Posts Tagged ‘Rostock’

D-oh! – für Sprachpuristen

Dienstag, Juni 22nd, 2010

Die norddeutsche Ostseezeitung verbreitet die Meldung der Deutschen Presseagentur, dass süddeutsche Schüler im Schulvergleich besser abschnitten als norddeutsche mit dieser Meldung:

Getroffen

Dienstag, Februar 9th, 2010

Geschäftsführer

Senator

Gewerkschafter

Abgeordneter

Historiker

Landschaftsökologin

Journalistin

Journalist

Postbotin

Geschäftsfrau

Stadtführerin

Studentin

Musiker

Literaturwissenschaftlerin

Sportlehrer

Gutachterin

Vermieterin

Imbissverkäuferin

Gaststättenbesitzer

Schnafferin

Lokführer

2 Jahre Knast pro Wort

Freitag, April 25th, 2008

Ich glaube, es gibt einen Weg, wie man selbst den dämlichsten Nazi zum Weinen bringen kann. Mit einer handfesten Beleidigung nämlich. Ich schlage folgende Wortkaskade am Rande von Demonstrationen oder sonstigen braunen Veranstaltungen vor – Fluchtweg und oder behelmten staatlichen Schutz vorausgesetzt.

- Deine Oma war doch SS-Batallions-Schlampe! -

Esklationsstufe 2

- Deine Oma war doch SS-Batallions-Schlampe auf der Ordensburg! -

Eskalationsstufe 3

- Deine Oma war doch eine richtig durchtriebene SS-Batallions-Schlampe auf der Ordensburg – wenn die Kompanie mit ihr fertig war! -

Dauerwerbesendung im Gebühren-TV

Donnerstag, April 24th, 2008

Lange habe ich mit M. darüber gezankt, ob ich die Einweihungssendung zum neuen Clubschiff der AIDA-Cruises sehen darf. Wir einigten uns darauf die Sendung des NDR-Fernsehens nur zum Teil zu sehen. Das große Finale sozusagen. Patriotische Gefühle hatten mich übermannt, schließlich sollte die Schiffstaufe am Warnemünder Kreuzfahrtterminal live im Fernsehen übertragen werden und das Kreuzfahrtgeschäft boomt, Rostock und Mecklenburg-Vorpommern profitieren davon, Arbeitsplätze, Zukunft und der ganze Kladderadatsch.

Mit einem einzigen Zwischenruf verpuffte meine heimatliche Eurphorie. “Das ist doch eine Dauerwerbesendung!”, empörte sich M. “Und das im gebührenfinanzierten Fernsehen!”, entfuhr es mir nur Bruchteile später. Mir schien es, als sprächen die Moderatorinnen und Beiträge nur noch ein Wort. AIDA; AIDA; AIDA; AIDA! Ich habe noch keinen Mitschnitt bestellt, um die Namensnennung einmal nachzuzählen. Der NDR hat’s auf jeden Fall übertrieben.

Und das nicht nur während der Sendung. Der geschätzte Kollege C. war bereits am Dienstag vor Ort. Er berichtet:

“Das NDR-Fernsehen hat große Technik, darunter eine mobile Senderegie auf einem 40-Tonner und zwei Kamera-Hublift-Kräne aufgefahren[...]”

Hinzu kamen unzählige Reporter, Moderatoren, Techniker. Für die Taufe der AIDA bella. Das Schiff eines privaten Kreuzfahrtunternehmens. Beiträge liefen im landesweiten Programm NDR1 Radio M-V, Fernsehbeiträge liefen im Nordmagazin, dem Landesprogramm mit der größten Reichweite aller NDR-Landesmagzine. Da ist dem Marketing der AIDA Cruises ein großer Coup gelungen. Präsenz der eigenen Marke auf beinah allen Kanälen und keinen Cent dazubezahlt.

