Posts Tagged ‘Vorpommern’

D-oh! – für Sprachpuristen

Dienstag, Juni 22nd, 2010

Die norddeutsche Ostseezeitung verbreitet die Meldung der Deutschen Presseagentur, dass süddeutsche Schüler im Schulvergleich besser abschnitten als norddeutsche mit dieser Meldung:

Weniger und doch mehr – Museumsdialektik in Pasewalk

Donnerstag, Dezember 31st, 2009

Der Historiker Stefan Rahde hat über ein Jahr für das Pasewalker Museum gearbeitet. Im Dezember hat er ein Gutachten verfasst, das sich sehr kritisch mit dem Museum auseinandersetzt und auch seine eigene Arbeit
dokumentiert. Das Fazit: Es wurde viel getan, das Museum hat trotzdem große Probleme. Die Stadt muss sich den Problemen in ihrer Museumslandschaft stellen.

Herr Rahde, aus welchem Grund ist dieses Gutachten entstanden?

Zum Einen, um der Stadt zu erklären, in welcher Situation sich das Museum befindet und welche Veranstaltungen organisiert worden sind. Zum Anderen ist es auch eine Art Abrechnung meiner Arbeit, die ich dort im vergangenen Jahr erbracht habe.

Ihr Gutachten verfolgt einen Zweck. Welchen?

Die Besucherzahlen sind massiv eingebrochen, ich versuche die Gründe dafür einmal nachzuvollziehen. Trotz der negativen Zahlen will ich aber auch zeigen, dass sich das Museum positiv entwickelt hat, denn wir haben eine gewisse Kontinuität in die Arbeit bekommen und Vertrauen in der Stadt zurückgewinnen können, weil wir wieder mit wissenschaftlicher Substanz arbeiten.

Aber wie geht denn das zusammen? Weniger Besucher, aber eine bessere Arbeit. Wie kann man das erklären?

Wenn man sich die Besucherstatistik genau anschaut, dann haben wir weniger ein Problem mit Individualbesuchern, sondern vielmehr bei Gruppen und da ganz besonders Schulgruppen. Wir haben sogar einen leichten Zuwachs bei den erwachsenen Einzelbesuchern, die Schülerzahlen sind aber rückläufig. Ich habe projektbegleitetend an Sonderausstellungen und Vorträgen gearbeitet. Der Teil, der immer im Museum lief, Stadt – und Museumsführungen, war nicht meine Aufgabe, aber hier muss massiv nachgebessert werden.

Sie haben über ein Jahr für das Museum gearbeitet. Auch in ihrer Zeit sind die Besucherzahlen gesunken. Das kann doch nicht ausschließlich an den Jugendgruppen liegen.

Doch! Es fehlen die Gruppen, nicht unbedingt nur Schülergruppen, die dafür sorgen, dass auch mal eine Menge Leute in das Museum kommen oder durch die Stadt geführt werden.

Was könnte das Museum ihrer Ansicht nach denn an dieser Stelle besser machen? Sie müssen dabei ja auch im Blick behalten, das Pasewalk bis zum Hals in Schulden steckt und die Museumsarbeit eher weniger, als mehr
kosten darf.

Die Stadt darf nicht länger auf Besucher warten, die irgendwie auf das Museum aufmerksam werden; also über die Internetseite oder andere Außenwerbung. Man muss zum Beispiel aktiv an die Schulen gehen. Stellen
Sie sich einmal ein Konzept gemeinsam mit Geschichts- und Kunstlehrern vor, in dem man nicht nur eine Museumsführung anbietet, sondern auch darauf bezogene Projektarbeit. Das heißt, man wäre einen Tag im Museum, schaut sich zum Beispiel Keramik aus der Geschichte an und in den Schulen versucht man in einem zweiten Schritt die Keramiken nachzutöpfern. Dabei kann Geschichte sehr lebendig vermittelt werden. Im Grunde ist das Pasewalker Museum nämlich kinderunfreundlich, weil es zu wenig zum Anfassen gibt. Wir haben sehr gut aufgearbeitetes Material, aber das steht hinter Glas. Für Schüler ist das Material viel besser in so einem Workshop zu begreifen und das fördert auch das Bewusstsein für den Kulturraum Stadt Pasewalk.

