eine bessere Arbeit. Wie kann man das erklären?

Wenn man sich die Besucherstatistik genau anschaut, dann haben wir weniger ein Problem mit Individualbesuchern, sondern vielmehr bei Gruppen und da ganz besonders Schulgruppen. Wir haben sogar einen leichten Zuwachs bei den erwachsenen Einzelbesuchern, die Schülerzahlen sind aber rückläufig. Ich habe projektbegleitetend an Sonderausstellungen und Vorträgen gearbeitet. Der Teil, der immer im Museum lief, Stadt – und Museumsführungen, war nicht meine Aufgabe, aber hier muss massiv nachgebessert werden.

Sie haben über ein Jahr für das Museum gearbeitet. Auch in ihrer Zeit sind die Besucherzahlen gesunken. Das kann doch nicht ausschließlich an den Jugendgruppen liegen.

Doch! Es fehlen die Gruppen, nicht unbedingt nur Schülergruppen, die dafür sorgen, dass auch mal eine Menge Leute in das Museum kommen oder durch die Stadt geführt werden.

Was könnte das Museum ihrer Ansicht nach denn an dieser Stelle besser machen? Sie müssen dabei ja auch im Blick behalten, das Pasewalk bis zum Hals in Schulden steckt und die Museumsarbeit eher weniger, als mehr
kosten darf.

Die Stadt darf nicht länger auf Besucher warten, die irgendwie auf das Museum aufmerksam werden; also über die Internetseite oder andere Außenwerbung. Man muss zum Beispiel aktiv an die Schulen gehen. Stellen
Sie sich einmal ein Konzept gemeinsam mit Geschichts- und Kunstlehrern vor, in dem man nicht nur eine Museumsführung anbietet, sondern auch darauf bezogene Projektarbeit. Das heißt, man wäre einen Tag im Museum, schaut sich zum Beispiel Keramik aus der Geschichte an und in den Schulen versucht man in einem zweiten Schritt die Keramiken nachzutöpfern. Dabei kann Geschichte sehr lebendig vermittelt werden. Im Grunde ist das Pasewalker Museum nämlich kinderunfreundlich, weil es zu wenig zum Anfassen gibt. Wir haben sehr gut aufgearbeitetes Material, aber das steht hinter Glas. Für Schüler ist das Material viel besser in so einem Workshop zu begreifen und das fördert auch das Bewusstsein für den Kulturraum Stadt Pasewalk.

Pasewalk hat nur etwas mehr als 11.000 Einwohner. Im zu Ende gehenden Jahr werden nur etwas mehr als 1600 Besucher im Museum gewesen sein. Also nicht mal alle Pasewalker waren einmal im Museum. Wie wollen Sie das denn ändern?

Nun, es ist ja nicht so, dass in den vergangenen Jahren im Museum nur der Notstand verwaltet wurde. Das Museum macht sehr gute und auch sehr gut besuchte Veranstaltungen. Denken Sie an die Museumsnacht und den internationalen Museumstag, die dem Museum hunderte Besucher bringen. Das Haus wird wahrgenommen. Ein zweiter Aspekt sind die kleineren Veranstaltungen, wie etwa die gerade zu Ende gegangene Reihe mit
Fachvorträgen, die dem Museum eine ganze Reihe Pasewalker Besucher gebracht haben.

Ganz überzeugend ist das mit Blick auf die Besucherzahlen aber nicht.

Man muss schon attestieren, dass sich das Museum ein bisschen versteckt. Die Außenwirkung an seinem Standort ist recht schlecht. Es mangelt an sichtbarer Außenwerbung, denn es wird nicht klar, dass das Nebengebäude des Prenzlauer Tores ein Museum in sich birgt. Der Zugang ist ja fast burgenhaft tiefliegend im Schatten zwischen Tor und Haus verborgen. Und da zeigt erstmal nichts, dass es dort ein Museum gibt, man muss erst die Öffnungszeiten in der Türnische entdecken. Auf dem Museumsparkplatz kann man zumindest das ‚I‘ der Stadtinformation im Glasbau erkennen. Der Hinweis auf das Museum müsste aber ebenso groß präsentiert werden.