Ich frage mich gerade, wer die zusätzlichen S-Bahn-Fahrten zwischen Hauptbahnhof und Warnemünde wegen des Ereignis bezahlt hat. AIDA oder das Land, das den S-Bahn-Verkehr bestellt? Wer kommt für die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Spektakel auf? Polizei, Feuerwehr und so? Wer bezahlt die Reinigung der Flächen auf denen das Feuerwerk stattfand? Das riecht gefährlich nach einem weitverbreiteten Prinzip – Kosten sozialisieren, Gewinne privatisieren.

Begegnung 2. Klasse

Montag, Februar 25th, 2008

Der dicke Marco hatte als Kind bestimmt keine Freunde. Wie er so aus aus dem Sitz quillt. Unreine, bleichkäsige Haut. Unter dem schmuddeligen T-shirt hängt seine schwabbelnd-weiche Brust so vor sich hin. Aus den Öffnungen seines T-Shirts schieben sich dicke, schwarzbehaarte Arm-Würste an deren Ende verwunderlich dünne Spinnenfinger ein Buch umklammert halten. Marco schwitzt beim Lesen und ist arrogant zur Schaffnerin. Seiner Mutti erzählt er laut ins Telefon, dass er pünktlich ankommen werde. Mit Wonne kratzt er sich an seiner breiten Hüfte ganz ungeniert. Weiches, weißes Fleisch weicht den spinnenfingern aus. Die langen Nägel schleifen über die Haut. Das fettige Haar wellt sich in Strähnen über den feisten Kopf. Der dicke Marco liest weiter…