Pasewalk hat nur etwas mehr als 11.000 Einwohner. Im zu Ende gehenden Jahr werden nur etwas mehr als 1600 Besucher im Museum gewesen sein. Also nicht mal alle Pasewalker waren einmal im Museum. Wie wollen Sie das denn ändern?

Nun, es ist ja nicht so, dass in den vergangenen Jahren im Museum nur der Notstand verwaltet wurde. Das Museum macht sehr gute und auch sehr gut besuchte Veranstaltungen. Denken Sie an die Museumsnacht und den internationalen Museumstag, die dem Museum hunderte Besucher bringen. Das Haus wird wahrgenommen. Ein zweiter Aspekt sind die kleineren Veranstaltungen, wie etwa die gerade zu Ende gegangene Reihe mit
Fachvorträgen, die dem Museum eine ganze Reihe Pasewalker Besucher gebracht haben.

Ganz überzeugend ist das mit Blick auf die Besucherzahlen aber nicht.

Man muss schon attestieren, dass sich das Museum ein bisschen versteckt. Die Außenwirkung an seinem Standort ist recht schlecht. Es mangelt an sichtbarer Außenwerbung, denn es wird nicht klar, dass das Nebengebäude des Prenzlauer Tores ein Museum in sich birgt. Der Zugang ist ja fast burgenhaft tiefliegend im Schatten zwischen Tor und Haus verborgen. Und da zeigt erstmal nichts, dass es dort ein Museum gibt, man muss erst die Öffnungszeiten in der Türnische entdecken. Auf dem Museumsparkplatz kann man zumindest das ‚I‘ der Stadtinformation im Glasbau erkennen. Der Hinweis auf das Museum müsste aber ebenso groß präsentiert werden.

Schlechte Beschilderung, sinkende Besucherzahlen und weniger Schüler im Haus. Das sind große Probleme des Museums. Krankt es an noch mehr?

Es fehlt ein Museumsleiter. Bis 2007 war die Stelle besetzt, seit dem ist nur noch eine Sachbearbeiterin im Haus, die die Geschäfte führt und für wirklich alles zuständig ist. Sie war ja auch meine Ansprechpartnerin. Das
ist doch nur Flickschusterei. Wir müssen uns auch mal bewusst machen, dass wir in Pasewalk einen der wenigen Museumsneubauten in M-V nach der Wende haben. Der erste Museumsleiter, Herr Houdelet, hat da großartige Arbeit geleistet. Mit einem Museumsleiter könnte die Arbeit wieder viel kontinuierlicher und fundierter gemacht werden.

Kommen wir einmal weg von den Problemen des Hauses. Hat das Museum noch Potentiale, um aus sich selbst heraus besser zu werden?

Wir haben einen gut fundierten Grundstock mit der Dauerausstellung im Museum, die uns auch von anderen Museen im Land abhebt. Aus den Bezügen der Stadtgeschichte ergeben sich auch neue Ideen, die für das nächste Jahr auch schon angeschoben sind. Nehmen wir das Beispiel Hugo Lemcke: Der gebürtige Pasewalker ist ein wichtiger Mann für die Aufarbeitung der pommerschen Bau- und Kunstgeschichte. Im nächsten Jahr jährt sich sein Geburtstag zum 175. Mal. In Stettin wird er bereits gewürdigt, in Pasewalk muss das auch geschehen. Aus dem Magazinbestand könnte man auch Sonderausstellungen erstellen, dazu müsste man dort aber die Inventarlisten überarbeiten. Weitere Potentiale bietet auch die kleine Vortragsreihe, die wir ganz bewusst im Museum und nicht im Historischen U gemacht haben. Das hat Leute auf das Haus aufmerksam gemacht. Wir müssen ein lebendiges Museum gestalten! Wir sind nicht nur ein Schauraum, man muss auch aktiv etwas gestalten können.

Pasewalk hat nicht nur das Stadtmuseum sondern auch ein Feuerwehrmuseum und den Lokschuppen. Sie kämpfen für das Museum allein. Ist das noch zeitgemäß? Ist nicht eher ein umfassendes Konzept für die Museen in der Stadt nötig?