Schlechte Beschilderung, sinkende Besucherzahlen und weniger Schüler im Haus. Das sind große Probleme des Museums. Krankt es an noch mehr?

Es fehlt ein Museumsleiter. Bis 2007 war die Stelle besetzt, seit dem ist nur noch eine Sachbearbeiterin im Haus, die die Geschäfte führt und für wirklich alles zuständig ist. Sie war ja auch meine Ansprechpartnerin. Das
ist doch nur Flickschusterei. Wir müssen uns auch mal bewusst machen, dass wir in Pasewalk einen der wenigen Museumsneubauten in M-V nach der Wende haben. Der erste Museumsleiter, Herr Houdelet, hat da großartige Arbeit geleistet. Mit einem Museumsleiter könnte die Arbeit wieder viel kontinuierlicher und fundierter gemacht werden.

Kommen wir einmal weg von den Problemen des Hauses. Hat das Museum noch Potentiale, um aus sich selbst heraus besser zu werden?

Wir haben einen gut fundierten Grundstock mit der Dauerausstellung im Museum, die uns auch von anderen Museen im Land abhebt. Aus den Bezügen der Stadtgeschichte ergeben sich auch neue Ideen, die für das nächste Jahr auch schon angeschoben sind. Nehmen wir das Beispiel Hugo Lemcke: Der gebürtige Pasewalker ist ein wichtiger Mann für die Aufarbeitung der pommerschen Bau- und Kunstgeschichte. Im nächsten Jahr jährt sich sein Geburtstag zum 175. Mal. In Stettin wird er bereits gewürdigt, in Pasewalk muss das auch geschehen. Aus dem Magazinbestand könnte man auch Sonderausstellungen erstellen, dazu müsste man dort aber die Inventarlisten überarbeiten. Weitere Potentiale bietet auch die kleine Vortragsreihe, die wir ganz bewusst im Museum und nicht im Historischen U gemacht haben. Das hat Leute auf das Haus aufmerksam gemacht. Wir müssen ein lebendiges Museum gestalten! Wir sind nicht nur ein Schauraum, man muss auch aktiv etwas gestalten können.

Pasewalk hat nicht nur das Stadtmuseum sondern auch ein Feuerwehrmuseum und den Lokschuppen. Sie kämpfen für das Museum allein. Ist das noch zeitgemäß? Ist nicht eher ein umfassendes Konzept für die Museen in der Stadt nötig?

Ja, das ist richtig. Der Lokschuppen ist aber ein ganz eigenes Problem. Er wurde mit viel Enthusiasmus und Initiative aufgebaut, von der Pomerania mit der Gießkanne gefördert und wird jetzt zum Finanzierungsproblem. Das aber lassen wir einmal außen vor. Wir haben zwei technische Museen und das Stadtmuseum. Der Gedanke eines Museumskonzepts ist natürlich richtig, diesen Weg müsste man auch gehen. Man muss die Museen der Stadt ersteinmal vernetzen. Es wäre doch sehr wünschenswert, wenn sie sich auch gegenseitig bewerben würden und einen gemeinsamen Öffnungstag hätten. Es ist absolut nötig die Museen zu vernetzen, wobei die Fragen der Trägerschaft und Finanzierung in den einzelnen Fällen im Blick bleiben müssen.

Fassen wir also einmal zusammen: Pasewalk ist eine kleine Stadt, hat aber eine richtig gute Museumslandschaft, man muss aber noch dran arbeiten. Wie könnte das denn aussehen?

Richtig. Aber eine konkrete Idee habe ich noch nicht. Alle Beteiligten könnten sich aber zumindest einmal zusammensetzen und Ideen finden.

Sie bilanzieren mit dem Gutachten sowohl die Arbeit des Museums, als auch ihre eigene. Am Ende schreiben Sie, dass sie auch für die Umsetzung ihrer Vorschläge zur Verfügung stehen. Das ist quasi eine Bewerbung. Ist das nicht einfach nur frech, den Verantwortlichen erstmal die Leviten zu lesen und hinten heraus zu schreiben: ‚Ich würde es trotzdem gern machen‘?