Teenage Tits

Sonntag, Januar 20th, 2008

“Sag mal, ist es eigentlich normal, wenn sich ein Enddreißiger im Internet an Teenagerbrüsten aufgeilt?”, fragt Simone durch den Zigarettenrauch. “Also kein Kinderfickerscheiß…davon geh ich mal aus.”, will ich wissen. “Nee, keine Kinderfickerseiten. Hier, dieser ganze US-Kram mit Mädels, die gerade erst 18 sind und sich dann vor der Kamera bumsen lassen und davon nicht zu knapp, weißt.” Schon seit Stunden geht es in der Küche nur um Sex. Wie oft sich wer “einen kloppt” und warum und wann bevorzugt. Der Abend hatte bei Weißwein und trockenen Ciabattabrötchen mit Tomaten und billigem Mozarella-Ersatz begonnen, ohne dass Befriedigung, Onanieren und Brustfetischmus am Gesprächshorizont auch nur aufgeschimmert hätten. “Hmm, dann find ich das gar nicht komisch oder ungewöhnlich. Ich kenne kaum einen meiner Kumpels, der sich die nackten Hühner nich anguckt. Ich hab doch selbst nen Ordner bei den Favoriten, der ‘Fräulein Faust’ heißt.” Zigarettenrauch und Wein landen gleichzeitig wieder in Simones Glas. “Fräulein Faust’ – das is ja geil! Den muss ich mir merken.” Warum auch nicht, ich hab damals auch gelacht, als ich den Ordner anlegte in dem sich mittlerweile 30 Adressen irgendwelcher Pornoseiten mit klingenden Namen wie Tittypalace, Longvideos oder Pandamovies befinden. “Nee, aber ganz ehrlich, ich hab ne halbe Midlife-Crisis bekommen, als ich die Seiten auf seinem Rechner entdeckt hab.”, sagt sie mit einem ehrlich empörten und sorgenvollen Blick. “Was soll denn das, weißt du. Ich werde nächstes Jahr vierzig und komme mir nur noch älter vor, wenn er sich dabei einen runterholt, wenn eine kleine Maus von nichmal zwanzig gefickt wird. Findet er mich nich mehr attraktiv? Bin ich ihm zu alt?”, jetzt zieht sie den Rauch richtig tief ein. Noch im Ausatmen fragt sie weiter: “Wir kennen uns jetzt 15 Jahre und wir waren auch jung und knackig als wir uns kennenlernten. Ich fühl mich so beschissen damit, wie es jetzt ist. Das kanns doch nicht sein, oder?” Simone nestelt schon an der nächsten Zigarette. “Na hat sich denn in letzter Zeit was bei euch im Bett verändert? Ich meine, ist irgendwas anders geworden? Ich guck mir die Seiten auch an, aber das hat meinem Liebesleben keinen Abbruch getan. Ich versuche trotzdem nicht mit super jungen Mädels was anzufangen. Ich steh auch eher auf Frauen aus meinem Alter oder drüber. Weißt du wie alt ich aussähe, wenn ich plötzlich mit so nem Küken ankäme?” Ich grüble nur kurz darüber nach, ob ich es nicht doch mal probieren sollte. “Also beim Sex hat sich nix geändert. Wir sind ein eingespieltes Team. Nich das wir immer das selbe machen würden. Ich weiß was mir gefällt und was er mag und andersrum. Wir können hundertmal in der Missionarsstellung liegen, wenns nur nich immer am gleichen Ort ist. Aber Scheiße nochmal, warum guckt der sich die jungen Dinger an?” Wein läuft in die Gläser nach. Ich öffne kurz das Fenster damit wir im blauen Salon wieder ein bisschen leichter atmen können. “Für mich hat das mit realem Sex wenig zu tun. Du gehst ganz einfach auf diese Seite, klickst das Bild an, das dir am Besten gefällt und los geht’s. Das ist doch nur Triebabfuhr. Das ist doch nur gefilmter Sex, der bei mir als Mann den Ständer hochschießen lässt und das wars.” Ungläubig trinkt sie noch einen Schluck und atmet vernehmbar laut ins Glas aus. “Aber wird das nicht langweilig mit der Zeit. Ich mein, du suchst dir doch immer wieder die aus, die in dein Beuteschema passen oder nicht?” “Sicher. Warum auch nicht. Aber genauso ist für mich doch klar, dass da nur ein Filmchen zur schnellen Handentspannung läuft. Guten Sex hab ich deswegen doch nicht.” Das scheint sie zumindest ein bisschen beruhigt zu haben. “Hast du ihn denn überhaupt schon drauf angesprochen?” “Na klar, gleich nachdem ich das Zeug entdeckt hatte. Man, ist der rot geworden. Is ja nich so, dass ich keine Pornos gucken würde. Aber diese Teenscheiße auf dem Recher. Ich hab mich plötzlich wie frühverrentet gefühlt. Nun, aber wenn du meinst, das is ganz normal und so…Ich weiß nich.” Ich umspüle den nächsten Gedanken mit einem Schluck Wein und hülle ihn in Rauch. “Red’ nochmal mit ihm drüber, genauso wie du jetzt mit mir drüber geredet hast. Vielleicht denkst du nochmal an die Schnellspritzer-Geschichte vor fünfzehn Jahren dabei. Da hast du auch an meinem Küchentisch gesessen und hundertausend Fragen gestellt.” Jetzt grinst sie wenigstens wieder. “Ja, da war ich fünfzehn Jahre jünger.”, und blinzelt kurz. “Na und? Wo ist das Problem?”, muss ich fast kieksend nachsetzen. “Hm. Weiß nicht.” Wir stoßen an, schließlich ist noch was im Glas und Zigaretten sind auch noch da.

Neue Serie: Nordostsprech – Sprechen mit Mecklenburgern und Vorpommern

Freitag, Januar 11th, 2008

An dieser Stelle werden ab sofort in loser Reihenfolge regionaltypische Redewendungen veröffentlicht, die all den Zugereisten und sonstwie suspekten Menschen von jenseits südlich der Mecklenburger Seenplatte und westlich des Schaalsees, den Aufenthalt im Nordosten der Republik erleichtern sollen. Die nachfolgenden Wortgruppen können sowohl als Einstieg in ein Gespräch mit Einheimischen, Abschluss eines solchen oder Lebensretter auf den einschlägigen Volks-, Sport- und Schützenfesten der Region verwendet werden. Viel Spaß beim Ausprobieren.