Ja, das ist richtig. Der Lokschuppen ist aber ein ganz eigenes Problem. Er wurde mit viel Enthusiasmus und Initiative aufgebaut, von der Pomerania mit der Gießkanne gefördert und wird jetzt zum Finanzierungsproblem. Das aber lassen wir einmal außen vor. Wir haben zwei technische Museen und das Stadtmuseum. Der Gedanke eines Museumskonzepts ist natürlich richtig, diesen Weg müsste man auch gehen. Man muss die Museen der Stadt ersteinmal vernetzen. Es wäre doch sehr wünschenswert, wenn sie sich auch gegenseitig bewerben würden und einen gemeinsamen Öffnungstag hätten. Es ist absolut nötig die Museen zu vernetzen, wobei die Fragen der Trägerschaft und Finanzierung in den einzelnen Fällen im Blick bleiben müssen.

Fassen wir also einmal zusammen: Pasewalk ist eine kleine Stadt, hat aber eine richtig gute Museumslandschaft, man muss aber noch dran arbeiten. Wie könnte das denn aussehen?

Richtig. Aber eine konkrete Idee habe ich noch nicht. Alle Beteiligten könnten sich aber zumindest einmal zusammensetzen und Ideen finden.

Sie bilanzieren mit dem Gutachten sowohl die Arbeit des Museums, als auch ihre eigene. Am Ende schreiben Sie, dass sie auch für die Umsetzung ihrer Vorschläge zur Verfügung stehen. Das ist quasi eine Bewerbung. Ist das nicht einfach nur frech, den Verantwortlichen erstmal die Leviten zu lesen und hinten heraus zu schreiben: ‚Ich würde es trotzdem gern machen‘?

Nein, das sehe ich nicht so. Ich lege der Stadt gegenüber Rechenschaft ab und es soll eben auch eine Hilfestellung sein, weil ich darum weiß, dass es im nächsten Jahr eher noch schwieriger wird, aktive Arbeit vor Ort zu leisten. Ich biete meine Unterstützung an und das Gutachten ist auch ein Übergabeprotokoll für einen etwaigen Nachfolger. Es gibt viel zu tun im nächsten Jahr, auch wenn das nicht mehr mit meiner Person verbunden sein sollte.

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Das Interview wurde am 20.12.09 telefonisch geführt und ist hier nicht wortwörtlich wiedergegeben. Es wurde dem Interviewpartner zur Autorisierung vorgelegt, einzelne Formulierungen sind der Schriftsprache angepasst worden, die den Sinn der Worte allerdings nicht verändern.

Heimatpessimismus

Mittwoch, Dezember 30th, 2009

In groben Pinselstrichen sind Wolken an den grau blauen Himmel gemalt. Am Horizont hinter der Stadt tastet sich ein zartes orange-rot über den Wald und die Wiesen. Pasewalk liegt im Schlaf, tief und fest. Wenn die Stadt erwacht, wird sie auch nicht vielmehr als träge sein. Die Zeit hat neue Wunden in die Stadt geschlagen, wieder fehlen Häuser, sind neue Leeren zwischen alten Quartieren gewachsen. Kurz hinter dem Markt schorft die nächste Zeile ihrem Ende entgegen. Barock die Eingangstüren, mittelalterlich das Grünstück, modern der Verfall mitten in der Stadt. Fährt man mit der Bahn in die Stadt, aus Berlin kommend, sieht man zuerst die große gelbe Klinik auf einem bewaldeten Hügel stehen und kurz darauf die große St. Marien. Kirche und Krankenhaus, beide zu groß geraten für die kleine Stadt. Siebenhundert Jahre trennen die beiden, vereint sind sie in ihren Gründern. Hoffnungsfroh und stolz waren ihre Architekten, im vollen Glauben an die Zukunft der Stadt. Die Zeit hat alle überholt. Schön sind die beiden trotzdem, als wollten sie der Zeit doch trotzen, herausgeputzt und strahlend. Glitzernd und gelb die Klinik, feld- und backsteinschön Marie. Krankheit und Kirche seien die letzten Überlebenden hier, sagen Menschen zu ihren Füßen.

Wir brauchen ein lebendiges Museum!

Dienstag, Dezember 29th, 2009

Das Museum der Stadt Pasewalk hat große Schwierigkeiten. Die Zahl der Besucher sinkt, die Öffnungszeiten sind eingeschränkt, Personal fehlt und das Magazin ist schlecht organisiert. Trotz vieler Anstrengungen für eine Verbesserung ist noch viel zu tun. Das belegt ein internes Gutachten.