Nein, das sehe ich nicht so. Ich lege der Stadt gegenüber Rechenschaft ab und es soll eben auch eine Hilfestellung sein, weil ich darum weiß, dass es im nächsten Jahr eher noch schwieriger wird, aktive Arbeit vor Ort zu leisten. Ich biete meine Unterstützung an und das Gutachten ist auch ein Übergabeprotokoll für einen etwaigen Nachfolger. Es gibt viel zu tun im nächsten Jahr, auch wenn das nicht mehr mit meiner Person verbunden sein sollte.

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Das Interview wurde am 20.12.09 telefonisch geführt und ist hier nicht wortwörtlich wiedergegeben. Es wurde dem Interviewpartner zur Autorisierung vorgelegt, einzelne Formulierungen sind der Schriftsprache angepasst worden, die den Sinn der Worte allerdings nicht verändern.

Wir brauchen ein lebendiges Museum!

Dienstag, Dezember 29th, 2009

Das Museum der Stadt Pasewalk hat große Schwierigkeiten. Die Zahl der Besucher sinkt, die Öffnungszeiten sind eingeschränkt, Personal fehlt und das Magazin ist schlecht organisiert. Trotz vieler Anstrengungen für eine Verbesserung ist noch viel zu tun. Das belegt ein internes Gutachten.

Es muss Tage im Pasewalker Museum geben, an denen nur der Wind durch die Flure und Etagen weht und die einzigen Menschen im Haus die beiden Mitarbeiterinnen sind. Es gibt Monate, in denen sich, statistisch gesehen, nicht ein einziger Besucher am Tag in das Museum verirrt. Ein Gutachten aus dem Sachgebiet Kultur der Stadt, das dieser Zeitung vorliegt, beschreibt dies eindringlich. Betrachtet werden darin die Jahre 2007, 2008 und 2009. Allein für die touristische Hauptsaison, also die Monate Juni, Juli, August und September, ergibt sich ein dramatisches Bild: 2007 besuchten in diesem Zeitraum noch 1051 Menschen das Museum, zwei
Sonderveranstaltungen sind mit eingerechnet. Im Jahr 2008 fanden in der gleichen Zeit nur noch 576 Besucher den Weg in die Ausstellungen und 2009 kamen nur noch 429 Leute. Das ist ein Einbruch von 59 Prozent. Aus dem Gutachten geht auch hervor, dass immer weniger Kinder und Jugendliche mit der Heimatgeschichte vertraut gemacht werden. Waren 2007 noch mehr als 700 junge Menschen im Museum, so werden es in diesem Jahr nur etwas mehr als 400 gewesen sein. Und doch gibt es immer wieder einzelne Monate, die aus der Statistik herausstechen. Wenn Feste, Sonderausstellungen oder Vorträge stattfinden, besuchen deutlich mehr Menschen das Museum. Beleg dafür sind im Jahr 2009 das neue Paul-Holz-Zimmer und die Galerie, die Sonderausstellungen zur Brauereigeschichte und den Stadtgrenzen. Auch die gerade zu Ende gegangene Vortragsreihe, die mit vier kurz aufeinanderfolgenden Veranstaltungen etwa 90 Besucher anlockte zeigt dies, waren das doch mehr Besucher mehr als manchmal in zwei Monaten. Offenbar
bringt ein abwechslungsreiches Programm mehr Besucher in das Museum, kann aber den allgemeinen Besucherschwund über das Jahr dennoch nicht auffangen. Eine Ursache ist möglicherweise auch eine mangelhafte Vermarktung. Hier bemängelt das Gutachten zum Beispiel die schlechte Auffindbarkeit des Hauses für Touristen. Eine klare und eindeutige Wegführung und Kennzeichnung fehlen, wären aber mit einfachen Mitteln, wie deutlich sichtbaren Schildern, zu lösen. Ein weiteres Indiz für die schlechte Vermarktung ist die Zahl der Stadtführungen: Wurden 2007 noch 35mal Menschen zu historischen Orten der Stadt geführt, geschah dies 2009 nur noch 17mal. Besucherunfreundlich sind dem Gutachten zufolge auch die
Öffnungszeiten. Das Pasewalker Museum ist nur noch an 22 Stunden in der Woche geöffnet, 9 Stunden weniger als vor ihrer Änderung, zusätzlich werden diese auch noch durch eine Mittagspause zerstückelt. Das Gutachten schlägt durchgängige Öffnungszeiten und einen Verzicht auf die Mittagspause vor. Die beiden Mitarbeiterinnen im Museum müssten darunter nicht leiden, könnten sie ihre Mittagszeit doch versetzt antreten und das Museum somit geöffnet halten, schlägt das Gutachten vor. Die Mitarbeitersituation des Museums ist zudem problematisch und verschlechtert sich mit dem Jahresende. Eine Sachbearbeiterin ist für die Belange des Hauses zuständig, eine weitere Mitarbeiterin verkauft die Eintrittskarten, betreut die Stadtinformation und kümmert sich darüber hinaus um die touristische Öffentlichkeitsarbeit. Die Stelle des
Museumsleiters ist weiterhin unbesetzt. Die fachliche Lücke wurde mit einer Honorarkraft gefüllt, deren Vertrag allerdings zum 31.12.2009 endet. Das hat wiederum Folgen für die Arbeit des Museums. In Planung für das kommende Jahr sind drei Ausstellungsprojekte, die das Museum weiter beleben sollten. Die Arbeit an diesen Projekten würde mit dem Ende des Vertrags zum Erliegen kommen, denn die Ausstellungen müssen noch
organisiert, wissenschaftliche Einordnungen recherchiert und aufbereitet sowie die Vermarktung geplant werden. Ohne wissenschaftliche Begleitung lassen sich die Projekte allerdings nicht realisieren. Die Fachkompetenz wird auch dazu benötigt, um die Ausstellungsstücke und die Inventarlisten des Museums in Ordnung zu bringen, diese sind nämlich zum Teil unvollständig, nicht zuordenbar oder schlicht nicht vorhanden. Hier müsste dringend aufgeräumt und inventarisiert werden. Trotz oder gerade wegen all der Probleme des Museums werden im Gutachten Vorschläge für eine Belebung und Verbesserung der Situation gemacht, so dass die Tage, an denen nur der Wind durch die Flure des Museums weht, weniger werden
könnten.