“Ick sach ma, Hauptsache jesund, ne.”

Vielen Dank an die fleißigen Sammler der Gruppe “Hauptsachejesund! Floskeln zur Konversation mit Einheimischen.”

Back in Action!

Freitag, Januar 11th, 2008

Tastaturen klappern, Stimmengewirr, flackernde Bildschirme, Gewusel – ich bin wieder zu Hause. Die Redaktion lebt und ich auch wieder, nach vierwöchiger Zwangspause darf ich endlich wieder on Air mit “dem Wichtigsten aus unserem Land, Deutschland und der Welt.”, dazu noch Sport und Regionales. Ich wühl mich gerade wieder rein. Herrlich.

Bibeltest zum Christenfest

Samstag, November 24th, 2007

Jetzt weiß ich wie sich weiland Jonas fühlte als der Wal ihn schluckte und schließlich wieder ausrotzte! Am Neuen Markt saugte mich dieses Ungeheuer, das sie hier Weihnachtsmarkt nennen, in seine verschlungenen Eingweide mit den ekelerregenden Säften, Fleischen, Pflanzenresten und Düften. Ich schaute das Grauen! Auf der Suche nach christlicher Nähe war ich jedenfalls falsch. Die gierigen Blicke der Menschen über die Ränder ihrer Plastikschüsseln und -becher aus denen sie den Budenfraß und den zum Weihnachtspunsch hochgejazzten Tetrapak-Glühwein aus dem Kupferkessel saufen, sind nicht besinnlich – eher von Sinnen. Eifersucht liegt wie ein Nebelhauch über den Gässchen zwischen den Buden in denen Pärchen demonstrativ händchenhaltend ihr “gemeinsames” Glück zur Schau tragen. Gierige Männer mit feisten Bäuchen und fettigen Haaren drängen sich mit ihren Bratwurst- und Bierfriedhöfen ohne Rücksicht an Kindern vorbei an den nächsten glühenden Rost. Mit glasigen Augen stehen ihre ondulierten Begleiterinnen immer im Weg und schauen stumpf. Am Neuen Markt spuckte mich das Ungeheuer wieder aus. Ich fühlte mich schmutzig. Wäre ich am Ende der Kröpeliner Straße ausgeschieden worden – ich hätte mich erst Recht nach Weihnachtsmarktscheiße stinkend wiedergefunden. Dort franst der Markt nämlich zu einem gewaltigen Budenarschloch aus. Der Weg durch den Karussellpansen hinter meinem Haus blieb mir erspart.

In meiner Küche ist Gewitter!

Freitag, November 23rd, 2007

Das Unheil der kommenden knapp 4 Wochen ist knapp 3,2 Kilometer lang und hat 266 Glieder. Der Rostocker Weihnachtsmarkt schlängelt sich vom Neuen Markt über die Kröpeliner Straße bis hinunter an den Stadthafen. Die Schausteller stehen links hinter meinem Haus, wenn ich aus dem Küchenfenster schaue. Es blitzt ganz fürchterlich von den vielen tausend Lichteffekten an den Fahrgeschäften und ich glaube einen Hauch von Donner zu spüren, wenn die mächtige Schiffsschaukel auf und nieder schwingt. Das vorweihnachtliche Wetterleuchten an meinen Küchenwänden ist mir aber allemal lieber als der punsch-beseelte Stimmenorkan, der die Lange Straße entlang weht und mir das Öffnen von Schlaf- und Wohnzimmerfenster erschwert. Und obwohl meinen Gaumen und meine Nase schon von vielerlei Genüsse kitzelten, an den fettig-süßen Duftmix von Bratwurst und gebrannten Mandeln, der mich hier an meinem Schlafzimmerfenster umweht, werde ich mich nie gewöhnen. Von Glög, Bratwurst und kandierten Früchten ist jetzt aber erstmal Gewitter in meinem Bauch.