Es muss Tage im Pasewalker Museum geben, an denen nur der Wind durch die Flure und Etagen weht und die einzigen Menschen im Haus die beiden Mitarbeiterinnen sind. Es gibt Monate, in denen sich, statistisch gesehen, nicht ein einziger Besucher am Tag in das Museum verirrt. Ein Gutachten aus dem Sachgebiet Kultur der Stadt, das dieser Zeitung vorliegt, beschreibt dies eindringlich. Betrachtet werden darin die Jahre 2007, 2008 und 2009. Allein für die touristische Hauptsaison, also die Monate Juni, Juli, August und September, ergibt sich ein dramatisches Bild: 2007 besuchten in diesem Zeitraum noch 1051 Menschen das Museum, zwei
Sonderveranstaltungen sind mit eingerechnet. Im Jahr 2008 fanden in der gleichen Zeit nur noch 576 Besucher den Weg in die Ausstellungen und 2009 kamen nur noch 429 Leute. Das ist ein Einbruch von 59 Prozent. Aus dem Gutachten geht auch hervor, dass immer weniger Kinder und Jugendliche mit der Heimatgeschichte vertraut gemacht werden. Waren 2007 noch mehr als 700 junge Menschen im Museum, so werden es in diesem Jahr nur etwas mehr als 400 gewesen sein. Und doch gibt es immer wieder einzelne Monate, die aus der Statistik herausstechen. Wenn Feste, Sonderausstellungen oder Vorträge stattfinden, besuchen deutlich mehr Menschen das Museum. Beleg dafür sind im Jahr 2009 das neue Paul-Holz-Zimmer und die Galerie, die Sonderausstellungen zur Brauereigeschichte und den Stadtgrenzen. Auch die gerade zu Ende gegangene Vortragsreihe, die mit vier kurz aufeinanderfolgenden Veranstaltungen etwa 90 Besucher anlockte zeigt dies, waren das doch mehr Besucher mehr als manchmal in zwei Monaten. Offenbar
bringt ein abwechslungsreiches Programm mehr Besucher in das Museum, kann aber den allgemeinen Besucherschwund über das Jahr dennoch nicht auffangen. Eine Ursache ist möglicherweise auch eine mangelhafte Vermarktung. Hier bemängelt das Gutachten zum Beispiel die schlechte Auffindbarkeit des Hauses für Touristen. Eine klare und eindeutige Wegführung und Kennzeichnung fehlen, wären aber mit einfachen Mitteln, wie deutlich sichtbaren Schildern, zu lösen. Ein weiteres Indiz für die schlechte Vermarktung ist die Zahl der Stadtführungen: Wurden 2007 noch 35mal Menschen zu historischen Orten der Stadt geführt, geschah dies 2009 nur noch 17mal. Besucherunfreundlich sind dem Gutachten zufolge auch die
Öffnungszeiten. Das Pasewalker Museum ist nur noch an 22 Stunden in der Woche geöffnet, 9 Stunden weniger als vor ihrer Änderung, zusätzlich werden diese auch noch durch eine Mittagspause zerstückelt. Das Gutachten schlägt durchgängige Öffnungszeiten und einen Verzicht auf die Mittagspause vor. Die beiden Mitarbeiterinnen im Museum müssten darunter nicht leiden, könnten sie ihre Mittagszeit doch versetzt antreten und das Museum somit geöffnet halten, schlägt das Gutachten vor. Die Mitarbeitersituation des Museums ist zudem problematisch und verschlechtert sich mit dem Jahresende. Eine Sachbearbeiterin ist für die Belange des Hauses zuständig, eine weitere Mitarbeiterin verkauft die Eintrittskarten, betreut die Stadtinformation und kümmert sich darüber hinaus um die touristische Öffentlichkeitsarbeit. Die Stelle des
Museumsleiters ist weiterhin unbesetzt. Die fachliche Lücke wurde mit einer Honorarkraft gefüllt, deren Vertrag allerdings zum 31.12.2009 endet. Das hat wiederum Folgen für die Arbeit des Museums. In Planung für das kommende Jahr sind drei Ausstellungsprojekte, die das Museum weiter beleben sollten. Die Arbeit an diesen Projekten würde mit dem Ende des Vertrags zum Erliegen kommen, denn die Ausstellungen müssen noch
organisiert, wissenschaftliche Einordnungen recherchiert und aufbereitet sowie die Vermarktung geplant werden. Ohne wissenschaftliche Begleitung lassen sich die Projekte allerdings nicht realisieren. Die Fachkompetenz wird auch dazu benötigt, um die Ausstellungsstücke und die Inventarlisten des Museums in Ordnung zu bringen, diese sind nämlich zum Teil unvollständig, nicht zuordenbar oder schlicht nicht vorhanden. Hier müsste dringend aufgeräumt und inventarisiert werden. Trotz oder gerade wegen all der Probleme des Museums werden im Gutachten Vorschläge für eine Belebung und Verbesserung der Situation gemacht, so dass die Tage, an denen nur der Wind durch die Flure des Museums weht, weniger werden
könnten.