Der Artikel, so wie er in der Pasewalker Zeitung erschienen ist, ist hier nachzulesen.

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Der Artikel ist mit Material aus dem zitierten Gutachten, einer Vor-Ort-Recherche und öffentlich zugänglichem Material der Pasewalker Öffentlichkeitsarbeit entstanden.

Yes we can!

Donnerstag, September 25th, 2008

Auf der rechten Seite gibt es Zuwachs mit Beobachtungen vom rechten politischen Rand. Dort habe ich das NPD-Blog des Journalisten Patrick Gensing verlinkt und mit einem RSS-Feed versehen. Gleiches gilt für das Projekt Endstation Rechts aus Mecklenburg-Vorpommern. In beiden Fällen gibt es das Chaos, die Menschenverachtung, das pseudo-politische Gewäsch und die widerlichen Fratzen vom äußerst rechten Rand der Gesellschaft ungefiltert zu sehen und zu lesen. Unbedingt mal reinklicken.

Ypsilantis Telefonproblem

Sonntag, September 21st, 2008

Andrea Ypsilanti ist einem so genannten “Spaß-Telefonat” des niedersächsischen Privatsenders ffn auf den Leim gegangen, sie wollte das Gespräch nicht freigeben, ihr Fraktionsgeschäftsführer Mende hat die Ausstrahlung dann endgültig untersagt. Das Gespräch tauchte aber einen Tag später in einer durchproduzierten Version bei You Tube und anderen Videoportalen auf. Soweit so bekannt.