Der Artikel, so wie er in der Pasewalker Zeitung erschienen ist, ist hier nachzulesen.

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Der Artikel ist mit Material aus dem zitierten Gutachten, einer Vor-Ort-Recherche und öffentlich zugänglichem Material der Pasewalker Öffentlichkeitsarbeit entstanden.

Verkehrshindernis Deutsche Einheit Nr.1 – zementiert

Mittwoch, August 27th, 2008

Die Spannung hat sich gelohnt. Der Bundesverkehrsminister hat den Lacher auf seiner Seite. Hier gibt es die Karte mit den Schienenwegsprojekten der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit (VDE). Augenscheinlich beim VDE Nr. 1 Lübeck/Hagenow – Rostock – Stralsund: Die noch nicht fertiggestellten Abschnitte (rot), die es so oft bei den anderen VDE nicht mehr gibt. Das VDE Nr. 1 ist das am weitesten zurückgebliebene.

Glatte Schönrednerei ist dabei die Darstellung der “fertiggestellten” Abschnitte. Von den geplanten 1,072 Milliarden Eurpo für den Streckenbau wurden bisher 574 Millionen ausgegeben. 498 Millionen bleiben noch für die restlichen Abschnitte. Und da gibt es noch reichlich zu tun, denn in der Karte zum Stand des Streckenausbaus werden auch Abschnitte als fertig ausgegeben, die nicht oder nur annähernd den Planungen entsprechen. Im Sachstandsbericht wird auch deutlich, dass die Fertigstellung der Strecke erst nach 2011 erfolgen soll. Mehr als 20(!) Jahre nach Auflegung des Programms. Bundesverkehrsminister Tiefensee nannte das Jahr 2017 als Zeitpunkt der Fertigstellung.

Nach dem Abschnitt Blankenberg-Warnow, an dem derzeit noch gebaut wird und der Ende 2008 in Betrieb gehen soll, werden die verbleibenden Streckenabsschnitte erst nach 2011 begonnen. Grund dafür sei die geänderte mittelfristige Investitionsplanung, wie es im Sachstandsbericht des Bundesverkehrministeriums heißt. Im Klartext bedeutet das: In den nächsten Jahren werden die marodesten Streckenabschnitte weiter marode bleiben. Die Reisezeiten werden sich nicht weiter verkürzen, bei der derzeitigen Sanierungspolitik der Bahn in Mecklenburg-Vorpommern wohl auch eher wieder schlechter werden. Die Kapazität der Strecke bleibt beschränkt, was zum Beispiel der Hinterlandanbindung der Häfen Stralsund und Sassnitz-Mukran schadet. Auf eine eingleisige Strecke passen eben nicht soviele Züge wie auf eine zweigleisige.

Man darf gespannt sein wie die Landespolitik sich zu diesem Sachstandsbericht verhält. Aber erstmal wird ja der Infrastrukturminister ausgetauscht. Vielleicht bringt der neue Infrastrukturminister im Oktober auch neue Impulse.

Verkehrshindernis Deutsche Einheit Nr. 1

Dienstag, August 26th, 2008

Wolfgang Tiefensee, glückloser Bundesverkehrsminister, will heute den Fortschritt der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit (VDE) vorstellen. Ein 40 38,8 Milliarden Euro-Programm, dass bereits 1991 aufgelegt wurde und bis heute nicht vollständig erledigt ist. Insgesamt 17 Straßen-, Schienen – und Wasserwegeprojekte sollten die Verbindungen zwischen West- und Ostdeutschland verbessern.