In einschlägigen Foren wie diesem wird eifrig über das Telefonat und seine Veröffentlichung debattiert. Den dämlichsten Beitrag lieferte allerdings am 19.09. ein Mann, der es eigentlich besser wissen müsste. Christoph Lemmer, Radiojournalist in Berlin, drückte sich ein buntes Potpourri aus Halbwissen und politischer Meinungsmache aus dem Rücken. Reichweitenstark, die Internetseite Radioszene.de wird stark von Radiomachern und -hörern frequentiert.

Nach der Lektüre des Artikels habe ich mich gefragt, wie er wohl reagierte, wenn man ihn telefonisch danach fragte, ob er die süße Senderchefin damals wirlich gebumst habe, um den Job als Nachrichtenchef zu bekommen und die Antwort dann so breit wie möglich veröffentlichte. Oder nach den demokratischen Prinzipien in Redaktionen von Privatsendern oder seinem Parteibuch oder seinen Gehaltsverhandlungen, dem Gesundheitszustand seiner kranken Mutter, seiner Bewerbung bei einem anderen Sender, obwohl er noch festangestellt ist….Das ließe sich beliebig lange fortsetzen…

Langweiler im Kostüm

Mittwoch, September 17th, 2008

Dorotee Bär (30) und Carsten Schneider (32) sind die jüngsten Abgeordneten des Deutschen Bundestags. Und sie sind furchtbar langweilig, zumindest morgens im ARD-Frühstücksfernsehen. Frau Bär sieht aus wie ihre eigene Großmutter, Herr Schneider guckt einfach nur verkniffen. Beide erzählen Werner Sonne, der immer aussieht wie sein eigener Großvater, wie toll die Arbeit der Großen Koalition doch sei, was man alles erreicht habe, dass die Medien schon den Wahlkampf ausriefen, die tägliche Sacharbeit spiele dagegen kaum eine Rolle. Da standen Friede, Freude und Eierkuchen im Gespräch und die Zeit wollte nicht vergehen. Warum gleich wurden sie interviewt? Ich hab’s vor lauter Gähnen vergessen.

Oliver Pocher als Berufsberater

Dienstag, September 16th, 2008

Die Bundesagentur für Arbeit hat heute Vormittag ihre neue Berufsberatung Planet Beruf im Internet gestartet. Mit Oliver Pocher als Moderator vor mehreren hundert Schülern im Tempodrom in Berlin. Ich habe mich dorthin getraut.

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Verkehrshindernis Deutsche Einheit Nr.1 – zementiert

Mittwoch, August 27th, 2008

Die Spannung hat sich gelohnt. Der Bundesverkehrsminister hat den Lacher auf seiner Seite. Hier gibt es die Karte mit den Schienenwegsprojekten der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit (VDE). Augenscheinlich beim VDE Nr. 1 Lübeck/Hagenow – Rostock – Stralsund: Die noch nicht fertiggestellten Abschnitte (rot), die es so oft bei den anderen VDE nicht mehr gibt. Das VDE Nr. 1 ist das am weitesten zurückgebliebene.

Glatte Schönrednerei ist dabei die Darstellung der “fertiggestellten” Abschnitte. Von den geplanten 1,072 Milliarden Eurpo für den Streckenbau wurden bisher 574 Millionen ausgegeben. 498 Millionen bleiben noch für die restlichen Abschnitte. Und da gibt es noch reichlich zu tun, denn in der Karte zum Stand des Streckenausbaus werden auch Abschnitte als fertig ausgegeben, die nicht oder nur annähernd den Planungen entsprechen. Im Sachstandsbericht wird auch deutlich, dass die Fertigstellung der Strecke erst nach 2011 erfolgen soll. Mehr als 20(!) Jahre nach Auflegung des Programms. Bundesverkehrsminister Tiefensee nannte das Jahr 2017 als Zeitpunkt der Fertigstellung.