Paradebeispiel für die zum Teil mangelhafte Umsetzung ist das VDE Nr. 1 – die Bahnstrecken von Lübeck/Hagenow über Rostock nach Stralsund. Die Projektvorstellung und ihr Scheitern gibt es auch hier. Denn da schreibt die Bahn als ausführendes Unternehmen, man wolle bis 2006 fertig sein. Pustekuchen! An der Strecke wird immer noch, immer mal wieder gebaut. Und dann auch nicht so, wie es ursprünglich mal vorgesehen war. Nix ist mit durchgehenden zwei Gleisen, Elektrifizierung und Geschwindigkeiten bis zu 160km/h.

Die Bahn hat einen Flickenteppich zusammengeschustert. Zwischen Lübeck und Bad Kleinen ist die Teilstrecke des VDE Nr.1 nur eingleisig und dort müssen Dieseltriebwagen fahren, weil der Fahrdraht fehlt. Zwischen Rostock und Ribnitz-Damgarten ist bis auf den Abriss von Ausweichmöglichkeiten und ein paar neuen Weichen bisher nichts passiert. Die Züge ruckeln dort durch mehrere Langsamfahrstellen und nicht schneller als 120 Stundenkilometer. Ab Ribnitz-Damgarten West geht’s dann auf neuen Gleisen weiter mit 160km/h, aber das zweite Gleis fehlt. Immer wieder hieß es, das Zusatzgleis könne man bei Bedarf ja noch einbauen. Platz genug hat man zumindest gelassen.

Auf dem südlichen Abschnitt zwischen Hagenow und Bützow ist schon einiges passiert. Dort war die Strecke auch schon zweigleisig und elektrifiziert. Der Bahnhof Schwerin ist komplett überholt worden, neue Gleise liegen bis nach Hagenow und neuer Fahrdraht hängt auch. Von Ventschow bis Warnow ist die Strecke modernisiert oder wird gerade saniert. Rund um den wichtigen Kreuzugsbahnhof Bad Kleinen allerdings vernichtet die Bahn alle Fahrzeitgewinne, die die Züge auf den ausgebauten Abschnitten herausholen, denn die Anlagen im Bahnhof Bad Kleinen sind alt und verschlissen und die Anfahrt sowohl aus Richtung Schwerin als auch Rostock muss langsam erfolgen. Die Streckengeschwindigkeit ist wegen des Zustands der Gleise dauerhaft abgesenkt.

Geradezu putzig ist die Zielstellung bei der Reisezeit zwischen Lübeck und Stralsund. Die sollte mit dem VDE Nr.1 auf 2 Stunden sinken. Sie liegt derzeit bei 2 Stunden 53 Minuten. Das ist sogar wieder langsamer als noch vor einem Jahr.

Ich bin gespannt, was Herr Tiefensee heute zum VDE Nr. 1 sagen wird.

Nazi-Angst

Freitag, August 8th, 2008

Ganz plötzlich zuckt die junge Frau zusammen. Die Augen verengen sich zu Schlitzen, die Lippen werden schmal, eine herbe Strenge wandert in das sonst offene und freundliche Gesicht. “Ich will nicht mitmachen bei dem Projekt!”, sagt sie kategorisch. “Ich hab’ keine Lust aufs Maul zu bekommen!” Sie ist 23, Berufsschülerin an einer großejn Rostocker Berufsfachschule und soll im Rahmen ihrer Ausbildung eigentlich an einem Projekt gegen Rechts teilnehmen. Das Projekt soll an die Öffentlichkeit, die junge Frau gemeinsam mit ihren Mitschülern die Öffentlichkeitsarbeit organisieren. Und die Öffentlichkeit ist das Problem. Die Furcht vor rechten Repressalien ist so groß, dass nicht nur die eine, sondern auch weitere Schüler nichteinmal auf den Teilnehmerlisten des Projekts auftauchen wollen. Es kostet den Dozenten einige Mühe die Schüler davon zu überzeugen weiter am Projekt teilzunehmen, gerade weil sie Angst vor den braunen Schlägern haben. “Wie kann es sein, dass eine gewalttätige Minderheit dafür sorgt, dass ihr eure Meinung nicht mehr frei äußern wollt? Wo leben wir denn, wenn ihr euch nicht mehr traut gegen diese Spinner was zu sagen?”, wütet der Dozent in den Klassenraum.

Dozent und Klasse wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sich die NPD-Landtagsfraktion bereits über das Projekt informieren. Eine kleine Anfrage an das Sozialministerium zeigt, dass die Rechten das Projekt aufmerksam verfolgen. Sie wollen wissen, an welchen Schulen und mit welchem historischen Quellenmaterial das Projekt bestritten wird.

Schweigen und langes Nachdenken, dann bricht es aus einigen heraus. “Das ist doch Scheiße, dass wir uns von so paar Typen den Mund verbieten lassen. Aber Schiss hab ich trotzdem.”, meint ein sonst eher unscheinbarer Teilnehmer. Ein paar der Schüler haben bereits Erfahrungen mit Nazis gemacht, mal in der Schule, mal als Nachbarn, mal auf dem Campingplatz in Mecklenburg-Vorpommern. So wie in einem kleinen Dorf kurz vor Ahlbeck. Direkt an der Straße liegt der Campingplatz, jetzt in der Hauptsaison ist er bis auf den letzten Quadratzentimeter belegt. Familien, Dauercamper und vereinzelte Tagesreisende, die den beliebten Platz füllen freuen sich über Sonnenwetter und günstige Preise. Nur in der Nacht hat die Freude mehrmals in der Woche und besonders am Wochenende ein Ende. Immer wieder gibt`s dann “Remmidemmi bis morgens früh.”, berichtet ein Mittfünziger, der mit Frau und Enkel auf dem Platz Kurzurlaub macht. “Mit Heil Hitler und allem drum und dran!”, empört sich der Mann. “Neulich hat der Platzbetreiber auch die Polizei gerufen und die jungen Leute vom Platz geschmissen. Bis 8Uhr hatten die Zeit um den Platz zu verlassen. Aber schön ist das nicht. Vorgestern-Nacht haben wir schon wieder so’n Gegröle gehabt. Aber da traut man sich ja auch nicht hin. Früher hätte man die mit ‘nem Fuffzig-Mark-Schein umgehauen, aber heute. Die sind ja immer so besoffen und ohne Hemmungen, die schlagen einen ja tot. Und dauernd die Polizei auf den Platz holen, das geht ja auch nicht.”

Denn selbst die Polizei gerät ins Visier der Nazis. So geschehen im vorpommerschen Löcknitz. Dort versammeln sie sich immer wieder in einem Garagenkomplex, dann wird gesoffen, gegrölt und gekotzt. Mal der Suff vor die Garage, mal die verquere Meinung in die Luft. Als Anwohner sich über den Lärm beschwerten und zwei Polizisten anrückten, eskalierte die Lage vor kurzem. Geschätzte 20 enthemmte Kameraden attackierten die Beamten, die sich nur unter Einsatz von Pfefferspray und Rückwärtsgang aus der gefährlichen Lage befreien konnten.

Ganz ohne Pfefferspray und im schnellstmöglichen Vorwärtsgang mussten sich etwa zehn junge Leute in einer uckermärkischen Gemeinde in Sicherheit bringen. Zum Tanz wollten die Jugendlichen bei einem Straßenfest, um eine Geburtstagsfeier zu beschließen. In zwei Gruppen begab man sich in die Ortsmitte im Abstand von etwa fünf Minuten. Als die zweite Gruppe in die Nähe des Straßenfestes kam, drang ihr bereits infernalisches Geschrei entgegen. “Judensau, wir kriegen dich!”, brüllt es aus mindestens zehn Kehlen, zwanzig schwere Stiefel rappeln über den neuen Asphalt in der Ortsmitte. Ein Gast der Geburtstagsfeier rennt vor der enthemmten Meute um sein Leben. Ein anderer springt über die Mauer des Kirchhofs, um sich dort zu verstecken. Im Vorbeilaufen kracht ein schwerer Stiefel gegen den Unterschenkel eines Mädchens. Mit einem Schmerzensschrei sackt sie zusammen. Die Discomusik auf dem Platz läuft weiter. Die Besucher des Straßenfestes stehen wie angewurzelt an den Bierständen und auf der Tanzfläche. Keiner greift ein, obwohl jeder jeden kennt und mit Namen zur Räson bringen könnte. Die Hatz dauert gut eine Viertelstunde. Einen Geburtstagsgast erwischen die Rechten noch, drücken ihn an eine Hauswand, treten gegen Knie und Unterleib, zerreissen seine Kleidung. Der Hinweis, dass er im Fußballverein ist, rettet ihn vor weiteren Verletzungen. Ein halbe Stunde später ist die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort. Die Ermittlungen ziehen. Der offensichtlich rechtsextreme Hintergrund der Attacke wird in den Ermittlungen immer wieder von Beamten in Frage gestellt. Die “Judensau”-Rufe spielen keine Rolle.