Nach dem Abschnitt Blankenberg-Warnow, an dem derzeit noch gebaut wird und der Ende 2008 in Betrieb gehen soll, werden die verbleibenden Streckenabsschnitte erst nach 2011 begonnen. Grund dafür sei die geänderte mittelfristige Investitionsplanung, wie es im Sachstandsbericht des Bundesverkehrministeriums heißt. Im Klartext bedeutet das: In den nächsten Jahren werden die marodesten Streckenabschnitte weiter marode bleiben. Die Reisezeiten werden sich nicht weiter verkürzen, bei der derzeitigen Sanierungspolitik der Bahn in Mecklenburg-Vorpommern wohl auch eher wieder schlechter werden. Die Kapazität der Strecke bleibt beschränkt, was zum Beispiel der Hinterlandanbindung der Häfen Stralsund und Sassnitz-Mukran schadet. Auf eine eingleisige Strecke passen eben nicht soviele Züge wie auf eine zweigleisige.

Man darf gespannt sein wie die Landespolitik sich zu diesem Sachstandsbericht verhält. Aber erstmal wird ja der Infrastrukturminister ausgetauscht. Vielleicht bringt der neue Infrastrukturminister im Oktober auch neue Impulse.

Verkehrshindernis Deutsche Einheit Nr. 1

Dienstag, August 26th, 2008

Wolfgang Tiefensee, glückloser Bundesverkehrsminister, will heute den Fortschritt der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit (VDE) vorstellen. Ein 40 38,8 Milliarden Euro-Programm, dass bereits 1991 aufgelegt wurde und bis heute nicht vollständig erledigt ist. Insgesamt 17 Straßen-, Schienen – und Wasserwegeprojekte sollten die Verbindungen zwischen West- und Ostdeutschland verbessern.

Paradebeispiel für die zum Teil mangelhafte Umsetzung ist das VDE Nr. 1 – die Bahnstrecken von Lübeck/Hagenow über Rostock nach Stralsund. Die Projektvorstellung und ihr Scheitern gibt es auch hier. Denn da schreibt die Bahn als ausführendes Unternehmen, man wolle bis 2006 fertig sein. Pustekuchen! An der Strecke wird immer noch, immer mal wieder gebaut. Und dann auch nicht so, wie es ursprünglich mal vorgesehen war. Nix ist mit durchgehenden zwei Gleisen, Elektrifizierung und Geschwindigkeiten bis zu 160km/h.

Die Bahn hat einen Flickenteppich zusammengeschustert. Zwischen Lübeck und Bad Kleinen ist die Teilstrecke des VDE Nr.1 nur eingleisig und dort müssen Dieseltriebwagen fahren, weil der Fahrdraht fehlt. Zwischen Rostock und Ribnitz-Damgarten ist bis auf den Abriss von Ausweichmöglichkeiten und ein paar neuen Weichen bisher nichts passiert. Die Züge ruckeln dort durch mehrere Langsamfahrstellen und nicht schneller als 120 Stundenkilometer. Ab Ribnitz-Damgarten West geht’s dann auf neuen Gleisen weiter mit 160km/h, aber das zweite Gleis fehlt. Immer wieder hieß es, das Zusatzgleis könne man bei Bedarf ja noch einbauen. Platz genug hat man zumindest gelassen.

Auf dem südlichen Abschnitt zwischen Hagenow und Bützow ist schon einiges passiert. Dort war die Strecke auch schon zweigleisig und elektrifiziert. Der Bahnhof Schwerin ist komplett überholt worden, neue Gleise liegen bis nach Hagenow und neuer Fahrdraht hängt auch. Von Ventschow bis Warnow ist die Strecke modernisiert oder wird gerade saniert. Rund um den wichtigen Kreuzugsbahnhof Bad Kleinen allerdings vernichtet die Bahn alle Fahrzeitgewinne, die die Züge auf den ausgebauten Abschnitten herausholen, denn die Anlagen im Bahnhof Bad Kleinen sind alt und verschlissen und die Anfahrt sowohl aus Richtung Schwerin als auch Rostock muss langsam erfolgen. Die Streckengeschwindigkeit ist wegen des Zustands der Gleise dauerhaft abgesenkt.