Mit anderen Worten

Montag, Juni 16th, 2008

Felix ist 4 Jahre alt, demnächst feiert der kleine Blondschopf mit den blitzenden blauen Augen seinen fünften Geburtstag. Erst kürzlich hat er dank intensivem Training seinen G- und K-Fehler abgelegt. Gemeinsame Übungen mit Mama in der Badewanne machten Schluss mit lustigen phonetischen Verwechslungen, die einen “Topf” auf dem Hals von Papa bestätigten und die neue Farbe “drün” in den Kreis der Komplementärfarben hineinwussten.

Im Zuge seiner sprachlichen Entwicklung probiert der kleine Mann auch gern herum, so versicherte er erst gestern, dass Schmetterlinge aus der “Mehkamorfohse” hervorgehen. Am liebsten hat er es jedoch wenn alle “rump-herum”* mit ihm spielen, “angere”** Menschen lieb zu ihm sind und er bei Oma und Opa “leibm”*** darf. Faszinierend.

*rundherum

**andere

***bleiben (gern auch als “hialeibm”= hierbleiben)

2 Jahre Knast pro Wort

Freitag, April 25th, 2008

Ich glaube, es gibt einen Weg, wie man selbst den dämlichsten Nazi zum Weinen bringen kann. Mit einer handfesten Beleidigung nämlich. Ich schlage folgende Wortkaskade am Rande von Demonstrationen oder sonstigen braunen Veranstaltungen vor – Fluchtweg und oder behelmten staatlichen Schutz vorausgesetzt.

- Deine Oma war doch SS-Batallions-Schlampe! -

Esklationsstufe 2

- Deine Oma war doch SS-Batallions-Schlampe auf der Ordensburg! -

Eskalationsstufe 3

- Deine Oma war doch eine richtig durchtriebene SS-Batallions-Schlampe auf der Ordensburg – wenn die Kompanie mit ihr fertig war! -

Nora Tschirner nackt

Sonntag, März 23rd, 2008

Der Arsch von Til Schweiger war schon immer unerreichtes Vorbild vieler Freizeit-Gymnastiker in nach Schweiß und billigem Duschgel stinkenden Muskelpumpstationen – der Hintern von Nora Tschirner könnte Ansporn für viele Hobby-Sportlerinnen werden. Beide Hinterteile bewunderte ich im Ahlbecker Clubkino. ‘Keinohrhasen’ flimmerte über die Leinwand. Ein beflissener Herr im gemusterten Hemd servierte Bier und Chips dazu. Die Spätvorstellung ist Rauchervorstellung und so wurde der Kinosaal im ehemaligen Haus der Erholung zum spätsonntäglichen Wohnzimmer. Entsprechend ungeniert ging es in der Sitzreihe von A., M. und miescha zu. Lauthals lachend, Bier trinkend, mit Chips raschelnd, fiel die nur mäßige Schauspielleistung von Nora Tschirner gar nicht mehr ins Gewicht. M. und m. waren sich dann schließlich auch einig, dass die blonde Kindergärtnerin-Kollegin viel besser geschauspielert hatte, obwohl Nora Tschirner deutlich mehr Attraktivitätspunkte sammeln konnte. Was aber nicht an den Nacktauftritten lag – irgendwann ist so ein Jugendtraum eben auch nur noch eine Szene in einem lustigen Film. Ja huch – da isse ja schon wieder nackig. Naja. Nackig eben, das hübsche Ding und pullern muss die auch mal. Dieses bebrillte Getue vom halbwegs hässlichen Entlein zur sexuell befreiten und daher deutlich attraktiveren Mittzwanzigerin hatte Charme, mainstreamigen, bisweilen süß-klebrigen, Charme. Ein hübscher Abend also mit hübschen Ärschen auf der Leinwand und davor.