Geradezu putzig ist die Zielstellung bei der Reisezeit zwischen Lübeck und Stralsund. Die sollte mit dem VDE Nr.1 auf 2 Stunden sinken. Sie liegt derzeit bei 2 Stunden 53 Minuten. Das ist sogar wieder langsamer als noch vor einem Jahr.

Ich bin gespannt, was Herr Tiefensee heute zum VDE Nr. 1 sagen wird.

Schlag gegen Telefonabzocke

Donnerstag, Mai 8th, 2008

Leider ist dieser Schlag nicht von der Medienaufsicht in Deutschland geführt worden. Die “Ofcom” – die britische Medienaufsicht – hat zugepackt und dem Privatsender ITV die Rekordstrafe von 5,68 Millionen Pfund aufgebrummt. ITV wird damit für den Missbrauch von “Premium-Services”, die den deutschen 0137- und 0900-Rufnummern entsprechen, bestraft.

ITV hatte den Ergebnissen einer Ofcom-Untersuchung zufolge seine Zuschauer bei Anrufspielen betrogen. Und dabei die eigenen Geschäfts- und Teilnahmebedingungen grob und wiederholt verletzt. Wie beim Kollegen Niggemeier und call-in-tv.de immer wieder zu lesen ist, drängt sich der Verdacht wiederholter Verstöße gegen einschlägige Vorschriften in deutschen Anrufgewinnspielen geradezu auf. Nachgewiesen ist bisher allerdings gerichtsfest noch nichts. Die Aufsichtsbehörden sind anscheinend nicht willens härtere Regeln zu verabschieden und diese dann auch zu kontrollieren. Aktiv werden Sie auch nur manchmal und dann nicht sehr überzeugend. Die Veranstalter dieser dubiosen Telefongewinnspiele sind hingegen allzu gern bei Gericht.

Ich warte sehnsüchtig auf den Tag, an dem ein deutsches Gericht oder eine Landesmedienanstalt dem Treiben der Firma Callactive mit “MoneyExpress” und neun live im deutschen Fernsehen endlich einen Riegel vorschiebt. Dann verschwinden auch die grässlichen Anmierdamen und -herren, die den Zuschauer auf den telefonischen Abzock-Strich zerren sollen.

Dann bleiben uns die dämlichen Countdowns, Alarmgeräusche, Leitungsmaxima und anderer Nepp der Anneke Dürkopps, Miriam Wimmers und Sandra Ahrabians der Fernsehlandschaft endlich erspart.

Vom Wahlkampf zur Wahlfolter

Dienstag, Mai 6th, 2008

In Simbabwe gab es vor kurzem Wahlen. Und Robert Mugabe, 84 Jahre alt und seit mindestens tausend Jahren Herrscher des Landes, hat diese Wahlen offenbar verloren. Gegen Morgan Tsvangirai, den Herausforderer von der Opposition. Nachdem die Wahlergebnisse auch gegen den erklärten Willen Mugabes veröffentlich wurden, soll es nun eine Stichwahl geben. Und der greise Diktator versucht alles, um an der Macht zu bleiben.

Tiseke Kasambala ist Rechercheurin bei “Human Rights Watch” und war zwei Wochen lang in geheimer Mission in Simbabwe unterwegs. Tiseke Kasambala berichtet nach ihrer Rückkehr von systematischer Verfolgung der Opposition und ihrer Wähler.

Mein Kollege Jan Lerch hat sie für “100,6 Motor FM” interviewt. Die Antworten aus dem Interview sind leicht gekürzt und in englischer Sprache.

Frau Kasambala, was haben sie in Simbabwe gesehen?

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Wie sah denn das Wahlergebnis der Präsidentenwahl in der Region aus, die Sie besucht haben? Und welche Folgen hatten die Ergebnisse?

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Wie wirkt das Vorgehen der regierungstreuen Einheiten?

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Konnten sie denn Belege für eine regelrechte Kampagne der Regierung und ihrer Anhänger finden?

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Die “International Herald Tribune” hat hier über die Arbeit von Tiseke Kasambala berichet.